"Mein linkes Ei schlägt für den FC Schalke 04"

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Sein neues Programm „Blackout“ bezeichnet Michael Mittermeier als das „Flammenschwert der Comedy“. (Foto: Foto: Sven Bänziger)
Gelsenkirchen: Emscher-Lippe-Halle |

„Es ist Scheiße lange her“, dass Michael Mittermeier zum ersten Mal in Gelsenkirchen war. Doch dem ersten Mal folgten unzählige Auftritte in Gelsenkirchen oder mit der Gelsenkirchener „emschertainment“ in der Umgebung, weil Mittermeier hier die Hallen sprengt.

Wie Mittermeier in Gelsenkirchen begann


Der erste Auftritt von Mittermeier 1996 in Gelsenkirchen war ein „Zufallsprodukt“. Denn eigentlich wollte emschertainment-Chef Prof. Dr. Helmut Hasenkox seinerzeit Sissi Perlinger in die Kaue holen, doch die war damals schlichtweg zu teuer. Als Alternative wurde ihm Mittermeier angeboten und eine Männerfreundschaft war geboren. „Ich kannte Rosi Mittermeier, aber Michael Mittermeier hat mir damals gar nichts gesagt“, erinnert sich Hasenkox mit einem Grinsen. Trotzdem ging er das Wagnis ein und hat es bis heute nicht bereut.
Bei seinen Auftritten in Gelsenkirchen hat Mittermeier in all den Jahren nicht viel von der Stadt gesehen. Ist aber auch egal, denn er sagt: „Ich kenne das Wichtigste: Den Menschenschlag! Die Menschen machen die Stadt zu dem, was sie ist, und die haben einen gottgegebenen Humor trotz Kohlenstaub und hoher Arbeitslosigkeit.“

Der zweigeteilte Mittermeier: FC Bayern und Schalke 04


Und ein wenig verliebt ist Mittermeier auch in Gelsenkirchen, denn wie er sagt, schlägt sein „linkes Ei für Schalke 04“, auch wenn er seit frühester Jugend Bayern-Fan ist. „Ich habe als kleiner Junge schon Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Co. spielen sehen, darum finde ich auch die ständige Diskussion um die Edelfans der Bayern doof. Eins geht aber für mich gar nicht: Der Biene Maja-Verein!“
Leider schafft er es extrem selten, sich ein Spiel der Königsblauen anzusehen: „Am Wochenende bin ich gern mal mit meiner Familie zusammen. Ich möchte ja nicht, dass meine Tochter mal sagt: Hallo Tony Curtis, wo warst Du als ich Geburtstag hatte?“

Die andere Seite des Michael Mittermeier


Und bei allem Humor ist der Bayer auch ein sensibler und politischer Mensch. Das hat er unter anderem bewiesen mit der Doku „This Prison where I live“. Dazu reiste Mittermeier 2010 nach Burma und drehte unter nicht ganz ungefährlichen Bedingungen die Dokumentation über den inhaftierten burmesischen Comedian Zarganar. „Das war keine Schauspielerei, sondern gelebte Realität. Das ist etwas, das das Kabarett gern machen möchte, aber häufig nicht gelingt. Uns ist es dabei aber sogar gelungen, dass Zarganar aus dem Gefängnis frei kam“, schildert der Comedian, der Dokus wie diese als einen Teil seiner Arbeit sieht, die diese einfach komplettieren.

Musik und Comedy - das passt!


Denn für ihn gehört zur Comedy oder zum Kabarett mehr als nur einer, der sich auf die Bühne stellt und Texte vorträgt: „Ich war einer der ersten, der auch Musik mit ins Spiel brachte.“
Bereits Anfang der 90er war er mit einer Band unterwegs. 2005 stand er mit Sasha, Xavier Naidoo und Rea Garvey gemeinsam auf der Bühne und 2011 gingen sie gemeinsam mit „Alive and Swingin“ auf Tour und zollten dem legendären Ratpack Tribut. Er erinnert sich gern, denn „wir haben mit den Jungs immer mal wieder was gemacht und dabei festgestellt, dass wir einfach das moderne Ratpack sind, weil wir alle gute Musiker und Moderatoren sind. Und so macht jeder von uns sein eigenes Ding und von Zeit zu Zeit machen wir gern was zusammen.“

Stolz über ein "Date" mit Jerry Lewis


Zum 80. Geburtstag der Komiker-Legende Jerry Lewis forderte der Altstar genau Michael Mittermeier als Moderator an. Die Show war für den Bayer ein echtes Highlight: „Jerry Lewis ist eines der Gottesgeschenke der Comedy. Er war der erste, der mich zum Lachen gebracht hat. Und so kam es bei der Geburtstagsgala, dass wir 90 Minuten lang einfach nur gequatscht haben.“
Und überhaupt geht für ihn nichts über einen Live-Auftritt. Und den hat er in Gelsenkirchen am Dienstag, 9. Dezember, um 20 Uhr in der Emscher-Lippe-Halle, wenn er mit „Blackout“ zu Gast ist. „Ich gehe immer gerne neue Wege und freue mich, wenn sich heute Jugendliche abrollen, wenn ich erzähle, wo wir in den 80ern unsere Blackouts hatten“, freut sich Mittermeier. Überhaupt ist es für ihn ein wahrer Ritterschlag, wenn es ihm im Alter von 48 Jahren gelingt, die Jugend zu begeistern. „Robin Williams hat das auch geschafft mit seinem letzten Programm. Der war noch ein paar Jahre älter als ich, aber immer am Puls der Zeit. Das ist es, was wichtig ist, denn die Welt dreht sich immer weiter.“

Von ganz klein zum Hallen-Sprenger


Mittermeier ist einer, der gern politisch auf der Bühne ist und beweist damit seine These, dass politische Satire auch vor tausenden Zuschauern möglich ist, was das Kabarett lange nicht für möglich hielt. Wobei der Comedian vor 150 Zuschauern angefangen hat und sich schon über die vielen Zuschauer freute. Heute wird es in der Emscher-Lippe-Halle eng, wenn Mittermeier kommt und „nur“ fast 4000 Plätze zur Verfügung stehen.

Blackouts findet man überall


Und politisch wird es bei „Blackout“, denn das aktuelle Geschehen bietet viele Ansätze, die Mittermeier auf der Bühne aufgreift. „Es ist eine schräge Zeit in der eine Angst verströmende Partei wie die AFD, ich sage immer „Arschlochkinder für Deutschland“, so viele Stimmen im Osten einfährt und der Parteichef sagt, dass nicht alles schlecht war in der DDR. Das sind nicht nur Rechtsradikale, die die wählen, das sind Menschen, die sich von der restlichen Politik nicht abgeholt fühlen.“

Der Global Bayer


Für den Global-Bayer Mittermeier ist „Blackout“ ein sehr aktuelles, persönliches, bayerisches und globales Programm gleichzeitig. Er erinnert nicht nur an Alkohol-Blackouts, sondern geht zurück auf den Blackout, den die Trojaner gehabt haben müssen, als sie nach zehn Jahren noch auf die Idee kamen, das Holzpferd erst in die Stadt zu rollen und dann nachzusehen, was drin ist....
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