Der Steiger Award lebt weiter!

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John Spendelow riss die Zuschauer mit seinem Vortrag des Songs "The Boxer" regelrecht von den Stühlen. Foto: SiSo
 
Schauspieler Jürgen Prochnow freute sich, mal wieder in seiner alten Heimat zu sein. Er lebt inzwischen in den USA und ist deren Staatsbürger geworden. Foto: SiSo
 
Kurt Masur, der große Dirigent und Mensch mit Herz und Mut rührte die Anwesenden zu Tränen als er das Lied "Der Mond ist aufgegangen" anstimmte. Foto: SiSo
 
Der New Yorker Fotograf Albert Watson fühlte sich geehrt durch den Steiger Award und erzählte gleich eine Anekdote, die er kurz zuvor im Hotel-Fahrstuhl erlebt hatte. Foto: SiSo
 
Der ehemalige NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers hielt gleich zwei Laudationen für um Europa verdiente Politiker. Foto: SiSo

Das bewies sein "Macher", Sascha Hellen, nun sehr eindrücklich und imposant. Denn nicht nur die zu ehrenden Promis und deren Laudatoren fanden den Weg nach Dortmund zum 9. Steiger Award, sondern auch weitere Prominente wie Schauspielerin Michaela May, Moderatorin Carmen Thomas, "Mr. Hobbythek" Jean Pütz oder auch der Bochumer Polizist Torsten Heim, der besser bekannt ist als Toto aus der Serie "Toto und Harry".

Zurück zu den Wurzeln des Steiger Award

Mit dem Lied „Komm‘ zur Ruhr“, dem Lied zur Kulturhauptstadt 2010 von Herbert Grönemeyer, wurde nun der 9. Steiger Award eröffnet, der wie Moderator Werner Hansch erklärte „Back to the Roots“ in Dortmund stattfand.

"Der Steiger ist wieder hier in seinem Revier"

In Dortmunds weithin sichtbarem „U“ erklärte Werner Hansch: „Der Steiger Award lebt weiter und ist wieder hier in seinem Revier. Zwischendurch war er ein wenig weg nach Westen und mutierte zum Fahr-Steiger, nun ist er auf einem der höchsten Punkte in Dortmund angekommen und quasi ein Berg-Steiger.“
Der Knabenchor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund eröffnete den Show-Reigen mit Grönemeyers „Kinder an die Macht“ und erntete dafür tosenden Applaus der rund 200 Gäste im View des „U“.

Zu Ehrende und Laudatoren

Die diesjährigen Preisträger waren Dr. Michael Otto (Umwelt), Jürgen Prochnow (Film), Prof. Kurt Masur (Toleranz), Albert Watson (Kunst),Prof. Alfred Grosser und Prof. Dr. Kurt H. Biedenkopf (Europa), The Scorpions (Musik National), Rudi Völler (Sport), Jean Michel Jarre (Musik International) und Liselotte Pulver (Lebenswerk).
Als Laudatoren fungierten ebenso bekannte Größen aus Politik, Sport und Kunst mit Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer, Katharina Trebitsch, Gero von Boehm, Horst Wackerbarth, Ministerpräsident a.D. Dr. Jürgen Rüttgers, Klaus Voormann, Reiner Calmund, Bettina Wulff und Prof. Dr. Alfred Biolek.

Der Steiger für Umwelt

Dr. Michael Otto erinnerte in seiner Dankesrede an die Vergänglichkeit der Ressourcen der Natur und ermahnte: „Das Handeln zum Schutz der Natur ist ein Muss und dabei sollte Jeder bei sich selbst anfangen, etwas für die Natur zu tun.“
Der weitsichtige Ökonom hat dazu auch eine Stiftung ins Leben gerufen, die sich der Aufgabe widmet, Projekte für Kinder durchzuführen. Denn Otto weiß: „Nur wer die Natur kennt und lieben lernt, kann sie respektieren.“

Der Steiger in der Kategorie Film

Die Fernsehproduzentin und Professorin für Filmregie und Filmproduktion Katharina Trepitsch sprach die Laudatio für Schauspieler Jürgen Prochnow. Dabei erinnerte sie an seine Anfänge beim Tatort mit der Folge „Jagdrevier“ und seine erfolgreiche und langjährige Zusammenarbeit mit Wolfgang Petersen. „Seine Darstellung eines Homosexuellen im Jahr 1976. als gleichgeschlechtliche Liebe noch ein Tabu war, brachte ihm viele Anfeindungen ein. Davon hat er sich nicht beeindrucken lassen, weil er einer ist, der immer eine Meinung hat und diese auch behält, obwohl er ein sehr offener Mensch ist.“
Für Prochnow selbst begann seine Karriere zunächst mit Warten: „Bei der Filmerei ging es immer nur ums Warten, um ein paar Sekunden eine Szene zu spielen, danach hieß es wieder warten. Das war schon langweilig, aber ich bin dabei geblieben und daran hatte Wolfgang Petersen einen großen Anteil.“
Hinter ihm liegt eine grandiose Karriere, die ihn wie er erzählt „sogar nach Hollywood brachte. Anfangs kam ich mit der Schauspielerei in der noch fremden Sprache nicht gut zurecht, jetzt bin ich US-Staatsbürger. Meiner Heimat Deutschland bin ich aber immer treu geblieben.“

Der Steiger für Toleranz

Gero von Böhm schilderte den Dirigenten Prof. Kurt Masur als ein Beispiel lebendiger Musikkultur und zwar durch alle Genres der Musik. „Er war eine der Gallionsfiguren der DDR, aber eine mit Zivilcourage, Toleranz, Menschlickeit und Empathie.“
Masur, den die Parkinsonsche Krankheit eigentlich an den Rollstuhl fesselt, bewegte sich schwer gezeichnet von der Krankheit mit Hilfe eines Stockes zur Bühne. Dort angekommen stimmte er das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ an und bat die Anwesenden zu zaubern: „Verzaubern Sie sich und ihr Kind, wenn Sie nach Hause kommen und an seinem Bettchen stehen. Stimmen Sie das Lied an und denken Sie daran: Es werden Wunder geschehen!“

Der Steiger für Kunst statt für einen Hund

Zu Ehren des Fotografen Albert Watson philosophierte Horst Wackerbarth über die Fotografie. Watson schilderte seine Ankunft im Hotel, wo er im Fahrstuhl einem Mann begegnete, der ihn fragte, aus welchem Grund er in Dortmund sei. „Ich erklärte, dass ich einen Preis bekäme und der Andere meinte: Ach, ja in der Westfalenhalle ist ja eine Hundeausstellung. Als ich verneinte und meinte, dass ich den Steiger Award erhalten würde, war der Mann irgendwie enttäuscht.“

Der Steiger in der Kategorie Europa

Keine ganz leichte Aufgabe hatte der Ministerpräsident a.D. Dr. Jürgen Rüttgers. denn er musste die Laudatio auf gleich zwei Preisträger in der Kategorie Europa halten und sollte sich dabei auch noch kurz fassen.
Dabei beschrieb er Prof. Dr. Kurt Biedenkopf als Mann, der immer wieder gebeten wird, sich einzumischen, wenn es um Freiheit, Solidarität und Wohlstand geht. So war Biedenkopf als Ministerpräsident von Sachsen maßgeblich beteiligt an der Gleichstellung der neuen und alten Bundesländer.
Prof. Alfred Grosser ist gebürtig in Frankfurt am Main, seine Familie emigrierte aber 1933 auf der Flucht vor den Nazis nach Frankreich und seit 1937 ist er französischer Staatsbürger. Ihn bezeichnete Rüttgers als einen „Einmischer, dem es egal ist, ob seine Einmischung gerade gelegen oder ungelegen kommt und mitunter auch mal weh tut.“

Ein unverbesserlicher Einmischer

Grosser machte seinem Laudator alle Ehre und mischte sich sofort ein, in dem er ermahnte: „Die freien Deutschen im Westen müssen sich bewusst werden, dass sie es besser hatten als die Menschen in der Diktatur der DDR. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht verstehe, warum eine arme Ruhrpottstadt für eine arme Stadt in den neuen Bundesländern zahlen muss!“
An die Bundesregierung gewandt erklärte er weiter, dass Deutschland nicht die Quelle des Rechts in Europa ist und dieses für sich auslegen kann, wie es gerade passt. Darum rief er dazu auf, dass möglichst viele Bürger im kommenden Jahr zur Europa-Wahl an die Urnen gehen sollten.

Chancen nutzen, die sich bieten

Prof. Dr. Biedenkopf ermahnte dazu, nichts als Selbstverständlichkeit anzunehmen. Dazu erinnerte er an das Zechensterben, das die Menschen im Revier nicht als Zeichen einer neuen Chance begriffen haben, sondern als Verlust des Selbstverständlichen. „Wir haben in Dresden ein wunderbares Opernhaus. Es wird von vielen geschätzt, von wenigen besucht, aber es ist eine Selbstverständlichkeit bis diese einmal gefährdet ist. Für die heutigen Kinder ist auch Europa eine Selbstverständlichkeit, die es zu sichern gilt. Ich hoffe auf Europa, weil die Zusammenarbeit den Frieden sichert.“

Der Steiger für Musik national wird laudiert vom 5. Beatle

Klaus Voormann war erst kurzfristig als Laudator für die Scorpions eingesprungen und hatte die Idee zu einem Trialog mit Klaus Meinke und Rudolf Schenker. Dabei trafen sich keine einander Unbekannten. Klaus Meinke verriet: „Wir waren damals unglaublich neidisch auf Dich, als Du mit den Beatles im Starclub unterwegs warst!“
Mittlerweile gehören die Scorpions zu den ganz großen Bands und feiern schon bald ihr 50-jähriges Bestehen.
„Es war ein langer Weg. Als ich Ende der 60er Jahre mal Jemandem sagte, dass wir mal in Amerika spielen würde, meinte der nur: Die warten ja auch nur auf Euch!“, schilderte Meinke.
Inzwischen sind die Musiker regelrechte Brückenbauer und vertreten Deutschland in aller Welt. Rudolf Schenker erinnerte sich: „Wir standen für die neue Generation der Deutschen. Wir sagte immer: Wir kommen mit Gitarren statt mit Panzern!“
Und so spielten sie 1988 schon kurz nach der Perestroika in Leningrad und sie werden der Sache nicht müde und waren erst vor wenigen Wochen im Libanon. Sie werden von den Fans in Tel Aviv aber ebenso herzlich empfangen und auch von denen in Kairo.

Der Steiger in der Kategorie Sport

Mit ReKiner Calmund ein Vorgänger die Ehre als Laudator für seinen Nachfolger zu fungieren. Doch ehe Calli sich seinem eigentlichen Thema Rudi Völler widmete, gestand er Lieselotte Pulver seine lebenslange Liebe: „Als ich Sie in „Ich denke oft an Piroschka“ gesehen habe, war es um mich geschehen. Nur: damals war ich zu jung und heute bin ich zu dick!“

"Es gibt nur einen Rudi Völler"

„Es gibt nur einen Rudi Völler“ skandierte er dann zu Beginn seiner Laudatio für eben jenen und lobte Völler als Jemanden, der nichts auf seine Jungs kommen lässt. Die Männerfreundschaft zwischen dem ehemaligen und dem amtierenden Manager des Bayer 04 Leverkusen hält seit nunmehr 30 Jahren an.
„Rudi wollte damals nicht nach Leverkusen. Ich musste mich quasi mit meinem ganzen Gewicht auf ihn setzen, um ihn zu überzeugen“, lachte Calli.
In Richtung NRW-Innenminister erinnerte Calmund daran, dass der Staat jährlich rund 800 Millionen Euro an der Fußball-Bundesliga verdient. All denen, die sagen, dass sich mehr Leute engagieren sollen, entgegnete er, dass sich mehr als 1 Millionen Menschen ehrenamtlich im Fußball engagieren.
Zurück zu Rudi Völler schilderte er den ehemaligen Bundestrainer als Menschen, der schon vor knapp 30 Jahren damit begann, durch Spenden andere an seinem Glück teilhaben zu lassen. Calli meinte: „Nicht nur quatschen und planen, sondern machen!“ Und er sagte auch: „Rudi ist nach Goethe der in der Welt zweitbekannteste Hesse!“
Rudi Völler schilderte eins seiner Treffen mit Reiner Calmund so: „Ich hätte nie gedacht, dass man sich mittags gegen 12.30 Uhr zum Mittagessen trifft und abends noch auf dem gleichen Platz sitzt, um das Abendessen zu bestellen. Mit Calli geht das!“
Als er 1980 zu 1860 München kam, seiner ersten Bundesliga-Station, war er enttäuscht als er in einer Hotel-Absteige untergebracht wurde. „Dort hatte ich aber meine erste Begegnung mit Jürgen Prochnow. Das brachte mich zu zwei Einsichten: Schauspieler verdienen nicht so viel Geld wie wir glauben und ich hätte zu Bayern München gehen sollen.“

Wie erklärt man einer Römerin die Stadt Leverkusen?

Eine seiner Spieler-Stationen führte ihn zum AS Rom und die Stadt bedeutete für ihn Großes, denn hier lernte er seine Gattin kennen und lieben. „Als ich dann 34 war und mir einige Dinge auf dem Platz schon ein wenig schwer gefallen sind, saßen wir im Sonnenschein auf dem Balkon und überlegten, wie es weiter gehen soll. Da kam Calli und setzte sich quasi auf mich drauf. Nun stellte sich das Problem meiner Frau, einer Römerin, zu erklären was Leverkusen ist. Ich versuchte es mit Aspirin, das kannte sie. Und lockte damit, dass es nur für ein Jahr sein sollte. Inzwischen sind 20 Jahre daraus geworden. Und weil Calli mir immer geholfen hat, glaube ich daran, dass ich ihn mal zur Feier der Deutschen Meisterschaft nach Leverkusen einladen werde.“

Der Steiger in der Kategorie Musik international

Die Laudatio auf Jean Michel Jarre hielt einer seiner größten Fans: Bettina Wulf, die ehemalige First Lady der Bundesrepublik Deutschland.
Sie erinnerte an seine Open-Air-Konzerte in Houston, Kairo oder Danzig, die zu wahren Pilgerstätten seiner Fans wurden und bezeichnete ihn als Nationalheiligtum Frankreichs.
Der Musiker, dessen Mutter in der Résistance aktiv war, erzog ihn, dazu Toleranz zu leben. Umso stolzer zeigte sich Jarre über die Auszeichnung, weil der Steiger für herausragende Werte steht: „Darum hat er eine besondere Bedeutung für mich.“

Ein Steiger für das schönste Lachen des deutschen Films

Laudator Alfred Biolek begann mit einem „Hmh“ und erinnerte daran, dass er damit in seiner Kochsendung immer die besonders schmackhaften und beeindruckenden Momente begleitet hat. Die Laudatio auf Lieselotte Pulver und ihr Gute-Laune-verbreitendes Lachen entlockte ihm zahlreiche „Hmh“s.
Er zitierte einen Journalisten, der über Lilo Pulver sagte: „Mehr Herz passt in keine Kehle“ oder auch an Fritz Gründkens, der über sie sagte, sie habe das schönste Lachen des deutschen Films und „das Lächeln gehört zu Lilo Pulver wie das Stoning Face zu Buster Keaton.“
Biolek erinnerte daran, dass Lieselotte Pulver den Deutschen nur fünf Jahre nach Kriegs- und Diktaturende das Lachen zurückgebracht hat.

Am Tag nach dem Geburtstag gibt es das schönste Geschenk

Lilo Pulver dankte für die Laudatio und vor allem auch für den Steiger Award: „Ich hatte gestern Geburtstag und dieser Steiger Award ist mein größtes Geschenk!“
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