"Geschichten über Menschen" - Drei Fragen an Chefdramaturgin Gabriele Wiesmüller

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Chefdramaturgin Gabriele Wiesmüller.Foto: Pedro Malinowski.
Die Oper "Die Passagierin" wird ab Samstag, 29. Januar, im MiR in Gelsenkirchen gezeigt. In Ergänzung zur Berichterstattung stellten wir "Drei Fragen an" Chefdramaturgin Gabriele Wiesmüller.

1 Frau Wiesmüller, Thema der Oper "Die Passagierin" ist "verdrängte Schuld". Wie schafft man dramaturgisch den Spagat, wenn man bedenkt, dass eine Oper auch unterhaltsam sein soll?

Es geht durchaus nicht nur um Schuld. Es geht auch um die persönlichen Geschichten der inhaftierten Frauen, ihre Pläne für die Zukunft, wovon sie träumen, die Liebe. Die Frage ist doch, ob „unterhaltsam“ einschließt, dass man auch „berührt“ werden darf. Wenn man, so wie ich, im Theater und speziell im Musiktheater an die Verbindung von beidem glaubt, ist das kein Widerspruch.

2 Wenn wir in Deutschland diese Oper aufführen, bedeutet das immer auch eine besondere Verantwortung. Wird man dadurch in der künstlerischen Gestaltung eingeengt?

Es werden Geschichten über Menschen erzählt und das ist nie eine Beschränkung, sondern ein Geschenk! Auch dann, wenn der historische ebenso wie der künstlerische Themenkomplex eine hohe Sorgfalt benötigt.

3 Wie, glauben Sie, wird die Aufführung bei den Menschen ankommen? Was erhoffen Sie?

Ich vermute, dass sich niemand den Schicksalen der Figuren und ihrer historischen Vorbildern wird entziehen können. Das belegt auch der Erfolg der Oper in Produktionen wie in Frankfurt oder Bregenz. Ich persönlich wünsche mir, dass der Abend unsere Besucher dazu anregt, Tendenzen, wie sie gegenwärtig gesellschaftlich wieder virulent werden, etwas entgegen zu halten.
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