Die Gerichte unserer Kindheit

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Das Kochen wurde dem kleinen Heinrich beinahe schon in die Wiege oder eben den Kinderwagen gelegt. (Foto: Fotos: Wartberg Verlag)
 
Linsensuppe löffelt Wächter immer noch gern. (Foto: Fotos: Wartberg Verlag)

Kennen Sie noch Klunkensuppe, Armer Ritter, Kalter Hund, Kuschelmuschel oder Schlabberkappes? Dann sind Sie vermutlich jenseits der 50, aber auch ein echtes Ruhrgebietskind.

Heinrich Wächter liebt die gute alte Küche


Wer schon einmal mit Heinrich Wächter zu tun hatte, der weiß, dass der Koch gern die gute alte Zeit auf dem Küchenplan hat.
Ich selbst erinnere mich an einen Neujahrsempfang der Stadt Gelsenkirchen, damals noch im alten Hans-Sachs-Haus, der vom Köcheclub bewirtet wurde. Auf der Speisekarte standen damals Panhas, Pfefferpotthast, Falscher Hase und westfälische Herrencreme. In dem neuen Buch, das Heinrich Wächter beim Wartberg-Verlag herausgibt, mit dem Titel „Die Gerichtet unserer Kindheit - Rezepte und Geschichten“ als Ruhrgebietsedition, kommen natürlich auch die genannten Gerichte wieder zu Ehren.

Frische und Erntezeit bestimmen die Speisekarte


Wie schon „Die Prinzen“ besungen haben „Es war nicht alles schlecht“, so könnte man auch über die Ruhrgebietsküche denken, wenn man sie denn zu schätzen gelernt hat. In Zeiten, in denen die Kühlschränke noch keine Gefrierfächer hatten, wurde natürlich alles frisch gekauft und gekocht.
Dabei konnte die Hausfrau auch nur auf das zurückgreifen, was gerade reif oder erntbar war. So gab es zur passenden Zeit Steckrüben, Stielmus oder Dicke Bohnen. Sonntags kamen die Braten auf den Tisch, unter der Woche war Fleisch eher rar, und das waren dann mal das Falsche Kotelett, der Falsche Hase, die Taubensuppe oder Hühnerfrikassee.

Der kleine Heinrich und seine ersten Kochversuche


Zu all diesen Gerichten hat Heinrich Wächter die passende Geschichte zu erzählen. Als Gastronomensohn durfte er in der Küche nicht im Weg rumstehen, darum unternahm er seine eigenen ersten Kochversuche an einem kleinen Kochherd, den er zu Weihnachten bekam. Als „Versuchskaninchen“ fungierte sein zwei Jahre jüngerer Bruder und auf den Teller kamen Spiegelei und Bratkartoffeln.
Dass damit der Anfang zu einer großen Kochkarriere gemacht wurde, daran dachte damals vermutlich keiner. Doch in der Folge durchlief Heinrich Wächter so manche Küche, unterrichtete am Berufskolleg Königstraße die Koch-Azubis und ist häufig in Club-Anlagen überall auf der Welt zu Gast, um dort im Rahmen des Animationsprogramms Kochkurse durchzuführen oder aber das Kochteam zu verstärken.
Man sieht: Sein Erfahrungsschatz geht weit über die Ruhrgebietsküche hinaus, doch dieser gehört nach wie vor sein Herz.

Wächters Lieblingsgericht und die Bude an der Ecke


Im Buch verrät er sein Lieblingsgericht und erzählt auch, wie das damals war in der Gastronomie seiner Eltern, die durch die Bergleute und Monteure des Hydrierwerkes belebt wurde. Damals gab es noch „Deckel“ und „Schoppen“, letztere durfte auch schon der kleine Heinrich durch eine Klappe rausreichen.
Wächter erinnert - auch mithilfe der Erzählungen von Zeitgenossen - an Silvester mit Karpfen im Kreise der ganzen Familie, an Schlachttage auf dem Hof, an die Bude, an der für einen halben Pfennig (!) Süßes eingekauft werden konnte, an Taubenväter, an süße Kaninchen, die später im Kochtopf landeten und an vieles mehr.

Und auch noch Rezepte zum Nachkommen und in Nostalgie schwelgen


Damit bietet das Buch eine kleine Reise in die Vergangenheit der Ruhrgebietler und erinnert noch an so manches Gericht, das man als Kind fürchtete oder auch liebte. Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch mit einem hohen Potenzial an Rezeptideen, die man mal wieder ausprobieren und testen könnte, ob sie noch so sind wie einst bei Muttern.
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