„Dieser Preis ist ein Türöffner“

Das Foto zeigt einige der „Mütter und Väter“ des UNESCO-Sonderpreises mit (von links) Michael Salisch, Werner Rybarski, Anna Janßen, Dr. Manfred Beck, Friedhelm Walden, Niels Funke und Kira Fink. (Foto: Foto: Stadt GE)

Der Preis kommt eigentlich eher schlicht daher. Eine silberne Kugel mit einem schwarz-rot-goldenen Innenleben, das der einer Matroschka-Puppe ähnelt. Denn die bunten Kugeln werden naturgemäß immer kleiner und sollen wohl die vielen Wege zur Nachhaltigkeit symbolisieren. Doch was so unspektakulär wirkt, bedeutet für die Stadt Gelsenkirchen einen großen Image-Gewinn und wie Bildungs-Dezernent Dr. Manfred Beck es ausdrückt: „einen Türöffner“.

Voller Stolz erklärte Manfred Beck, dass es nicht alle Tage vorkommt, dass „Gelsenkirchen einen hochrangigen nationalen Preis gewinnt“ und dankt dazu allen Müttern und Vätern, die für diesen Erfolg verantwortlich sind. Dabei holt er gute 15 Jahre aus, denn „ohne die Politiker im Rat der Stadt, die bereits im Jahr 1998 beschlossen, in Gelsenkirchen ein agenda 21-Büro einzurichten, wäre der Preis nicht denkbar.“
Einen Partner fand die Stadt damals im Evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid, der bis heute die Arbeit des aGEnda21-Büros durch einen finanziellen Beitrag unterstützt.
Damit war bereits früh ein Zeichen gesetzt, wohin der Weg führen sollte, doch vor allem der Leiter des aGEnda21-Büros, Werner Rybarski, sorgte dafür, dass dieses Zeichen mit Leben gefüllt wurde und bis heute viele Netzwerke auf den Weg brachte, die der Stadt schon häufiger zu Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft und im Land verholfen hat.

Schritt für Schritt zur Nachhaltigkeit


Nachdem in der Anfangsphase Projekte entwickelt und umgesetzt wurden, widmete man sich als nächstes der Entstehung von Netzwerken, die gepflegt und weiterentwickelt wurden. Inzwischen sieht sich Gelsenkirchen bereits in der dritten Stufe angekommen, in der seit 2011 aus den Projekte und Netzwerken feste Strukturen entstehen.
Und weil es bei den meisten Projekten und Netzwerken um nachhaltige Bildung geht, wird das aGEnda-Büro nun dem Referat außerschulische Bildung unterstellt, das bisher die VHS und die Stadtbibliothek einte. Im Zuge dieses Zusammenschlusses begibt man sich im Januar auf die Suche nach neuen Mitarbeitern bei der VHS, denn man möchte spezielles Personal für Umweltthemen generieren. „Das ist ein Novum für Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet“, weiß Referatsleiter Michael Salisch.
Bei der Stadt sieht man den UNESCO-Preisaber nicht als einen Preis, den die Stadtverwaltung gewonnen hat, sondern als einen Bürgerpreis für deren Engagement.
„Gelsenkirchen hat nur eine nachwachsende Ressource und das sind die hier lebenden Kinder und Jugendlichen“, erläuterte Beck, um klar zu stellen, warum in Gelsenkirchen die Bildung einen so hohen Stellenwert hat. „Das formale Bildungssystem in Deutschland ist nicht geeignet, den Kindern gleichwertige Bildungschancen zu ermöglichen. Dabei heißt es nicht umsonst: Bildung ist nicht alles, aber ohne Bildung ist nichts.“
Das aGEnda21-Büro dient dazu das Engagement, die Kreativität uind die Kompetenz der Bürger so zu vernetzen, dass sie der nachhaltigen Bildung dienen und damit Gelsenkirchen auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Kommune unterstützen.

Gelungenes Beispiel für nachhaltige Projekte


Einer der Partner des Büros ist die Kleingartenanlage Trinenkamp, die stellvertretend für die mindestens 65 Netzwerkpartner vorgestellt wurde. Friedhelm Walden vom KGV Am Trinenkamp erläuerte, wie die Kleingärtner zum aGEnda-Büro fanden und umgekehrt: „Wir waren 2009 mit dabei bei der Entente florale und lernten dabei das Projekt Färbergärten kennen. Peter Reichenbach fragte, ob wir nicht Interesse hätten, bei uns Flächen für Färberpflanzen zu nutzen und das schien uns interessant. Er bestärkte uns auch darin, dass wir uns mit der Idee bei der UNESCO bewerben sollten.“
Doch das reine Anlegen und Abernten des Färbergartens erschien den Kleingärtnern auf Dauer nicht interessant genug. „Darum haben wir Kontakt aufgenommen zum Didaktischen Leiter der benachbarten Evangelischen Gesamtschule und stießen damit sofort auf Interesse. Mittlerweile gibt es Arbeitsgemeinschaften und die Schüler haben mit den im Färbergarten gewonnenen Farben sogar schon das Vereinshaus angemalt. Und man sollte auch bedenken, dass gerade im Kleingarten die Nachhaltigkeit schon von jeher festgeschrieben ist, denn hier lernt der Enkel vom Opa und so geht es Generation für Generation weiter“, freute sich Walden.
Während die Kleingärtner auf eine weitere Auszeichnung durch die UNESCO hoffen, bereitet sich Werner Rybarski auf die „Kür“ seines Büros vor: „Wir sind dabei die Schulen der Zukunft in Angriff zu nehmen.“
Außerdem will man sich städteübergreifend organisieren und hat dazu bereits im Oktober mit Herten eine klare Absichtserklärung beschlossen, die im Frühjahr 2013 umgesetzt werden soll.
Werner Rybarski freut sich darauf, dass er mit dem „Preis im Rücken“ anders agieren kann, wenn man Förderungen beantragt: „Früher hat man mit Sozialdaten jongliert bei Anträgen. Dank des Preises zeigen wir nun ganz deutlich, dass wir umsetzen können, was wir planen!“
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