Interview mit Sebastian Pufpaff: "Der Schein regiert die Welt"

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Der Kabarettist Sebastian Pufpaff präsentierte in der Kaue sein neues Programm "Alles auf Anfang".
Gelsenkirchen: Kaue | Kabarettist Sebastian Pufpaff begeisterte mit seinem neuen Programm „Auf Anfang“ das Publikum in der Kaue

Sein Markenzeichen sind der schwarze Anzug, gegeltes Haar und Turnschuhe. Er wird als scharfzüngig, hintersinnig und politisch herrlich unkorrekt beschrieben. Bereits zum vierten Mal begeistere der Kabarettist Sebastian Pufpaff die Zuschauer in der Kaue. Stadtspiegel traf ihn zu einem Gespräch.

Sie werden immer auf Ihren Namen angesprochen, nehmen sich damit auch selbst auf die Schippe. Wie geht es Ihnen mit Ihrem Namen?
Sebastian Pufpaff: Jetzt bin ich mit meinem Namen zufrieden. Woran „Apple“ zum Beispiel über Jahre gefeilt hat, ist mir in die Wiege gelegt worden.

Und wohin ist der Malte verschwunden?
„Den habe ich irgendwann weggelassen. Pufpaff und Malte war ein bisschen zuviel des Komischen. Im Rheinland ist ein Malte nicht unbedingt das beliebteste Kind. Das ist einer, der in der Ecke steht und dem sie immer die Schnürsenkel zusammenbinden ...“

Sie haben Rechtswissenschaften, Politikwissenschaft, Soziologie und Staatsrecht studiert. War danach ihr Weg zum Kabarett zwangsläufig?
„Mit Sicherheit ist Kabarett die beste Art und Weise, das Wissen aus den Studien sinnvoll umzusetzen. Ich habe auch die seriöse Schiene ausprobiert. Im Teleshopping als Produktverkäufer beispielsweise. Das war während des Studiums. Ich habe Kleinstgeräte für die Küche verkauft. Letztendlich wurde ich gefeuert. Der Manager sagte: ,Wir verkaufen hier Produkte und machen keine Comedy.‘

Wollten Sie als Jurist die Welt verändern?
“Ich will die Welt immer noch verändern. Aber nicht als Jurist. Da hätte ich ein Parteibuch in der Tasche haben müssen. Das hatte mir mein Professor geraten. Seinerzeit machte ich schon Kabarett mit dem „Bundeskabinett“ und hielt ihm den Flyer vor die Nase. ‚Das ist mein Parteibuch‘, sagte ich. Und weil der Prof mich kannte, ließ er das so gelten.“

Sie werden als scharfzüngig, hintersinnig und politisch herrlich unkorrekt beschrieben ...
„Ja? Wer sagt das?“
... derjenige, der Ihre Vita in Wikipedia eingestellt hat... Verraten Sie uns, woher die Ideen für Ihre Texte kommen?
„Ich höre zu und ich lese Zeitung. Da findet sich Stoff genug. Und ich stelle Fragen. Wir müssen viel mehr Fragen stellen. Meine Lieblingsfrage ist zum Beispiel: , Wenn Liebe durch den Magen geht, ist Beziehung dann Kacke?‘ Zweifel ist das Wissen des 21. Jarhunderts.“

Sie sind zum vierten Mal in der Kaue. Spielen Sie lieber in kleinen Räumen oder in großen Hallen?
„Ohne Schmus: Ich finde es hier sensationell. Das liegt an den authentischen Leuten, die gerne lachen, und an dem Raum.
Hier herrscht eine fast griechische Ordnung: Man ist nah am Publikum dran, beinahe mittendrin. So entsteht die Illusion eines Dialogs und so kann man dem Fernsehen die Stirn bieten.
Natürlich ist es auch eine perfekte Ausrede dafür, dass ich Riesenhallen nicht füllen könnte.“

Welches Thema würden Sie nie auf die Bühne bringen?
„Es gibt keins: Tod, Flugzeugabsturz – alles kann man auf der Bühne thematisieren. Wichtig ist nur, dass niemandes Würde verletzt wird, und Provokation allein hat auf der Bühne auch nichts zu suchen.

Wenn Kabarettisten erfolgreich werden, bekommen sie ihre eigene Show. Ihre „Happy Hour“läuft seit 16 Folgen. Ist die eigene Show der Traum eines jeden Kabarettisten?
„Eine eigene Show ist genial, wenn man damit etwas bewirkt. Wir wollen mit unserer „Happy Hour“ die Fernsehlandschaft bereichern. Wir präsentieren Kleinkunst mit Künstlern wie Reinald Grebe, der eigentlich im Fernsehen nicht mehr auftreten wollte. Außerdem bieten wir jungen, unbekannten, sehr guten und nicht weich gespülten Künstlern eine Plattform, auf der sie sich präsentieren können. Christoph Sieber ist einer davon oder die wunderbare Poetry-Slammerin Fatima Moumouni.

Worum geht es in Ihrem neuen Programm "Auf Anfang"?
„Der Schein regiert die Welt, ob als Zahlungsmittel oder Fassade. Das Wir ist zum Ich verkümmert und fristet sein Dasein in den digitalen Legebatterien von Facebook, Twitter und Spiegel-online. Es gibt ein paar Leute, die sind anders. Die wissen Bescheid. Noch sind wir wenige, doch wir werden mehr. Eigentlich bräuchten wir, wie in dem Film ,Man in Black‘, so ein Blitzdings. Und damit blitzdingsen wir alle Stubenhocker und Web-Gefangenen wieder auf Anfang. Wo sie sich in einer realen Welt wieder aufregen, mit richtigen Menschen streiten, sich lieben oder ins Kabarett gehen können.“

Danke für das Gespräch.
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