„Nach dem Gruseln kommt etwas zum Schmunzeln“

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Das Künstlerpaar vor dem Leuchtturm in Pilsum an der Nordseeküste. Foto: Holger Bloem
 
„Ostfriesenschwur“ hat 520 Seiten, das bedeutet 800 handgeschriebene Seiten in 15 bis 20 DinA4-Kladden, die von der einzigen Frau, die Wolfs Handschrift lesen kann, seiner Sekretärin Annette Liebrenz, abgetippt werden. Foto: SiSo
 
Bettina Göschl und Gunnar Peschke beim musizieren. Foto: SiSo
Gelsenkirchen: Musiktheater im Revier | Zu einem sehr kurzweiligen und unterhaltsamen Abend hatte der in Gelsenkirchen geborene und aufgewachsene Autor der Ostfriesenkrimi-Reihe Klaus-Peter Wolf ins Kleine Haus des MiR zur Lesung eingeladen. Und obwohl man damit schon vom Saal der VHS in einen beinahe doppelt so großen Raum umzog, reichte das Platzangebot längst nicht für alle Ostfriesen-Krimi- und Wolf-Fans. Der Stadtspiegel traf den Autor und seine singende GattinBettina Göschl.

Die Sitzplätze reichen irgendwie nie aus


Aber nicht nur in Gelsenkirchen gab es Enttäuschte, die schon Monate vor der Lesung keine Karten mehr kaufen konnten. Es gibt ganze Orte, die Klaus-Peter Wolf gern einladen würden, aber nicht in den Genuss kommen, weil er einfach zu viele Angebote hat als Zeit für die Lesungen.

Eine Art Jubiläum für Ostfriesenkrimis


Die Tour zum 10. Ostfriesenkrimi „Ostfriesenschwur“ führt den beliebten Autor von der Nordseeküste bis nach Luzern in die Schweiz. Zeit zum Durchatmen finden er und seine Gattin Bettina Göschl, die ihn auf der Tour begleitet wann immer ihre Termine als Kinderliedermacherin es zulassen, auf den Inseln Langeoog und Wangerooge. Örtlichkeiten, auf denen seine Krimis mitunter, der zehnte aber insbesondere, spielen.
„Da kommt es schon mal vor, dass wir angefragt werden, ob wir nicht eine Lesung machen könnten“, lacht der Autor, dem der Spaß an seinen Lesungen anzumerken ist. Auch wenn er selbst sagt: „Man versteht gar nicht was da passiert“, wenn er an die Verkaufszahlen seiner Krimis denkt.

Dreimal ist Ostfriesenrecht


Denn nicht nur, dass er zum dritten Mal in Folge mit seinen Ostfriesenkrimis auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste online für Taschenbücher gestartet ist. Das kommentiert Wolf mit: „Dreimal ist Ostfriesenrecht!“ Es wurden auch in den ersten drei Wochen nach Erscheinen von „Ostfriesenschwur“ sage und schreibe 200.000 Exemplare verkauft!
Der Autor schmunzelt: „Die Literaturkritik hat uns nicht entdeckt, aber die Menschen.“


Lesung und Musik - das macht doppelt Spaß


Darum freut er sich auch, dass die Säle, in denen er und seine Gattin nebst der musikalischen Begleitung von Gunnar Peschke am Kontrabaß, immer größer werden, um weniger Menschen zu enttäuschen. Aber das Gelsenkirchener Beispielt zeigt: Es reicht immer noch nicht!
Wieviele Bücher er geschrieben hat, das weiß Klaus-Peter Wolf nicht mehr, aber dass er unglaublichen Spaß daran hat, selbst die Hörbücher einzusprechen. „Im Dezember bin ich immer eine Woche im Studio. Da merke ich dann beim Lesen, dass noch etwas geändert werden muss und rufe direkt beimVerlag an, damit das noch vor dem Druck berücksichtigt werden kann.“

Die Kraft des Publikums beflügelt den Autor beim Schreiben

Und auch die Lesungen machen dem Autor große Freude, denn „ich nehme die Kraft, die das Publikum mir bei einer Lesung gibt mit ins Hotel und schreibe dann noch bis mir die Augen zu fallen. Letzte Nacht war das gegen 3 Uhr morgens.“
Sein Erfolg fällt aber auch auf seine Wahlheimatstadt Norden und den Küstenort Norddeich zurück. So gibt es in Norden ein Hotel, das auch in den Büchern erwähnt wird, in dem man sich in der Klaus-Peter Wolf-Suite einquartieren kann. Da ist man dann mittendrin in der Krimiwelt. Der Schlüssel hat Handschellen als Anhänger, im Bad findet man Blut auf dem Boden und an den Wänden Hinweise auf Ann-Kathrin Klaasen, die Hauptfigur der Ostfriesenkrimis.
Und das alles, obwohl der Verleger vor der Veröffentlichung des ersten Ostfriesenkrimis unkte: „Lass uns mal sehen, ob wir 10.000 Bücher verkaufen. Das wäre doch ein Traum.“ Jetzt sind es bisher 3,5 Millionen Bücher, das sagt wohl alles.

Bettina Göschl: Die Frau an Wolfs Seite


Bettina Göschl ist von Haus aus Kinderliedermacherin und Kinderbuchautorin. Ihr Lied „Piraten Ahoi“ ist zum Beispiel der Handyton von Kommissar Frank Weller aus den Ostfriesenkrimis. Dass sie ihren Mann auf seinen Lesungen musikalisch begleitet, hatte sie sich gar nicht träumen lassen. „Ich hatte nicht geplant für Erwachsene zu schreiben oder besser zu singen. Aber Holger Bloem, den viele Krimi-Fans aus den Ostfriesenkrimis kennen, und Klaus-Peter Wolf haben seit dem ersten Krimi an mir gearbeitet, dass ich etwas machen sollte. Zum zweiten Krimi, dem Ostfriesenblut habe ich dann einen Song geschrieben und danach hat Klaus-Peter mich immer öfter auf die Bühne gebeten“, lacht die sympathische Musikerin.
Sie musste feststellen, dass ihr die Auftritte nicht nur viel Spaß machen, sondern beim Publikum auch gut ankommen. Denn sie beschreibt mit viel Ironie wie es ist, wenn ihr Mann einen Krimi schreibt oder in die wechselnden Figuren seiner Bücher eintaucht und regelrecht zu ihnen wird. Im letzten Jahr war sie zum ersten Mal in Gelsenkirchen dabei und zum 10. Ostfriesenkrimi hat sie sich nun entschlossen auf Dauer mitzureisen, wenn ihre Termine es zu lassen.

Klaus-Peter Wolf allein unterwegs....


Wie der Autor in der Lesung verriet, ist das auch gut so. Denn wenn er alleine reist, kann es schon mal passieren, dass er an seinem Zielort vorbei fährt. Davor bewahrt ihn Bettina Göschl. Und dem Paar gefällt es natürlich auch, dass es nicht mehr als ein Dreivierteljahr voneinander getrennt unterwegs ist.
Und natürlich kommt Bettina Göschl ebenso wie viele andere echt lebende Personen in den Ostfriesenkrimis vor. Im Ostfriesenschwur zum Beispiel entdeckt sie ein Mordopfer mitten in Norden.
„Ich bin schon nah dran an den Krimis und wenn Klaus-Peter dann was Gruseliges schreibt, finde ich das schon befremdlich, weil er doch eigentlich so humorvoll, freundlich und lebensbejahend ist“, verrät Göschl. Und das Publikum gibt ihr bei der Lesung recht, denn ein Abend mit Klaus-Peter Wolf wird niemals nur tödlich-ernst.

Wie aus einem interessanten Mann ein Ehemann wird


Die Künstlerehe kam übrigens ganz zufällig zustande: „Ich habe einige Filme gesehen, zu denen Klaus-Peter die Drehbücher geschrieben hat. Dann habe ich „Svens Geheimnis“ gelesen und auch als Film gesehen und wurde immer faszinierter von dem Mann dahinter. Und dann haben wir uns mal ganz plötzlich getroffen und der Mann war noch viel toller als erwartet“, lacht die erfolgreiche Musikerin und Autorin.

Gunnar Peschke, der Mann am Kontrabaß


Mit auf Reisen geht, wann immer es ihm möglich ist auch Gunnar Peschke, der als ZDF-Musikredakteur das Kinderlied im Fernsehen bekannt gemacht hat. Im KiKa sorgt er dafür, dass die neuen Kinderlieder einem breiten Publikum zugeführt werden und hat dabei auch Bettina Göschl kennengelernt, die viele neue Kinderlieder beiträgt.
Die Begrüßung der Gäste im MiR nahm Buchhändlerin Sabine Picharzik von der Buchhandlung Junius vor: „Wir sind stolz auf Klaus-Peter Wolf, der hier in unserer Stadt als Junge die Stadtbücherei aufgesucht hat, aber auch unsere Buchhandlung. Bei uns hat er auch mit 16 Jahren sein erstes Buch, das damals aus zehn zusammengetackerten Seiten bestand, verkauft. Ganze zehn Exemplare gingen über den Ladentisch.... Im 10. Ostfriesenkrimi kommt auf 40 Seiten Gelsenkirchen vor und es spielen einige hier lebende Personen eine Rolle darin.“ Mehr mochte die Buchhändlerin nicht verraten.

Nach Weihnachten beginnt die Vorfreude


Aber sie sprach wohl den Gelsenkirchenern aus der Seele als sie verriet: „Immer kurz nach Weihnachten freuen wir uns schon auf den nächsten Ostfriesenkrimi und den Besuch von Klaus-Peter Wolf.“ Und allen Fans sei gesagt: Der Autor hat den Auftritt in Gelsenkirchen wieder einmal so sehr genossen, dass er dem Stadtspiegel mitgeteilt hat, dass er schon nach einem Termin für 2016 in Gelsenkirchen sucht!

Das erwartet die Leser im 10. Ostfriesenkrimi


Im 10. Ostfriesenkrimi erhölt Ubbo Heide, der pensionierte Chef der ostfriesischen Polizei, ein Paket mit einem abgetrennten Kopf. Heide weiß, wessen Kopf er da sieht: Den eines Kriminellen, den er lange verfolgt hat, aber den er laufen lassen musste, weil er ihm die Tat nicht genügend nachweisen konnte.
Diesen und weitere ungelöste Fälle beschreibt Ubbo Heide in seinem Buch, mit dem er auch nach Gelsenkirchen kommt auf seiner Lesetour. Und schon geschieht der nächste Mord, eine Frau verschwindet und weiteres Unheil droht.
Ann-Kathrin Klaasen, ihr Mann Frank Weller, ihr Kollege Rupert und der neue Chef Büscher verfolgen viele Spuren, die sie unter anderem auch nach Gelsenkirchen führen...
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