Die Prinzipien des Wilhelm Tax - ein Porträt

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Einen großen Teil seines Lebens verbrachte Wilhelm Tax auf der Zeche Dahlbusch. An der Erfindung der Dahlbuschbombe und der Rettungsaktion von drei Bergleuten vor 60 Jahren hat der heute 92-Jährige einen großen Anteil.
 
Auch mit 92 Jahren will Wilhelm Tax vom Ruhestand (noch) nichts wissen.
Serie „Rotthauser Urgesteine“: 92-Jähriger Unternehmer an neuer Bergwerksrettungs-Ära beteiligt

Er steht jeden Morgen zeitig auf, frühstückt und geht ins Büro. Anzug und Krawatte sitzen perfekt. Man meint, das machen andere Männer auch. Nur sind die nicht 92.

Wir sind sehr froh, dass Wilhelm noch täglich hier ist. Wir profitieren von seiner Lebenserfahrung, so hört man bei der GfW. Und: „Wilhelm Tax sollte mal ein Buch über sein Leben schreiben.“ Der so Gelobte wehrt lächelnd ab: „Ich rede nicht so gern über mich.“ Lieber hört der 92-jährige Wilhelm Tax zu.

Zuhören und Verständnis aufbringen

Zuhören und Verständnis aufbringen ist eine seiner Lebensregeln. Und so kennen die Rotthauser den Mann, der geschäftsführend immer noch die Interessen der Wohnungsbaugesellschaft vertritt, der sich um die Unterbringung von Flüchtlingen kümmert und im gesellschaftlichen Leben Rotthausens präsent ist. Dabei stammt der Rotthauser Wilhelm Tax aus kleinen Verhältnissen. Sein Vater hatte auf der Zeche Bonifacius gearbeitet. „Ich bin im Schatten der Kokerei großgeworden“, erzählt er, „die beste Voraussetzung, alt zu werden.“ Mit spitzbübischem Lachen erklärt er: „Wir sind doch durch den Schmutz und die Schadstoffe abgehärtet.“

Wilhelm Tax' Leben steht stellvertretend für das seiner Generation. Wenn er sich an seine Kindheit und vor allem an die Mutter erinnert, dann wird er leise, fast ein bisschen traurig. Und dennoch klingt Stolz in seiner Stimme. „Meine Mutter hat immer gearbeitet und die Familie mit vier Kindern versorgt. Sie hat als junge Frau bei der Metzgerei Siepmann nach Feierabend noch den Laden geputzt. Noch 80-jährig wollte sie, dass ihr Sohn Wilhelm ihr einen kleinen Anbau an sein Haus baut, den sie dann als kleinen Kiosk betreiben konnte. „Das unternehmerische Bewusstsein habe ich von meiner Mutter“, sagt Wilhelm Tax.
Trotz allem Unternehmertums will er vor allem anderen Menschen helfen. Das ist eine weitere Lebensmaxime.

Helfen, wo man helfen kann

„Ich selbst habe nur überlebt, weil mir wildfremde Menschen halfen“, sagt Wilhelm Tax und erzählt aus seiner Jugend: Wie er eigentlich auf das Gymnasium gehen wollte, die Eltern ein solches Privileg ihren anderen Kindern ebenfalls zugestehen, es aber für vier Kinder nicht bezahlen konnten. Wie der junge Wilhelm dann durch die Fürsprache des Rektors Emeling von der Düppelschule einen Ausbildungsvertrag als Bergvermessungslehrling bei der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch bekam und er damit und durch seinen Ehrgeiz die Chance auf ein Ingenieurstudium hatte.
Das allerdings verhagelte ihm zunächst der Krieg, in den er 19-jährig eingezogen und zwei Jahre später schwerstverletzt in russische Kriegsgefangenschaft Durch die Unterstützung von mir unbekannt gebliebenen Soldaten habe ich den Weg ins Lager lebend überstanden. Ein lange Geschichte.
Eine russische Ärztin hatte sich später seiner angenommen, seine Verwundungen behandelt und dafür gesorgt, dass er im Lager Arbeit bekam. So überlebte er den Krieg, das Gefangenenlager und kam im Herbst 1946 wieder nach Hause.
„Das war meine schwerste Zeit“, sagt Tax leise und man merkt ihm an, dass die Erinnerung daran ihm noch heute tüchtig zusetzt.

Positive Einstellung bringt weiter

„Aber ich war immer positiv eingestellt.“ Nach dem Krieg konnte er wieder bei Dahlbusch anfangen und auch sein begonnenes Studium in Bochum fortsetzen. „Morgens fuhr ich mit der Straßenbahn nach Bochum zum Studium und nachmittags habe ich von halb drei bis halb zehn bei der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch gearbeitet. “ In diese Zeit fiel auch das Grubenunglück mit der Rettungsaktion durch die Dahlbuschbombe. 1993 schied er dann 70-jährig aus dem Vorstand der Dahlbusch AG.

An das Grubenunglück vom 7. Mai 1955 erinnert sich Tax, als sei es gestern gewesen. „Ich war am Rettungswerk beteiligt. “ Es kam die Meldung, dass drei Bergleute 42 Meter oberhalb der 11. Sohle eingeschlossen waren. Tax war seinerzeit Freiwilliger in der Rettungswehr. Er erzählt: „Am Sonntagnachmittag war durch den Einbruch von weiterem Gesteinsgeröll der Blindschacht circa 50 Meter von der 11. Sohle nach oben zugelaufen. Alle Verbindungen waren unterbrochen. Selbst Klopfzeichen wurden nicht mehr beantwortet. Eine dramatische Situation mit der Folge, dass die Rettungsarbeiten im Blindschacht wegen der Gefährdung der Rettungsmannschaft eingestellt wurden.
In dieser Situation bekam Wilhelm Tax den Auftrag, eine Bohrung zu den Eingeschlossenen zu berechnen, den Standort auf der 900 Meter Sohle festzulegen und die Bohrmaschine so einzurichten, dass die Eingeschlossenen erreicht würden. Die Bohrung mit einem Durchmesser von 15 cm erreichte noch in der Nacht zum Dienstag die drei Bergleute und brachte Klarheit über deren Befinden und die Gesamtsituation. Anschließend begann die Erweiterung des vorhandenen Bohrlochs auf 27 cm, wodurch eine bessere Versorgung mit Verpflegung und Decken möglich war.

Sich bewegen, solange die Füße tragen

Die Leitung der Rettungsaktion diskutierte die Frage, das Bohrloch auf 40 cm zu erweitern, um die eingeschlossenen Bergleute durch diese Gesteinsröhre zu retten. Zum Beweis, dass dieser Vorschlag realistisch sei, wurden in der Anlernwerkstatt der Zeche zwei Rohre mit einem Durchmesser von 40 cm übereinander gestellt und Tax als Versuchsperson an einem Kran hängend in die Röhre abgesenkt und wieder herausgezogen. Damit war klar: Es geht. Mit Hochdruck arbeitete die Schlosserei an dem Behälter, der die Bergleute möglichst unverletzt durch die 42 m lange Gesteinsröhre transportieren sollte.
Mit Stolz sagt Tax: „Damit begann eine neue Ära, Bergleute zu retten und diese Ära hat ihren Ursprung 1955 in Gelsenkirchen auf Zeche Dahlbusch!“

Ihn haben schon viele Leute gefragt, ob er nicht verrückt sei, in seinem Alter noch zu arbeiten. Wilhelm Tax lacht: „Nein!, habe ich gesagt, ganz klar: nein! Ich fahre sogar noch Auto – 6000 bis 8000 Kilometer im Jahr.“ Und wie, Herr Tax, bleibt man in diesem Alter so fit? Wilhelm Tax lächelt: „Ich habe da eine Maxime: Solange dich die Füße tragen, solltest du dich auch bewegen.“
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