„Die Landgrebe“ am MiR

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Gudrun Landgrebe erweckt mit ihrer Stimme und Einfühlsamkeit zwei Geschichten der Autorin Irène Némirovsky zum Leben. ^Foto: Nadja Klier
Gelsenkirchen: Musiktheater im Revier |

Seit Jahrzehnten ist Gudrun Landgrebe nicht aus dem deutschen Filmgeschehen wegzudenken. Sie ist mit Fug und Recht als eine Diva zu bezeichnen, denn Filme, denen sie die Ehre gibt, sich einzubringen, sind stets hochwertig und anspruchsvoll. Nun war und ist Gudrun Landgrebe im Rahmen des Begleitprogramms zu Mieczyslaw Weinbergs Oper „Die Passagierin“ zu einer musikalischen Lesung zu Gast am Musiktheater im Revier und präsentiert gemeinsam mit MiR-Solistin Christa Platzer „Parce que je t‘aime“.

Wer den ersten Termin verpasst hat...

Noch einmal am Sonntag, 29. Januar, um 18 Uhr gibt es die musikalische Lesung mit Chansons von Barbara, dargebracht von Christa Platzer, und Texten von Irène Némirovsky, vorgetragen von Gudrun Landgrebe, live im Kleinen Haus des MiR zu erleben. Karten gibt es zum Preis von 24,50 Euro an der Theaterkasse des MiR oder unter Telefon 4097-200.

Interview mit Gudrun Landgrebe

Stadtspiegel: Liebe Frau Landgrebe, ich habe gelesen, dass Sie in Göttingen geboren, aber in Bochum aufgewachsen sind. Was verbinden Sie mit dem Ruhrgebiet?
Landgrebe: „Schöne Ruhr- Landschaften zum Spazierengehen und Bootfahren. Und Menschen, die schnörkellos und kantig sind und einen sehr direkten Humor haben. Dann habe ich ja auch einige Jahre an den Theatern des Ruhrgebietes verbracht: meine liebste Theatererfahrung überhaupt war ´Die Tochter der Luft` bei Hansgünther Heyme in Essen. “

Ihre Laufbahn begann an der Schule des Theaters in Köln. Danach haben Sie auf vielen Bühnen gespielt und wurden durch den Film „Die flambierte Frau“ im Jahre 1983 einem Miillionenpublikum bekannt. Viele Zuschauer verbinden Ihren Namen heute noch mit diesem Film. Stört Sie das?
„Diese Frage verstehe ich nicht so ganz: wie sollte ein großer Erfolg stören? Über alle meine anderen Erfolge bin ich doch auch glücklich!“

In einigen Ihrer neueren Filme, wie „Jud Süß - Film ohne Gewissen“ oder „Wunderkinder“ ging es um die Juden-Verfolgung durch die Nazis. Hat Sie das dazu inspiriert, sich mit den Werken von Irène Némirovsky zu befassen?
„Zu meinem Vergnügen hatte sich Christa Platzer für Chansons von Barbara entschieden, deren Lieder ich seit Jahren schätze: für eine ehemals bedrohte Jüdin war es ein großer Schritt, ´Göttingen` zu schreiben und damit Franzosen und Deutsche zu bewegen, aufeinander zuzugehen - wirklich eine Geste ohnegleichen! Ich habe also nach Literatur Ausschau gehalten, die mit dem Werk Barbaras künstlerisch und inhaltlich korrespondiert und einen gemeinsamen Erzählbogen spannt.“

Sie begannen am Theater, spielten in Kino- und Fernsehfilmen, man hört Ihre Stimme auf vielen Hörbüchern und nun kehren Sie mit einer Lesung zurück auf die Bühne. Wie kam es dazu?
„Mein Beruf bietet mir viele höchst interessante Facetten. Nicht nur das Theaterspielen nach wie vor und die Arbeit vor der Kamera, auch die musikalisch- literarischen Programme, die ich seit 15 Jahren gestalte beziehungsweise mitgestalte bieten Raum für besondere Kreativität: ich interpretiere nicht nur den Erzähler, es kommen die verschiedenen Figuren und ihre jeweiligen Charaktere und Entwicklungen hinzu.“

Was führte Sie und Christa Platzer zusammen, die ein musikalischen Teil zu „Parce que je t‘aime“ beiträgt?
„Wir treten seit längerer Zeit mit dem Programm „Bonjour Piaf - Bonjour Sagan“ auf und es lag uns daran, an diese Arbeit anzuknüpfen.“

Führte so das eine zum anderen und damit an das Musiktheater im Revier?
„Erfreulicherweise ist es so.“

Wie entstand die Verbindung der Werke von Irène Némirovsky mit den Chansons von Barbara?
„Ich habe einige Zeit Ausschau gehalten nach entsprechender Literatur zu den Barbara- Chansons und bei meiner intensiven Suche stieß ich zuletzt auf Irène Némirovsky. Beide Frauen waren in Frankreich nicht nur außerordentlich erfolgreiche und herausragende Persönlichkeiten, sie weisen auch gewisse biografische Ähnlichkeiten auf: jüdischer Herkunft mussten beide in den Süden Frankreichs fliehen; Barbara wurde vier Jahre lang vor dem mit den Nazis kollaborierenden Vichy- Regime versteckt. Irène Némirovsky wurde 1942 verhaftet, deportiert und starb in Auschwitz an Entkräftung. Und das Thema der Flucht vor den Nazis und die Hoffnung auf Rettung des eigenen Lebens hat sie nicht nur in der Erzählung „Monsieur Rose“ dramatisch und eindrucksvoll behandelt.

Kennen Sie Mieczyslaw Weinbergs Oper „ Die Passagierin“? Werden Sie sich die Premiere am Vorabend der zweiten Veranstaltung von „Parce que je t‘aime“ ansehen?
„Wenn es mein Zeitplan erlaubt, werde ich das unbedingt - inzwischen habe ich mich bereits inhaltlich mit der Oper vertraut gemacht.“

Sie haben im Jahr 2005 das Buch ´Vom Aufgabeln und Anbeißen - Rezepte und Geschichten` veröffentlicht. Darin schreiben Sie persönliche Rezepte und Anekdoten aus Ihrem Leben auf. Verraten Sie den Gelsenkirchenern Ihr persönliches Lieblingsgericht?
„Eines meiner Lieblingsgerichte ist Pellkartoffeln mit Kräuterquark und dazu glückliche Eier von glücklichen Hühnern.“
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