Sabine Heinrich über „Götzithedia“, die Angst vor Kitsch und mehr

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Sabine Heinrich ist ein Kind des westlichen Westfalens und östlichen Ruhrgebiets. Foto: Bettina Fürst-Fastré (Foto: Bettina Fürst-Fastré)
Gelsenkirchen: Hans-Sachs-Haus |

Spätestens seit dem Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2010 „Unser Lied für Oslo“ ist Sabine Heinrich ein bekanntes TV-Gesicht. Daneben gehört sie aber auch zum festen Stamm von EinsLive. Vor einem Jahr hat sie ihren Debütroman „Sehnsucht ist ein Notfall“ veröffentlicht und derzeit ist sie auf Lesereise, die sie am Samstag, 18. April, um 20 Uhr ins Hans-Sachs-Haus führt.

Hat das Buch persönliche Hintergründe?


Sabine Heinrich: „Tatsache ist, dass meine Oma meinen Opa spät verlassen hat. Das war der Aufhänger. Aber sonst gibt es keine Parallelen. Vielmehr habe ich in dem Buch Fragen behandelt, mit denen ich mich selbst beschäftige.“

Man sagt immer, dass jeder Journalist ein Buch in der Schublade hat. War das in Ihrem Fall tatsächlich so?


„Eher weniger. Ich war in der exponierten Lage, dass mich der Verlag angesprochen hat, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch zu schreiben. Ich habe das zunächst spontan verneint, aber nach ein wenig Nachdenken, fand ich die Idee gar nicht so schlecht. Von mir aus hätte ich wohl eher eine Dokumentation gedreht über die Trennung im Alter. Aber auch so habe ich viele Gespräche zum Thema geführt. Etwa über die Hoffnungen, die hinter einer solchen Trennung im Alter stecken oder was davon ab hält, sich zu trennen. Das war sehr spannend, vor allem auch das Abgleichen mit den Werten, die man als Anfang- oder Mitt-Dreißiger hat.“

2010 waren Sie Moderatorin der Fernsehsendung zum Eurovision Song Contest bei dem Lena Meyer-Landruth letztendlich als Siegerin nach Oslo fuhr und dort mit „Satelite“ siegte. Dabei haben Sie als Öffentlich-Rechtliche mit den Kollegen von Pro7 und hier vor allem auch Stefan Raab zusammengearbeitet. Wie war das für Sie?


„Puh, das ist fünf Jahre her, da muss ich erst einmal grübeln. Zunächst muss ich sagen, dass ich ursprünglich von der Zeitung zum Privatradion ging und dort mein Volontariat absolvierte. Danach erst kam ich irgendwann zum WDR und damit den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten. Darum würde ich die Kollegen von den Privaten nie in Frage stellen. Ich habe eher sehr positive Erinnerungen an die Zusammenarbeit. Und von Stefan Raab habe ich sehr viel gelernt. Alles in allem bin ich sehr dankbar, dass ich dabei sein durfte.“

Sie arbeiten auch als Reporterin für „Zimmer frei“ mit Götz Alsmann und Christine Westermann. Herr Alsmann kommt dabei als ein Unikum rüber. Ist er das wirklich?


„Bei Zimmer frei bin ich als Reporterin ja nur im Hintergrund tätig und nicht im Studio dabei. Ich bin meist nur um Umfeld des prominenten Gastes unterwegs, manchmal sogar ohne den Prominenten zu kennen. Götz Alsmann ist ein wandelndes Lexikon wenn es um Musik geht. Man könnte ihn als „Götzithedia“ bezeichnen, weil er wirklich alles zur Musik weiß und kennt. Wobei das nicht ganz richtig ist: Alles ausser Pop, denn damit kann er nichts anfangen. Er ist sehr nett und überhaupt nicht exhaltiert und ich habe viel Respekt vor der Leistung eine Sendung über 20 Jahre lebendig zu halten und auch vor der Person Götz Alsmann selbst. Christine Westermann beobachte ich sehr gern bei der Moderation, weil sie ja das vereinbart hat, was ich auch mache: Radio und Fernsehen. Und ich weiß, dass das Kraft, Energie und Zeit kostet und darum bin ich umso beeindruckter von ihrer Leistung.“

Sie haben in der Reihe Gewissensbisse die sieben Todsünden selbst erprobt. Bei einem Fallschirmsprung haben Sie im letzten Moment die Reißleine gezogen und sind nicht gesprungen. Wie war das?


„Das haben wir vor zwei Jahren gedreht und es wird immer mal wiederholt. Das freut mich wirklich. Ich bin bewusst wertfrei an die sieben Todsünden herangegangen. Ich bin dabei zum Beispiel beim Thema Zorn Menschen begegnet, die andere Menschen brutalst zusammengeschlagen haben und dafür auch ins Gefängnis kamen. Trotzdem bin ich wertfrei in das Gespräch gegangen. Der Fallschirmsprung gehörte in die Kategorie Hochmut und ich hätte dabei mein Leben in die Hand eines fremden Mannes gegeben. Das habe ich nicht gemacht. Ich hatte für mich vorher beschlossen, dass ich erst in der Luft entscheiden würde, ob ich springe oder nicht. Darum fiel mir die Entscheidung nicht zu springen, nicht allzu schwer. Dabei habe ich auch gar nicht darüber nachgedacht, wie das bei den Zuschauern ankommt. Aber darüber denke ich auch bei anderen Dingen nicht nach, etwa bei der Kleiderfrage oder so. Ich finde, wenn man eine Haltung zu etwas hat, dann sollte man dazu stehen.“

Wie war es für Sie das Buch zu schreiben?


„Der Selbstzweifel schrieb die ganze Zeit mit. Man lässt beim Schreiben viel mehr die Hose runter als im Radio oder Fernsehen. Und ich habe mich ständig gefragt, ist das zu kitschig?“

Wie entscheiden Sie sich für die Stellen, die Sie vorlesen?

„Das ist eine Entwicklung. Es ist ja mein Debütroman und ich habe festgestellt, dass man Lesungen so gestalten sollte, dass sie über das Buch hinausgehen. Darum habe ich zwei kleine Filme gedreht, die bei den Lesungen gezeigt werden. Der eine davon wird auch nur bei den Lesungen gezeigt und ist sonst nirgendwo zu sehen. Das ist ein Interview-Film mit alten Damen, die dabei über das Küssen und mehr im Alter erzählen. Bei dem Film geht mir das Herz auf. Beziehungsprobleme im Alter passen immer in Hauptsatz und Nebensatz, das ist anders als bei Jüngeren. Ansonsten lese ich nur die heiteren Stellen aus dem Buch, die anderen könnte ich in so kurzer Zeit nicht vermitteln. Ich frage aber auch das Publikum, ob jemand das Buch gelesen hat und eine Lieblingsstelle hat.“

Hat Ihr Debütroman Sie nun „angefixt“ mehr zu schreiben?


„Ein Buch zu schreiben ist ein langer Prozess und es ist nicht auszuschließen, dass einmal eins nach kommt. Aber ich möchte gern noch diese Debüt-Roman-Zeit genießen und mich nicht messen lassen an meinem eigenen Werk. Das Buch ist jetzt seit einem Jahr auf dem Markt und ich freue mich immer noch, wenn ich es in einer Buchhandlung ausgestellt sehe. Kürzlich habe ich in der Bahn eine Frau gesehen, die es gelesen hat, das war toll. Denn das erlebt man weder beim Fernsehen noch beim Radio.“

Was ist Ihnen lieber: Radio oder Fernsehen?


„Das sind zwei unterschiedliche Berufe. Radio ist mehr als nur senden, ich bin da nicht allein. Die Hörer schreiben viel und rufen auch oft an. Man bekommt also eine Menge feedback. Im Radiostudio fühle ich mich Zuhause, da gibt es ein kleineres Team und alles geht schneller. Das Fernsehen ist viel aufwendiger, aber auch schön, weil man dabei mit den verschiedensten Menschen zusammen arbeitet. Das ist dann immer wie im neuen Job, da muss auch immer erst gucken, wo die Kantine ist. Ich bin einfach nur dankbar dafür, dass ich etwas machen darf, das mir viel Spaß macht. Etwas, das auch anstrengend ist, von dem ich aber hoffe, dass man mir das nicht ansieht.“
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