Zauberhafte Premiere des „Zauberer von Oz“ mit stehenden Ovationen belohnt

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Sie war so kurz davor, wieder nach Hause zu kommen! Doch dann ließ der Torwächter der Smaragdenstadt das Tau des Ballons los und Dorothy dachte, sie müsste auf ewig im Zauberland bleiben. Doch dann erfuhr sie, dass die roten Schuhe sie jederzeit nach Kansas bringen konnten. (Foto: Pjotr Malinowski/MiR)
Gelsenkirchen: Mir |

Nach den jünsten, eher düsteren und inhaltsschweren Inszenierungen der „Charlotte Salomon“ und des „Rigoletto“, gibt sich das Musiktheater im Revier wieder fantasievoll leicht und märchenhaft bunt. Grund ist das Abenteuer um Dorothy und ihre Freunde im Lande Oz, das seine gelungene Premiere feierte.

Das Musical begann filmreif mit einem Augenzwinkern in Richtung der filmischen Vorlage des „Oz“ aus 1939: mit zwei kleinen Löwenbrüllern des goldgelockten Dandy-Löwen Pjotr Prochera aus einem Logo heraus, das an jenes von Metro-Goldwyn-Mayer erinnert. Und dann war man drin in der Geschichte um das Waisenkind Dorothy in Kansas, das ein wenig trotzig und immer zu stören scheint – herrlich verkörpert von Dorin Rahardja, die nicht die Naivität Judy Garlands in ihre Rolle legte, aber dennoch als Kind herüberkam. Sie, wie auch alle übrigen sieben Hauptdarsteller, das Musicalensemble und die beiden Kinderdarsteller in den Rollen des Munchkinbürgermeisters und des Käfers der alle zum Tanzen bringt (Jitterbug) meisterten ihre Rollen Schauspielerisch wie gesanglich großartig.

Einzigartige Charaktere

Ohne die Vorgeschichte um das Leben auf der Farm bei Tante Em und Onkel Henry und in Nachbarschaft von Miss Almira Gulch – dieser Part erschien einigen im Publikum zu lang – wäre den Zuschauern aber einiges an Spaß entgangen. Der Spaß am Auftritt von Öhrchen-Toto, der nur in den ersten Szenen länger zu sehen und zu hören war, und der Spaß am Auftritt von Miss Gulch. Herrlich kauzig, die zornige Nachbarin Miss Almira Gulch, wie sie auf ihrem Fahrrad durch die Felder wackelte. Unter der turmhohen Perücke der amerikanische Charaktertenor William Saetre, der auch als knallig bunt gekleidete heimtückische Hexe eine gute böse Figur machte.

Spaß am Spiel

Zu jeder Zeit des Musicals sah man den Darstellern den Spaß am Spiel an. Dass auch Regisseurin Sandra Wissmann Spass an der Inszenierung hatte, wird vor allem bei der Personencharakterisierung der Hauptdarsteller spürbar. Im Zusammenspiel ihrer Regie, der reizenden Kostüme und des zauberhaften Bühnenbildes entstanden liebevolle, lebendige Bilder.

Der Wirbelsturm stellt wohl für jeden Oz-Regisseur eine besondere Herausforderung dar. Im Gelsenkirchener „Oz“ zogen die dunklen Wolken auf der Leinwand auf und alles schien sich zu bewegen. Den Übergang von Dorothys realer Welt in die (Traumwelt) von Oz leitete die durch die Wolken radelnde Miss Gulch ein, die im Nebel verschwand und auf der Bühne ihr herrlich hässliches krächzendes Lachen hinterließ.

Dass Sandra Wissman bei der Auswahl ihrer Darsteller ein glückliches Händchen hatte, bewiesen der tapsigeScheuch (Michael Dahmen) mit seinem Wortwitz, der steppende Blechmann (E. Mark Murphy) und der Löwe (Piotr Piocha), der in seinem Kostüm und seiner Art, den Löwenschwanz wie ein Mikro vors Maul zu halten, an den „King“ Elvis erinnerte.
Hervorragend spielte nicht zuletzt auch Anke Sieloff als Tante Em und charismatischer als gute Hexe Glinda, die verführerisch mit ihrer weißen Herrengarde durch die Szenen tanzte und gleichzeitig vom Umbau zwischen den einzelnen Bildern ablenkte.
In der blauen Menge der fröhlichen Munchkins begrüßte sie Dorothy im Zauberland und sorgte mit „Ding Dong die Hex‘ ist tot“ und “Wir geh’n jetzt los zum Zauberer” zweifelsfrei für weitere Ohrwürmer nach „Somewhere over the Rainbow“, der Sehnsuchtshymne all jener, die jenseits der Norm ihr Glück suchen.

Ganz sicher verließen nicht wenige Zuschauer das MiR mit diesem Ohrwurm im Kopf und einem beschwingten Gefühl. Nicht umsonst wurde die Musical-Premiere des „ Zauberers von Oz“ mit stehenden Ovationen belohnt.
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