Stationen einer Flucht

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Um der kleinen Rienad im Kinderwagen eine Zukunft in Frieden und Freiheit zu ermöglichen, verließen ihre Eltern Sarmad und Haneen Al. Ruwiee ihre irakische Heimat, ihre Familien und Freunde. Foto: Gerd Kaemper

Sarmad und Haneen Al. Ruwiee schilderten auf welchen Wegen sie aus dem Irak flüchteten.

Vom Irak über die Balkanroute bis nach Gelsenkirchen


Grob gesehen führte die Flucht aus dem Irak über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Bayern. Im Detail erst werden die Risiken und Gefahren, die eine solche Flucht für die Menschen bedeutet offensichtlicher.

Mit dem Schleuser von der Türkei nach Griechenland


„In die Türkei ging es über den Landweg und dort mussten wir mit dem Zug nach Bodrum an die Küste. Hier wurden wir von einem Schleuser erwartet, der uns mit dem Schlauchboot nach Griechenland und hier dann nach Kos übersetzen sollte“, erzählt der 34-jährige Sarmad Al. Ruwiee. Dazu ist anzumerken, dass er neben seiner Gattin Haneen die bei der Flucht gerade einmal einjährige Tochter Rienad bei sich hatte und sie die ganze Zeit in einer „Bauchtasche“ transportierte.
Das Schlauchboot ist nicht größer als jene, die viele Urlauber gern mit den Urlaub nehmen, nur mit dem Unterschied, dass die Schleuser hier 50 Personen damit über das offene Meer transportieren.

Nachts im Schlauchboot mit dem Kleinkind vor der Brust


„Wir sind dann nachts mi dem Schlauchboot los. Doch mitten auf dem Meer ging der Motor kaputt und das Boot verlor Luft. Hinzu kam, dass die Benzinleitung undicht war und das Benzin ins Boot lief. Die türkische Küstenwache hat uns schließlich gerettet und zurück nach Bodrum gebracht“, berichtet Sarmad weiter.
Zwei Tage verbrachte die Familie nun in einer Flüchtlingsunterkunft in Izmir und Sarmad fuhr immer wieder nach Bordum, um von dem Schleuser von einem auf den nächsten Tag vertröstet zu werden. Schließlich hatte er Plätze für die Familie auf einem Boot frei und sie schafften es nach Kos. Dort blieben sie drei Tage lang, wurden registriert und erhielten Papiere. Mit der Fähre ging es nach Athen und von dort mit dem Bus nach Mazedonien.
„Kurz vor der Grenze haben wir den Bus verlassen und sind durch den Wald über die Grenze gegangen. Von dort ging es dann per Zug weiter nach Serbien. Allerdings mussten wir zwei Tage lang am Bahnhof übernachten, bis wir einen Platz fanden im Zug. Auch hier sind wir wieder kurz vor der Grenze ausgestiegen und zu Fuß durch den Wald nach Serbien gekommen“, erinnert sich der junge Mann.

Ohne Essen und Trinken stundenlang zu Fuß unterwegs


In Serbien erhielt die Familie wieder Papiere und konnte mit dem Bus nach Belgrad und wieder weiter bis kurz vor die Grenze zu Ungarn. In Ungarn angekommen stand der Familie ein sechsstündiger Fußmarsch bevor entlang der Zugstrecke.

Menschen nutzen die Not anderer aus


„Wir hatten nichts zu essen und trinken und fahren völlig am Ende. Darum haben wir das Angebot eines vorbeifahrenden Autos angenommen, das uns für 300 Euro nach Budapest bringen wollte. Von dort wollten wir mit dem Zug weiter, doch es gab niemanden, der uns geholfen oder wenigstens eine Auskunft gegeben hätte. Die Leute mit dem Auto boten dann an uns für 5 Euro wieder in die Stadt zu bringen, doch dort angekommen forderten sie 50 Euro und drohten ansonsten die Polizei zu rufen“, schildert der Iraker die „Hilfsbereitschaft“ der Ungarn.

In Österreich kam das Glück zu Hilfe


Schließlich fanden sie Platz im Zug nach Österreich und dort angekommen hatten sie Glück, dass die österreichische Polizei sie nicht aus dem Zug holte, wie viele andere. Schließlich kamen sie mit dem Zug nach Bayern.
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