Generalintendant Michael Schulz: "Wir denken zuviel in Schubladen..."

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Der Arbeitsplatz von Generalintendant Michael Schulz ist das Musiktheater im Revier, das er auch aus architektonischer Sicht liebt. Fotos: Gerd Kaemper
 
Bridget Breiners Ballett-Geschichte zum Leben und Wirken von Charlotte Salomon hat Michael Schulz in diesem Jahr beeindruckt.Foto: Gerd Kaemper
 
Anke Sieloff singt bei der Schalker 111-Jahr-Feier „Kennst du den Mythos...?“ mit, Peter Peters (links) und Michael Schulz freuen sich drauf.

Es ist seine achte Spielzeit am Musiktheater im Revier und der Spielplan trägt eindeutig seine Handschrift: Generalintendant Michael Schulz ist gelernter Opern-Regisseur mit einem großen Herz fürs Schauspiel - und er macht bis heute beides gern: Theater organisieren - auf und hinter der Bühne... Der Stadtspiegel fragte im großen Sommerinterview unter anderem nach den Höhepunkten der neuen Spielzeit.

Angefangen hat seine Theaterlaufbahn auf einer Grundschulbühne in Lüneburg als „kleiner Hävelmann“. „Und es war tatsächlich auch ein Lehrer am Gymnasium in Braunschweig, der mich mehr oder weniger aufgefordert hat, Theater zu spielen“, erinnert sich Michael Schulz zurück. Als Sohn eines Bundeswehr-Offiziers ist er seit seiner Jugend ans Umziehen gewöhnt, eine Eigenschaft, die man in der Theaterbranche gar nicht hoch genug einschätzen kann.
„Zuerst wollte ich Schauspieler werden, das hat aber nicht geklappt.“ Doch ein Chefdramaturg hatte beim Besuch an Schulzens Schule auch von seiner Arbeit als Regisseur erzählt. Also bewarb sich der Abiturient dafür - und schaffte die Aufnahmeprüfung in Hamburg! „Ich habe mich für Opern-Regie entschieden, fragen Sie mich bitte nicht warum“, schmunzelt Michael Schulz heute. Bereut hat er es sicher nie.

Auf dem klassischen Theaterweg

Und so beschritt er den klassischen Theaterweg, wechselte nach vier Jahren Studium direkt ins erste Engagement ans Staatstheater Kassel, eines von vielen weiteren. Um dann doch auch auf der Bühne zu landen. „Während des Studiums stellte sich heraus, dass ich ganz gut singen kann. Für die Oper ist das nur bedingt geeignet, aber ich habe beispielsweise in Kassel den Eugene im Musical „Grease“ gespielt.“ Eine dankbare Rolle, die auch den Schauspieler Schulz gefordert hat. „Es war üblich, dass der Regie-Assistent, wenn Not am Mann war, einsprang. Aber ich wurde sogar „richtig“ besetzt“, erinnert sich der 47-Jährige. „Das Musical „Sweet Charity“ - es gibt eine wahnsinnig schöne Verfilmung mit Shirley MacLaine - habe ich oft gespielt.“

Schulz inszeniert Britten: "A Midsummer Night's Dream"

Doch im weiteren Verlauf seiner Karriere war es die Opern-Regie, die ihn meistens beschäftigt hat. Und er macht es immer noch, in der kommenden Spielzeit können die Musiktheater-Besucher die Britten-Oper „A Midsummer Night‘s Dream“ erleben. Inszeniert von Michael Schulz. Sein Höhepunkt der Spielzeit? „Eigentlich freue ich mich auf alles“, sagt er, zuckt entschuldigend mit den Schultern, weil er weiß, dass das nicht die Antwort ist, die ein Journalist auf so eine Frage hören möchte.
Aber wenn der unbeirrt theater-begeisterte Mann dann erklärt, warum eigentlich jedes Stück ein Höhepunkt ist... Hier eine Auswahl: „Die Oper „La Gioconda“ist eine Herausforderung. Es ist wirklich große Oper mit Ballett, riesigen Chören, einer spannenden Geschichte. Sie wird viel zu selten gespielt. Man ist überrascht, wie viel Musik sie beinhaltet, die man kennt.“

Steampunk-Oper "Klein Zaches, genannt Zinnober"

Oder: „Ich freue mich wirklich auf „Klein Zaches, genannt Zinnober“. Diese Steampunk-Oper basiert auf der herrlichen Gesellschaftssatire von E.T.A. Hoffmann und wird mit der Punkmusik von Coppelius und Sebastian Schwab erzählt. Großartig.“ Punk-Musik? Großartig? „Ich wünsche mir ein Publikum, das offen und neugierig für alles ist, denn auch Theater muss sich weiterentwickeln. Wir denken zu viel in Schubladen und müssten doch viel offener bleiben, ich mag Metallica genauso gern wie ein Sinfoniekonzert.“
Wichtig sind ihm auch die Musiktheater-Projekte für junge Menschen. „Es gibt so viele Stücke für Kids, die phantastisch sind. Das Genre „Kinderoper“ steckt noch in den Kinderschuhen. Es wäre schön, das als eigene Sparte mit eigenen Schauspielern realisieren zu können.“ Zunächst gibt es zwei Kinderstücke für zwei verschiedene Altersgruppen: „König Hamed und Prinzessin Sherifa“ für Acht- bis Zwölfjährige und „Schaf“ für Vier- bis Siebenjährige.

Vorfreude auf "B3 vertanzt"

Beim Ballett-Programm, das nicht er, sondern Ballettdirektorin Bridget Breiner zusammenstellt, freut sich der Generalintendant übrigens auf „B3 vertanzt“. „Weil das die Choreografie ist, durch die ich Bridget kennengelernt habe. Ich glaube, ich hatte damals schon eine Ahnung, dass wir uns wiedersehen.“ Und eine ihrer Produktionen, die in der kommenden Spielzeit wieder aufgenommen wird, hat es ihm besonders angetan. „Mit „Charlotte Salomon“ hat sie ein Stück geschaffen, dass die Besucher beschäftigt und berührt. Das ist das, was Theater für mich ausmacht“, schwärmt er.

Seit acht Jahren im Revier

Seit acht Jahren ist Michael Schulz am Musiktheater im Revier, ihm ist es zu verdanken, dass auf den Spielzeit-Programmen auch das Wort Gelsenkirchen vorkommt. „Wir haben hier ein wunderbares Haus mit einem tollen, anerkannten Programm, aber viele sagen immer noch ungern, wo es steht“, wundert sich der Wahl-Gelsenkirchener, der unentwegt Künstler trifft, die sich darauf freuen, in Gelsenkirchen zu leben. „Gerade jetzt stößt eine Berlinerin zu uns, die mir gerade geschrieben hat, wie sehr sie sich darauf freut, nach Gelsenkirchen zu ziehen“, erzählt er. Sicher seien viele erstaunt, wie gut es sich hier leben lässt... Für den Wahl-Bueraner natürlich längst keine Überraschung mehr.

"Ich will wissen, wie Schalke gespielt hat."

Überraschend ist für den Theater- und Musikmenschen, der begeisterter Koch ist, Graphic Novels liebt, gern in Museen geht und bekennender Serien-Junkie ist, hingegen, dass er sich jetzt für Fußball interessiert. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ja: Ich will wissen, wie Schalke gespielt hat.“ Das ist eben auch etwas, das diese Stadt kann, die mit dem FC Schalke lebt und atmet. „Es beeinflusst tatsächlich die Stimmung im Theatersaal“, ist Schulz immer noch ein bisschen ungläubig. Und weil das Musiktheater an der 111-Jahre-Show des S04 künstlerisch maßgeblich beteiligt ist, kennt er den Mythos jetzt erst recht. So passt es perfekt, dass die kommende Spielzeit im Musiktheater mit diesem Spektakel eröffnet wird: „Kennst du den Mythos...?“
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