Mit Humor und Genuss

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Die Vortragenden beim Jüdischen Abend mit Humor und Genuss waren Dieter Salje als Rabbi, Judith Neuwald-Tasbach und Norbert Labatzki.Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Courtyard Hotel |

Mit einem Abend, der Humor, Musik und den Genuss gleichermaßen einbezog, wurde die Reihe Jüdische Wochen Kulinarisch von der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen im Courtyard-Hotel fortgesetzt. Und von allen drei Elementen gab es reichlich.

Nach der jüdischen Märchenwelt - nun der jüdische Humor

Nachdem im vergangenen Jahr die jüdische Märchenwelt beleuchtet wurde, kamen nun Witze, Anekdoten und Kurzgeschichten von Paul Spiegel, Ephraim Kishon und Salcia Landmann zu Gehör.
In ihrer Begrüßung versprach die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Judith Neuwald-Tasbach, dass der Abend alle Sinne berühren würde: „Freuen Sie sich auf ein schönes Essen, ein geschmackvolles Ambiente, gute Musik und zahlreiche Beispiele des jüdischen Humors.“ Und das Versprechen wurde bestens gehalten.
Dabei erwies sich die Gemeindevorsitzende als gute Gastgeberin und erfüllte damit auch die Pflicht, die das gerade erste begangene Neujahrsfest von den Juden erwartet: die Gastfreundschaft. „Diese wird groß geschrieben im Judentum und diese Tradition geht zurück auf Abraham“, erläuterte Judith Neuwald-Tasbach.
Passend zur jüdischen Küche konnten die Gäste zwischen einem Weiß- und Rotwein aus Israel wählen. Ehe der Rabbi, in diesem Fall Dieter Salje, der zur Zeit als Rabbi in Anatevka im Musiktheater im Revier auf der Bühne steht, den hebräischen Segen über Wein und Brot sprach.
Die Speisefolge wurde von Judith Neuwald-Tasbach mit Erläuterungen zur jüdischen Küche begleitet. So stellte sie klar, dass es sich hier nicht um koschere Gerichte handeln konnte, weil dazu eine strikte Trennung von Milch- und Fleischspeisen erforderlich gewesen wäre, die die Hotelküche nicht durchführen konnte.
„Das Gebot sagt, dass milchig und fleischig nicht gemeinsam gekocht werden darf. Denn es heißt: Das Böcklein soll nicht in seines Mutter Milch gekocht werden. Das geht zurück auf den Auszug aus Ägypten, der die Juden durch die Wüste führte, wo das Wasser auch zum Kochen knapp war. Doch die Milch sollte das Böcklein ernähren und nicht dazu dienen, es zuzubereiten“, schilderte die Gemeindevorsitzende.
Und auch, dass die Juden zwischen dem Genuss von Milch und Fleisch eine Wartezeit einhalten müssen. So muss nach dem Genuss von Milch eine Stunde gewartet werden, ehe Fleisch verköstigt werden kann. Nach dem Genuss von Fleisch sind es gar sechs Stunden. Eine Einschränkung gibt es auch bei der Wahl der Tiere, die verköstigt werden dürfen. So kommen nur Paarhufer auf den jüdischen Speiseplan, es darf kein Blut vorhanden sein und auch Schalentiere gehören zu den verbotenen Tieren.

Betej avon oder besser: Guten Appetit!

Bei Brot, Butter und Salz gab es da natürlich keine Probleme. Als Vorspeise erfreuten sich die Gäste an Ingwer-Fischbällchen in Tomaten-Zitronensauce und Reis.
Als Zwischengang gab es Informationen zur Klezmermusik und passende Musikstücke von Norbert Labatzki auf der Klarinette. Paul Spiegel war den meisten Anwesenden und vermutlich auch Lesern bekannt als Vorsitzender des Zentralrates der Juden, doch Judith Neuwald-Tasbach stellte eine neue Seite Spiegels vor: „Er war ein begnadeter Witze-Erzähler und nach seinem Tod hat seine Tochter Dina das Buch „Jetzt mal Tacheles“ mit den jüdischen Lieblingswitzen ihres Vaters herausgegeben. Jüdische Witze sind zwar lustig, aber sie haben in der Regel auch einen tiefgreifenden Hintergrund und regen zum Nachdenken an.“

Witze auch auf eigene Kosten

Etwa der Witz von dem Rabbiner, der seit 50 Jahren an der Klagemauer betet und dabei das Gefühlt entwickelt gegen eine Mauer zu reden. Die vorgetragenen Witze sorgten für eine lockere Stimmung und bereiteten die Gäste auf Esaus scharfe Linsencremesuppe mit Blattpetersilie vor. Dazu erläuterte die Gemeindevorsitzende, dass die jüdischen Gerichte unterschieden werden nach der aschkenasischen und der sephardisch-orientalischen Küche, weil „das Judentum immer die Rezepte aus den Ländern, in denen es lebte, für sich entdeckt hat.“ So entsprachen die Fischbällchen eher der sephardischen und die Linsensuppe der aschkenasischen Küche.

Süßes zum süßen neuen Jahr

Da im Judentum das neue Jahr gern „süß“ begrüßt wird, um auszudrücken, dass es ein schönes neues Jahr werden soll, gab es passend dazu das Lammragout süß zubereitet mit Honig und Pflaume an gekochtem Ei und Pfannenkartoffeln. Das Gericht stellte eine Mischung aus den beiden Richtungen der jüdischen Küche dar und entsprach einem Tscholent, der im Judentum am Vortag des Schabbat angesetzt wird, um dann langsam vor sich hin zu köcheln, weil ja am Schabbat nicht gearbeitet werden darf.
Dieser Gang wurde garniert durch fröhliche Hochzeitslieder mit Musik und Gesang. Judith Neuwald-Tasbach erläuterte die Traditionen zum Pessach-Fest, das im Frühjahr gefeiert wird. Acht Tage vor dem Fest darf nur ungesäuertes Essen verspeist werden und das Matze, das ungesäuerte Brot, ist nicht aus dem Speiseplan wegzudenken. Davon erzählt auch Ephraim Kishons Erzählung „Mit Mazzes versehen“, die von der wundersamen Vermehrung der Brote berichtet, als sie gar nicht mehr benötigt werden.

Kishon-Klassiker: Der Blaumilchkanal und Rafi im Supermarkt

Nachdem der Dattelkuchen mit Dörrobstkompott als Dessert für einen süßen, aber umso verführerischen Abschluss gesorgt hatte, verwöhnte Judith Neuwald-Tasbach die Gäste noch mit ihren Lieblingsgeschichten, nämlich Ephraim Kishons „Blaumilchkanal“ und „Im Supermarkt“. Und so mancher Zuhörer erinnerte sich gut an die Verfilmung der Geschichte des meschuggen Kasimir Blaumilch, der aus der Klappse ausbüxt und sich mit einem Presslufthammer daran macht, die Hauptverkehrsadern von Tel Aviv aufzureißen, um einen Kanal zu erschaffen. Und auch die Geschichte von „Rafi“ und seinen Eltern im ersten Supermarkt von Tel Aviv war den Gästen wohlbekannt, sorgte aber nichtsdestotrotz für sehr gute Unterhaltung.
Mit den Ohrwürmern „Wenn ich einmal reich wär...“ und „Bei Mir Bistu Shein“ sowie einem Dank an das MiR für die Entleihung des „Rabbi“ in voller Theatermontur verabschiedete sich auch Norbert Labatzki.
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