Neuer Krimi von Thomas Schweres: "Die Abbieger"

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Thomas Schweres brachte sein neuestes Werk "Die Abbieger" mit nach Gelsenkirchen.
 
Thomas Schweres (2017): "Die Abbieger", 285 Seiten, Grafit Verlag Gmbh, ISBN 978-3-89425-485-8.

Kommissar Georg Schüppe aus Gelsenkirchen-Schalke sitzt immer noch im Dortmunder Polizeipräsidium, seinen Spitznamen "Der Spaten" benutzt eigentlich nur noch der Polizeipräsident, aber den bösen Jungs jagt er weiterhin hinterher: In "Die Abbieger" löst er seinen vierten Fall, unterstützt oder behindert - je nach Sichtweise - wird er dabei von Reporter Tom Balzack...

Und der ist das Alter Ego von Autor Thomas Schweres, der im richtigen Leben als Journalist Fernsehnachrichten für einen großen privaten Fernsehsender produziert. "Mein Anspruch bei diesem Fall war einen richtigen Krimi, aber gleichzeitig eine Satire zu schreiben", erzählt der gebürtige Essener, der in Dortmund wohnt und als überzeugter Schalker Ein-Mann-Fußgänger-Korsos nach Derbysiegen veranstaltet - unter Lebensgefahr, versteht sich.
Sein Protagonist Klaus-Werner Lippermann ist Kaninchenfreund und Staugegner, doch seine Kaninchen werden im Kleingarten Emscherglück ermordet. Wieviel Zeit hat er mit ihnen verpasst, weil er zwischen Dortmund und Duisburg im Stau stand? Deshalb entführt er den Chef einer Landesbehörde. "Zehntausende, wenn nicht hunderttausende Arbeitnehmer in diesem Land, die gezwungen sind, zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln, fühlen sich seit Jahrzehnten als Geiseln einer unfähigen Behörde, die sich Straßen.NRW nennt und uns alle quält. Diesen Spieß werde ich jetzt umdrehen. Denn einen Stau von Zeit zu Zeit, den hält jeder aus. Aber Sie, Herr Dr. Weissfeldt, sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie das ist, diese Situation täglich ertragen zu müssen. Morgens und abends wieder, wenn man sich nach Hause sehnt, zu seiner Mutter und seinen Tieren, und stattdessen auf der A40 steht", sagt er und wer kann es ihm nicht nachfühlen?
Auf die Idee für das Buch ist Thomas Schweres gekommen, als er einen Monat lang "amputiert" war. Amputiert? "Man hatte mir den Führerschein abgenommen", erklärt der Kriminalreporter. "Und während ich als Beifahrer an einer kilometerlangen "Beruhigungsspur" vorbeigefahren wurde - im Schleichtempo natürlich - kam mir die Idee, dass man mal einen von denen entführen müsste und zwei Wochen lang zwingen, sich diese Fahrerei anzutun", erzählt er freimütig und erklärt ernsthaft: "Das heißt wirklich Beruhigungsspur, wenn da vor der Baustelle schon kilometerlang eine Spur abgesperrt ist..."
Erfinden musste der Dauer-38-Jährige im Körper eines wesentlich Älteren für diese Geschichte wenig. Selbst die Zitate des Ministers sind authentisch. "Deshalb verspreche ich den Menschen vor allem eins: ein Jahrzehnt der Baustellen", sagt der Minister Groschonnek bei Thomas Schweres. Und den Verkehrslagebericht "Insgesamt mehr als 400 Kilometer Staus in NRW, wir melden nur die ab vier Kilometer...", kennt auch jeder Ruhri. Selbst die Beschriftungen der Tunnel wie "Rahn müsste schießen" oder gar "Ich komm aus Dir" lassen keine Fragen offen und wer die Strecke fährt, weiß, dass das aggressiv machen kann. Doch Entführung ist keine Lösung und irgendwie ist das Buch ja ein Krimi, der nach der Auflösung des Falls schreit. Doch zuvor kommen noch Wasserpistolen und Schwefelsäure ins Spiel...
Ende Februar erschien das Werk und Schweres erntete damit viel mehr Aufmerksamkeit als mit den drei Vorgängern. "SAT 1 hat einen Bericht darüber gemacht und die tatsächliche Chefin von Straßen.NRW dazugebeten", erzählt der Mann, der es gewohnt ist vor einer Kamera zu stehen. "Es ist aber etwas ganz anderes, wenn man nicht selbst der Reporter ist. Ich erzähle immer allen: ´Bitte schauen Sie nicht in die Kamera, sondern mich an!` Und was mache ich? Genau...", grinst der Mann, der seine Krimis in Blockphasen schreibt und fürs erste Manuskript rund sechs Wochen lang braucht. "Toll fand ich, dass die Straßen.NRW-Chefin das mit Humor genommen und mitgemacht hat." Und auch der WDR und RTL berichteten über "Die Abbieger".
Das Cover zeigt die A40 mit Stau, wie könnte es anders sein. Immerhin sieht man nicht die Silhouette des Stadions, in dem Lüdenscheid spielt. "Das wollte der Verlag ernsthaft bei einem der Vorgänger-Bände", erinnert sich Schweres. "Da habe ich gesagt, ich zahle gern den Vorschuss zurück, aber mit dem Cover erscheint das Buch nicht!" Ist es nicht und so blieben dem Vollblut-Königsblauen die Häme der Andersdenkenden erspart und der Schalker Georg Schüppe kann weiter ermitteln...
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