Migradonna 2016

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Das Foto zeigt die für ihren Einsatz um die Migradonna ausgezeichnete Venetia Harontzas, die Migradonna 2016 Ilham Aissaoui, Landtagspräsidentin Carina Gödecke und Bürgermeisterin Martina Rudowitz. Foto: Stadt Gelsenkirchen
 
Landtagspräsidentin Carina Gödecke hielt die Laudatio für die Migradonna-Preisträgerin 2016.Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: flora |

Der Ehrenamtspreis Migradonna hat nun auch in 2016 eine Preisträgerin, die die sechsköpfige Jury aus sehr interessanten Vorschlägen gewählt hat. Die neue Preisträgerin, die von der Frauenberatungs- und Kontaktstelle vorgeschlagen wurde, ist Ilham Aissaoui.

Bürgermeisterin Martina Rudowitz verlieh ihr die Migradonna-Ehren auf der inzwischen 9. Verleihung dieses Ehrenamtspreises. Gab es in den früheren Jahren die „Migradonna“ als Figur, ist der Preis in diesem Jahr eine Collage der aus dem Iran stammenden Künstlerin Ahang Nakhaei, die seit einiger Zeit das Kulturleben in Gelsenkirchen bereichert.

Preisverleihung als Kooperation


Zur Preisverleihung hatten die Veranstaltergemeinschaft des Internationalen Frauencafés im Lalok libre in Kooperation mit der Stadt Gelsenkirchen in den Kulturraum „die flora“ eingeladen.
Carina Gödecke, Präsidentin des Landtags NRW, sprach die einführende Festrede und zeichnete auch Venetia Harontzas für ihren langjährigen, unermüdlichen Einsatz für die Migradonna-Verleihungen aus. Filmische Ausschnitte aus den früheren Migradonna-Veranstaltungen, zusammengestellt von Jesse Krauss, machten ihr Engagement anschaulich.
Das Kulturprogramm gestalteten die Kölner Comedian Senay Duszu und der Gelsenkirchener Evren-Sel-Chor. Schirmherr ist Frank Baranowski, Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen. Die Veranstaltung wurde erneut unterstützt durch die Sparkasse Gelsenkirchen.
Das Internationale Frauencafé im Lalok Libre und die Kooperationspartner der Stadtverwaltung Gelsenkirchen, Kulturraum „die flora“, Gleichstellungsstelle/Frauenbüro, Referat Kultur und KIGE – Kommunales Integrationszentrum Gelsenkirchen, bedankten sich bei allen aktiven Teilnehmern der Veranstaltung und bei allen, die sich im Namen vieler Frauen für die Migradonna-Ehrung eingesetzt haben.

Die Preisträgerin Ilham Aissaoui


Ilham Aissaoui wurde am 15.09.1972 in Tuissit, einem kleinen Ort im Norden von Marokko, geboren. Schon als Kind aufgeweckt und neugierig, kam sie in der Schule gut voran. Ein Studium war aufgrund der familiären Anforderungen nicht möglich. Sie heiratete und nahm ihre Aufgaben als Hausfrau und zukünftige Mutter in den Blick.
Ihr Mann hatte wie viele andere Arbeitsmigranten aus Marokko Anfang der 1990er Jahre im Ruhrgebiet Arbeit gefunden, erhielt nach fünf Jahren unbefristeten Aufenthalt und holte 1996 sofort seine junge Frau nach. Erste Station war Dortmund, zwei Jahre später zogen sie nach Gelsenkirchen. Sofort bemühte sich Ilham Aissaoui um den Erwerb der fremden Sprache in einer Privatschule.
1997 wurde der langersehnte Sohn geboren, den sie in der ersten Zeit aufgrund einer schweren Erkrankung pflegen und fördern musste. Trotzdem war sie auf der Suche nach einer beruflichen Tätigkeit und nach Kontakten in dem neuen Land. Sie war aktiv, fragte sich durch, ließ sich von skeptischen Überlegungen und Hindernissen nicht abhalten.
Und doch musste sie bis zur Einschulung des Sohnes in die Wiehagen-Schule warten. Dort lernte die Elternpflegschaft schnell ihre besondere Einsatzfreude und fröhliche Art schätzen. Ilham Aissaoui setzte sich für die Klassenpflegschaft ein und wurde „Brückenmutter“. Besonders die integrative Aufgabe, zugewanderte Eltern und ihre Töchter und Söhne mit der Schule ins Gespräch zu bringen, Kommunikation und Verständnis herzustellen, zu organisieren, zu informieren, zu begleiten, das war ihr „Ding“. „Ich bin gerne Brücke“, so beschreibt sie sich heute noch.

Seit 2008 in derFlüchtlingshilfe aktiv


2008 kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Kriegsflüchtlingen aus dem Irak, die ihre Muttersprache sprachen. Die gemeinsame Sprache war so verbindend, dass die Hilfestellung durch Übersetzen, das Begleiten, Erklären, Zusammenbringen die unausweichliche Konsequenz war. Im Nu war Ilham Aissaoui involviert und wurde ehrenamtlich aktiv. „Da muss man doch was tun!“. Die Leute kannten sie, empfahlen sie als Ansprechpartnerin, als eine von ihnen, die hilft. Ihr ehrenamtliches Engagement untermauerte sie durch Schulungen und Fortbildungen: Sie war Brückenmutter und wurde 2013 auch Integrationsvermittlerin.
Zur Qualifizierung gehörte ein Praktikum und so lernte die Frauenberatungs- und Kontaktstelle Gelsenkirchen Ilham Aissaoiu kennen und hier begann sie ihre Arbeit als Integrationsfachkraft in der Frauenberatungs- und Kontaktstelle.

„Engagierte Frauen für Asylantinnen“


Schon Anfang 2015 kam Ilham Aissaoiu mit den Männern aus Kriegsgebieten, die immer am Hauptbahnhof anzutreffen sind, in Kontakt und begann sofort mit Hilfsmaßnahmen. Da die Männer jedoch nicht verbindlich Eigenverantwortung übernehmen wollen, schließt sie sich mit anderen Frauen zusammen und gründet eine Selbsthilfegruppe „Engagierte Frauen für Asylantinnen“ – E.F.A. Rasch hat sie den Kreis organisiert. Sie ist zukunftsorientiert, optimistisch und gibt vielen Frauen Mut. Aus ihrem ehrenamtlichen Engagement entstand eine Gruppe von Flüchtlingsfrauen, die sich gegenseitig unterstützen, begleiten, helfen, auf arabisch, englisch und deutsch miteinander reden, immer eine passende Verständigung finden, die zusammen eine Brücke bauen – ohne Ilham Aissaoiu wäre dies nicht möglich geworden.
Trotz ihrer hauptamtlichen Arbeit kann Ilham Aissaoiu ihr ehrenamtliches Engagement nicht eingrenzen: Sie sieht, sie wird gebeten, sie fühlt sich angesprochen, sie versucht zu ändern. Wer sie kennt, ist dabei überwältigt von ihrem Charme, ihrer Offenheit und ihrer Freundlichkeit. Sie ist in der Lage, unterschiedlichste Geister an einen Tisch zu bringen und vorurteilsfrei allen zu begegnen.
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