Inklusion: Fortbildung zum ehrenamtlichen Kulturbegleiter

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Martina Mail (v.l.), Anja Herzberg und Dr. Zuzanna Hanussek haben das Projekt der Fortbildung zum Kulturbegleiter gemeinsam entwickelt. (Foto: Gerd Kaemper)

Gelsenkirchen trägt schon heute zurecht den Namen einer inklusiven Stadt. Es gibt bereits zahlreiche Angebote, die Inklusion zum Ziel haben, aber bis zur wirklich inklusiven Stadt sind es noch ein paar Schritte. Einer der nächsten ist ein neues Angebot: Die Fortbildung zum ehrenamtlichen Kulturbegleiter.

Von Michelle Lahmer

Die Initiatoren dieses Projekts sind Dr. Zuzanna Hanussek vom evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid, Martina Mail, hauptamtliche Mitarbeiterin im Generationennetz Gelsenkirchen und Anja Herzberg, Programmbereichsleiterin für Kulturelle Bildung und stellvertretende Leiterin der Volkshochschule Gelsenkirchen.
Vom 20. bis 23. Juni findet nun also in der Vhs erstmals eine Fortbildung statt, die Interessierte zu ehrenamtlichen „Kulturbegleitern“ ausbildet. Ziel des Qualifizierungsangebots ist es, für den Umgang mit Menschen in besonderen Bedarfslagen zu sensibilisieren.

20. bis 23. Juni in der Vhs

„Wir richten uns damit ganz klar an die Gelsenkirchener Bevölkerung, keine Institutionen“, erklärt Martina Mail. „Und das egal welchen Alters“, betont Dr. Zuzanna Hanussek. Das Ganze solle nicht vorrangig für ältere Personen bestimmt sein, sondern für all die, die sich in einer besonderen Bedarfslage befinden, dies können auch Jugendliche sein. Allgemein versteht man darunter Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, Mobilitätseingeschränkte, Menschen mit neurokognitiven Störungen wie zum Beispiel Demenz sowie blinde, taube und hörgeschädigte Personen.
Als ausgebildeter Kulturbegleiter kann diesen Menschen so eine Teilhabe an öffentlichen Veranstaltungen ermöglicht werden. „Als Partner und Institutionen konnten wir bereits das Musiktheater, Consol Theater, Emschertainment, Emporenkonzerte und das Kunstmuseum gewinnen“, so Mail. Das Musiktheater hat bereits das Adventssingen und das Musical "Anatevka" als Veranstaltungen speziell für Menschen mit Kulturbegleitern gebucht. „Viele mit Beeinträchtigungen scheuen den Weg allein, mal ins Theater zu gehen oder andere kulturelle Dinge auszuprobieren. Eine zweite Person kann als Stütze dienen,“ erklärt Dr. Hanussek. Außerdem haben die Begleiter freien Eintritt zu den Veranstaltungen, wenn überhaupt, wird höchstens mal ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben. Freie Fahrt mit Bus und Bahn ist ebenfalls gewährleistet. „Wir wollen die Menschen reaktivieren und sehr Zurückgezogene so am öffentlichen Leben teilhaben lassen“, führt Anja Herzberg aus.

Teilhabe an Veranstaltungen

Die Fortbildung läuft so ab, dass auch Ärzte direkt vor Ort sind, um den Interessierten verschiedene Krankheits- und Veränderungsbilder sowohl kognitiver wie auch psychischer Natur nahezulegen. Reiner Frontalunterricht wird es aber nicht, versichert Herzberg, „denn das macht ja dann auch keinen Spaß. Abwechslung ist wichtig, deswegen fahren wir zum Beispiel am Dienstag, 21. Juni, nach Buer.“
Am Ende des viertägigen Workshops erhalten die Ehrenamtler ein Zertifikat, auf dem ihnen bescheinigt wird, woran sie alles teilgenommen haben. Das heißt, sollte man bei einer Veranstaltung verhindert sein, bekäme man das Zertifikat trotzdem, jedoch mit dem Hinweis, dass das ein oder andere nicht absolviert wurde. Dass es den drei Initiatorinnen ernst mit dem Projekt ist, zeigt sich auch daran, dass vierteljährlich Schulungen angeboten werden sollen, so dass sich Ehrenamtliche immer weiter spezialisieren können, um vielleicht weitere Tätigkeitsfelder aufnehmen zu können.
Um dann am Ende die zertifizierten Ehrenamtlichen mit den Menschen, die Beeinträchtigungen haben, zusammenzubringen, gibt es das Generationennetz. So wird zuerst mit der betroffenen Person gesprochen und dann ein passender Ehrenamtlicher ausgesucht, der sich dazu entscheiden kann, etwas mit der Person zu unternehmen.

Und so funktioniertdie Vermittlung

Auch ist es Kulturbegleitern möglich, sofern zu Anfang noch Unsicherheiten vorhanden sind mit einer beeinträchtigten Person alleine eine Veranstaltung zu besuchen, einen zweiten Helfer als Stütze hinzuzunehmen, um etwaige Berührungsängste abbauen zu können. Bei den Emporenkonzerten sind die Ensembles darüber informiert wenn eine speziell inklusive Veranstaltung stattfindet, sodass, sollten die beeinträchtigten Personen vielleicht auch mal laut mitsingen, das Ensemble weiß, wie es damit umzugehen hat.
Wer Interesse hat, diesen ehrenamtlichen Job auszuführen und die Fortbildung zu machen, kann sich unter Telefon 169-2403 oder per Mail an anja.herzberg@gelsenkirchen.de anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos und nur nach Anmeldung möglich.
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