600% mehr Zuschauer als 2014!

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Im Eingangsbereich des Hans-Sachs-Hauses führte Schauspieler Markus Kiefer den Besuchern deutlich vor Augen für wen sie hier eigentlich spendeten und präsentierte sich als Stadtstreicher oder Obdachloser. Foto: Gerd Kaemper
 
Mit über 600 Besuchern war der Saal des Hans-Sachs-Hauses proppevoll. Rainbow-Catering bot Speisen und Getränke an und stellt einen Teil des Erlöses daraus auch für die gute Sache zur Verfügung. So könnte es summa summarum mit den 10.000 Euro noch was werden. Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Hans-Sachs-Haus |

Direkt bei der Begrüßung zur Straßenfeuer 2.0-Spendengala verkündete Moderator Frank Bürgin, dass mit dem ausverkauften Hans-Sachs-Haus ein Zuschauerzuwachs von 600 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen war. Damit war schon vor dem eigentlichen Beginn der Gala klar, dass der Erlös von 1312,93 Euro aus dem letzten Jahr in diesem Jahr deutlich höher ausfallen würde.

Es gibt die Hoffnung auf 10.000 Euro an Spenden


Da noch nicht alle Einnahmen aus dem Anteil am Verkauf von Getränken und Speisen sowie den CDs von Rafael Cortez und natürlich aus den Spendenbüchsen gezählt sind, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, ob die magische Marke von 10.000 Euro geknackt werden konnte. Doch die Aussichten sind gut!
Frank Bürgin, der in Gelsenkirchen eigentlich eher für beeindruckende Filme über die Stadt bekannt ist, outete sich im Laufe des Abends als Mitschüler des Organisators der Spendengala, Norbert Labatzki, und erklärte, dass man gemeinsam die „Elite-Bildungseinrichtung Gesamtschule Berger Feld“ besucht habe.

Bürgermeisterin Rudowitz lobt das Engagement


Anstelle von Oberbürgermeister Frank Baranowski begrüßte Bürgermeisterin Martina Rudowitz die Gäste. Dabei fand sie warme Worte für Norbert Labatzki: „Diese heute organisierte Gala spiegelt ein weiteres Mal Ihr großes Herz und Ihr ausgeprägtes soziales Engagement wider. Vielen Dank für Ihre Energie und Hartnäckigkeit.“
Sie verwies darauf, dass die Künstler allesamt, ohne zu zögern, sofort bereit waren, nicht nur dabei zu sein, sondern auch auf ihre Gage zu verzichten. Und Martina Rudowitz bemerkte zu Recht: „Man muss fühlen... was es bedeutet, gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein, am Rande der Gesellschaft zu leben. Man muss seine Verantwortung spüren. Es braucht Gespür für Menschen, die durch Schicksalsschläge auf der Straße gelandet sind, Menschen, die durch Abhängigkeiten krank geworden und so nicht in der Lage sind, ein klar strukturiertes Leben zu führen. Leider ist unsere Gesellschaft häufig nicht mehr in der Lage, diese Verantwortung zu fühlen. Man ist zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt.“

Stolz auf solche Gelsenkirchener


Umso erfreuter zeigte sich die Bürgermeisterin darüber, dass Norbert Labatzki diese Spendengala zum zweiten Mal organisiert hat, um ein „Straßenfeuer zu entzünden, um den Menschen auf der Straße ein wenig Wärme zukommen zu lassen. Ich bin stolz, dass wir solche Menschen wie Sie in Gelsenkirchen haben.“

Markus Kiefer erinnerte an "Elvis von der Bahnhofstraße"


Ein Beispiel für die Menschen, denen der Erlös der Spendengala zugute kommt, führte der „beste Schauspieler Gelsenkirchens“, wie Frank Bürgin ihn titulierte, Markus Kiefer den Besuchern vor Augen. Er empfing die Gala-Besucher bereits am Eingang des Hans-Sachs-Hauses auf dem Boden liegend, in Lumpen gekleidet und mit einer Flasche Bier in der Hand. Als er auf die Bühne wankte, wurde es still im Saal, bis erleichtert erkannt wurde, dass es sich um einen Programmteil handelte, als Kiefer Ausschnitte aus dem Musical „Alles dreht sich oder Wo ist Elvis?“ präsentierte.

Das ArztMobil als mobiles Arztzimmer der Menschen auf der Straße


Genau Stadtstreicher oder Obdachlose wie der stadtbekannte Elvis, der lange Jahre das Stadtbild Gelsenkirchens prägte, sind die Nutznießer der Gala. Denn 20 % des Erlöses fließen in die Arbeit der Obdachlosenzeitung Paperboy, die anderen 80% kommen dem ArztMobil, einem mobilen Arztzimmer, zugute. Der Vorsitzende des Vereins ArztMobil, Dr. Wolfgang Nolte, erläuterte die Arbeit des Vereins, der zwar eine öffentliche Förderung erhält, aber 25% seines Bedarfs selbst durch Spenden erbringen muss.

Dr. Nolte: Das Leben auf der Straße wird immer mehr


„Sie müssen sich vorstellen, dass wir vor zehn Jahren mit einem Arzt und einer halben Stelle im sozialtherapeutischen Bereich auskamen. Heute beschäftigen wird eine Ärztin und fünf Diplom-Sozialarbeiter bzw. -pädagogen. Mit Ehrenamtlern kann man das längst nicht mehr bewältigen, weil die Klientel, mit der wir zu tun haben, sehr sensibel auf Veränderungen reagiert. Wir brauchen Vollzeitkräfte, damit immer die gleichen Ansprechpartner bereit stehen, die sich bereits das Vertrauen der Obdachlosen erarbeitet haben“, schilderte Dr. Nolte.

Musikalische "Herbst"-Zeit bei der Spendengala


Seinen Schilderungen folgte ein weiterer Programmteil, den das Musiktheater im Revier beitrug. Die musizierende Familie Herbst mit Mezzosopranistin Almuth Herbst, Udo Herbst an der Gitarre und Fanny Herbst an der Harfe präsentierten Klassik, eine Eigenkomposition auf der Harfe und aus gegebenem Anlass den Westernsong „God has his arms around me“ von Victor Young.

Bossa Nova mit den Chili-Boys


In eine etwas andere Richtung ging der Beitrag der Chili-Boys bei der Weltpremiere der Boygroup aus Gelsenkirchen. Multitalent Norbert Labatzki präsentierte sich als Macho Migele, Andy Hägler als Peter Widelski und Roland Körner als Enrico Rosetti und gemeinsam sorgten sie für sommerliche Klänge mit Banjo, Okulele, Gitarre und Mundharmonika.
Die Versteigerung des durch youtube bekannten Werkes „Ein Tag mit mir am Meer“ von Susanne Kampling brachte weitere 200 Euro in die Spendenkasse.

Standing Ovations für Rafael Cortez und Rafael Cortez junior


Und auch Rafael Cortez sorgte für Mehreinnahmen. Denn nicht nur, dass der Musiker mit seiner Flamenco-Gitarre und seinem Sohn Rafael Cortez jun. den Saal zum Beben brachte und zu Beifallsstürmen animierte, er spendete auch aus dem CD-Verkauf nach der Gala noch 2 Euro pro Silberling.

Herbert Knebel strapazierte die Bauchmuskeln


Den Abschluss der gelungenen Spenengala bereitete ein ganz besonderer Gast, der von Frank Bürgin angekündigt wurde als „erst 27 Jahre alt, aber bereits genau so lange Frührentner“. Gemeint war kein Geringerer als Uwe Lyko alias Herbert Knebel. Und als Knebel Schoten aus seinem Leben erzählte, blieb kein Auge trocken und er kam entsprechend nicht ohne Zugabe von der Bühne.
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