Kunstprojekt Archipel In√est sucht Erntehelfer, Schrauber und Kulturarbeiter, Infos: www.archipel-invest.eu

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    Gelsenkirchen: Qulle des Archipels | Gratis: Am Sonntag- (29.9.13) und Montag- (30.9.13) Nachmittag können Kunstliebhaber insgesamt ca. 2 Zentner Champignons in der Innenstadt selber ernten und zugleich Teilnehmer eines temporären Kunstevents werden.

Pilze, Ernte, Mitarbeit und Kunst - Sie sind neugierig geworden? Also der Reihe nach:
Auf Einladung von UrbaneKünsteRuhr präsentiert die KUNSTrePUBLIK in Gelsenkirchen die "offene Werkstatt des Archipel „In√est“.

UrbaneKünsteRuhr ist Teil der Kultur Ruhr GmbH und in Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und des Regionalverbandes Ruhr. Diese neue Kunstorganisation ist zugleich Forschung als auch Stadtentwicklung mit den Mitteln der zeitgenössischen Kunst. Für UrbaneKünsteRuhr ist das Ruhrgebiet nicht bloss als die Ansammlung von 53 Städten, sondern ein urbaner Raum, der in kein Raster passt. In einem langfristigen Prozess wird die Kommunikation mit den Menschen im Ruhrgebiet sowie den ansässigen Künstlern und Organisationen gepflegt. Die begleitende wissenschaftliche Forschung ist Voraussetzung für die Entwicklung von Strategien und Projekten.
Deshalb recherchieren die von UrbaneKünsteRuhr eingeladenen Künstler in mobilen Laboren und entwickeln dann erst mit und für die Menschen im Ruhrgebiet ihre Projekte.
Katja Aßmann, künstlerische Leiterin von UrbaneKünsteRuhr, betont, wie wichtig der ergebnisoffene Prozess ist, um Kunst und Stadtleben miteinander in Kontakt zu bringen und aus den Diskussionen ohne festlegende Zielvorgabe fruchtbare und überraschende Korrelationen wachsen zu lassen.

Auf Einladung von UrbaneKünsteRuhr hat sich die Berliner Künstlergruppe KUNSTrePUBLIK seit einem Jahr im Ruhrgebiet umgesehen und fand in Gelsenkirchen passende Arbeitsbedingungen.

Dr. Volker Bandelow, Leiter des Kulturamtes der Stadt Gelsenkirchen, freut sich darüber, in Gelsenkirchen Möglichkeitsräume für Kunst geschaffen zu haben, die es so in benachbarten Städten nicht gebe. Den zunehmenden Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft mache er auch daran fest, dass - anders als in früheren Jahrzehnten - inzwischen spezielle Flächen für temporäre Kunstwerke sogar in Stadtentwicklungsplänen rechtsverbindlich festgeschrieben und dann auch in Bebauungsplänen umgesetzt würden. Es werde oft übersehen, dass Gelsenkirchen auch in der jüngeren Stadtgeschichte Kunststadt gewesen sei. Bandelow verweist hier auf die Architektur des Backsteinexpressionismus, das Hans-Sachs-Haus, das Musiktheater im Revier, Uecker's "genageltes Klavier", die frühe Zero-Ausstellung in 1963 und die internationale Bauausstellung. Auch heute sei die Stadt bereit, sich der Kunst zu öffnen. Weitere Kreativquartiere würden ganz aktuell in Ausschusssitzungen vorbereitet.
Bandelow hofft, dass sich auch aus den neuen Aktionen der KUNSTrePUBLIK tragfähige Strukturen ergeben, welche die Stadtverwaltung aufgreifen kann. Für ihn sei es wichtig, dass Kunstaktivitäten von Profi-Künstlern initiiert und dann von den Bürgern aufgegriffen und fortgeführt würden. Nur auf diesem Wege - und nicht von Behörden vorgeformt - sei nachhaltiges Kunstschaffen mit Impulsen für die Stadtentwicklung möglich.

Auch die Künstler von KUNSTrePUBLIK betonen, dass ihre Projekte ganz entscheidend auf Teilnehmer ausgerichtet sind, die sich aktiv einbringen und so gestaltender Teil des Kunstwerkes werden. Daher sei eine Website für Kulturarbeiter eingerichtet worden: www.archipel-invest.eu.
Bei der Gestaltung der Seite habe man sich bewusst an frühere "Anwerbe-Plakate" für ausländische Arbeiter in der Eisen- und Montanindustrie orientiert.

Die Künstlergruppe KUNSTrePUBLIK wurde 2006 von den Künstlern Matthias Einhoff, Philip Horst, Markus Lohmann, Harry Sachs und Daniel Seiple als gemeinnütziger Verein zur Realisierung von Kunstprojekten gegründet. KUNSTrePUBLIK produziert selbst künstlerische Projekte und ist auch kuratorisch tätig. Philip Horst verrät, dass die Gruppe selbst derzeit für Unternehmensberater zum Studiengegenstand für Nachhaltigkeit geworden sei.

Mit dem performativen Kunstprojekt Archipel In√est sucht das Künstlerkollektiv nach Alternativen für aktuelle Stadtplanungsprozesse. Abseits von ökonomischen und wirtschaftlichen Vorgaben werden vom 26. bis 29. September 2013 im Kreis Recklinghausen und den angrenzenden Städten utopische Möglichkeiten der Nutzung öffentlichen Raumes erprobt.

KUNSTrePUBLIK definiert hierfür Sondernutzungszonen - die so genannten Inseln des Archipel In√est, welche jeweils nur einem hochspezialisierten, experimentellen Ziel unterworfen werden.
Für die vier Forschungscluster „My√est“ (identifizieren), „In√est“ (investieren), „Har√est“ (implementieren) und „Rest√est“ ((re)produzieren) werden Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich thematisch auseinanderzusetzen und entsprechende Projekte zu realisieren.
Kunstinteressierte Bürgerinnen und Bürger können sich mit Rat und Tat in diese Vorhaben einbringen (siehe Anwerbungs-Website). Bei so vielen unterschiedlichen Vorhaben ist für Jede und Jeden Kunstfreund etwas dabei!

In der Quelle des Archipels (Bahnhofsvorplatz 4 in Gelsenkirchen) wird vom 26. bis 29. September 2013 auf zwei Etagen ein Einblick in den derzeitigen Stand des Kunstprozesses gewährt.
In der "offenen Werkstatt" erhebt sich über einem Meer aus Kulturchampignons ein Laufsteg aus Holzpaletten, auf dem Frauen des Internationalen Kulturvereins zum Projekt „My√est“ Kleidungsstücke ihres Modelabels "Vest" vorführen. Mehr über die Identität des Ruhrgebiets gibt es bei "Psyche einer Stadt". In der Lecture Performance erfahren wir etwas über Ängste, Träume und Hoffnungen der Region - die Beiträge sind ab November sogar im Radio zu hören. Dazu gibt es einen begleitenden Workshop, in dem Szenen als Tableaux Vivants festgehalten werden. Wollen Sie nicht auch mal selbst Fernseh-Schauspieler sein? Passanten können sich beim Kunstprojekt "Irreality TV Zone" in Marl an einer Daily Soap beteiligen.

Oder wie wär's mit einer Beteiligung der technisch Interessierten an "Opel ohne Ende"?
Im Rahmen der Projektgruppe „Rest√est“ wird ein kompletter Opel zusammen mit ehemaligen Opel-Mitarbeitern in seine Einzelteile zerlegt.
Die Künstlergruppe REFUNC schafft experimentale Strukturen, die aus lokalem Müll entstammen und gibt dem Wegwerfmaterial ein zweites Leben. Im "Klub der toten Teile" treffen sie sich mit Opelanern und anderen Experten der Automobilbranche, um im lockeren Rahmen neue Gegenstände aus Autokomponenten zu entwickeln. So entstehen Lichtinstallationen aus Wassertanks, Pflanzen ziehen ihre Wachstumsenergie aus alten Steckerleisten, Autositze und Schrottteile verbinden sich zu ausgefallenen Sitzmöbeln ...

Agile Senioren sind für das Forschungsgebiet „Har√est“ gefordert: Die Projektgruppe "Reinigungsgesellschaft" untersucht mit "Power the Pott" die Möglichkeiten, die Potenziale von Sport, Bevölkerungsalterung und erneuerbarer Energie als Modell der Postwachstumsökonomie im Ruhrgebiet zu nutzen. So werden einer Seniorengruppe "Spinning Bikes" zur Verfügung gestellt, mit denen Strom produziert und ins Netz eingespeist wird.

In der Arbeitsgruppe „In√est“ erleben wir u.a. die Errichtung privater Naturreservate.
Die Künstler Maira das Neves und Pedro Victor Brandao errichten auf einer Fläche in Oer- Erkenschwick ein Naturreservat. Ein begrenzter Bereich wird in seine ursprüngliche Flora zurückversetzt und den Verwertungsdynamiken entzogen. Im Kontrast zu dieser "Stilllegung" operiert in einem Schuppen ein „Serverpark“, in dem über Spekulation mit "Bitcoins" Geld generiert wird, mit dem die Rückführung des Geländes in „Urwald“ finanziert wird.
Die Mini-Ausgabe eines möglichen Naturreservates befindet sich in der "Quelle des Archipels".

Auch die Künstlergruppe KUNSTrePUBLIK hat sich mit Interventionen eingebracht.
Hier schließt sich der Kreis zu den eingangs erwähnten Pilzen.
Die Intervention "Kulturchampignons/Kulturchampions" ist der Versuch, exemplarisch die Möglichkeiten der Weiterverwertung industrieller Restprodukte aufzuzeigen. KUNSTrePUBLIK wird dazu einen Marktanhänger in ein Kulturmobil verwandeln und die Schönheit der Pilzkulturen als skulpturale Arbeit weiter leben lassen.
Die Künstler von KUNSTrePUBLIK haben Kisten mit Kulturchampignons aus Zuchtbetrieben aufgekauft. In gewerblichen Betrieben gelten die Pilzkulturen nach zwei Ernten als nicht mehr ausreichend ertragreich und werden vernichtet. KUNSTrePUBLIK hat nun diese Pilze zwei Wochen lang gehätschelt und siehe da, es bildet sich ein Meer aus weißen Köpfchen. Geschätzte 2 Zentner sind erntebereit - gratis und für Sie!

Und weil es so viele spannende, interessante Projekte und Termine sind, verweise ich für weitere aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen auf:
www.urbanekuensteruhr.de
www.archipel-invest.eu
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