Das Waagegebäude am Bowengarten in Horst muss erhalten bleiben. Initiative Runder Tisch stellt für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung West am 16.01.2018

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Bilder Runter Tisch Horst. Vorstellung des Herhalt (Foto: runder tisch)
    Gelsenkirchen: Einige Anregungen der Initiative zur Rettung und Neunutzung des Waagehauses Horst gemäß § 7 Bezirkssatzung Gelsenkirchen im Sinne des § 24 GO NRW. | Einige Anregungen der Initiative zur Rettung und Neunutzung des Waagehauses Horst gemäß § 7 Bezirkssatzung Gelsenkirchen im Sinne des § 24 GO NRW.
Waagehaus sanieren, Baugrenzen erweitern und Kita anbauen

Anlass:
Am 18. Dezember meldete die WAZ den „endgültigen Abriss“ des Waagehauses: nichts soll mehr übrig bleiben, Vivawest sei selbst der Erhalt der Fassade schon zu viel.
Das ist ein mehr als trauriger Umgang mit historischem Erbe und Erinnerungs- wie Heimatkultur, denn dieses Haus hat einen sehr hohen Identifikationswert für Horster Bürgerinnen und Bürger: Weit über 3000 gaben innerhalb weniger Wochen ihre Unterschrift unter die Forderungen zu seinem Erhalt und für eine Neunutzung.
Außerdem wurde in der bisherigen Debatte eine Perspektiv-Option völlig ausgeklammert: Es besteht die wirklich unkomplizierte, wenig zeitaufwändige und relativ einfache Möglichkeit, die bisher im Bebauungsplan gültigen eng um das bestehende Gebäude gezogenen Baugrenzen ohne großen Verfahrensaufwand bei Bedarf zu erweitern.
Nach Gesprächen mit Fachleuten und Verantwortlichen in der Stadtverwaltung bringen wir deshalb die folgenden Anregungen ein, mit denen sich zugleich durchaus bemerkenswerte Vorteile für alle beteiligten eschließen lassen:

Anregungen für eine realistische Perspektive:
1. Durch eine Kombination von Waagehaus und angebautem Neubau könnte Grundstücksausnutzung erheblich vergrößert und damit das Grundstück in seinem Wert gesteigert werden.
(Die angehängten Grundriss-Skizzen sollen das Prinzip verdeutlichen bzw. verbildlichen!)
2. Das Waagehaus könnte sehr elegant und kulturvoll erhalten und als Entré für die Kita genutzt werden (s. Grundriss-Skizzen).
3. Das Kostenpaket für Abriss, Entsorgung und Wiederaufbereitung des Baugrundes könnte entfallen und die Mittel stattdessen für die Sanierung des Waagehauses konstruktiv eingesetzt werden.
4. Zusätzlich könnte es (u.a. in den Obergeschossen) für Vereine und andere Nutzungen der Horster Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.
(Denkbar z. B. Raum für Schiedsmann und seine Aktivitäten, Raum für Beratungen aller Art , Technikraum für Technikbotschafter, Schnupperkurse für Jugendliche und das Reparatur-Café, Raum für kleinere Veranstaltungen von Vereinen und Initiativen, Raum für künftige städtische Quartierskümmerer, Heimatarchiv, Bürgeraktivitäten, …)
Das noch allen im Gedächtnis haftende alte Versprechen, das Waagehaus zu einer Begegnungsstätte zu machen, könnte nicht nur eingehalten sondern attraktiv gesteigert werden.
5. Schließlich wird das ganze Projekt ein nachhaltig wirkender Stadtteilevent werden, wenn ein „beschränkter Architektenwettbewerb“ (Mehrfachbeauftragung) durchgeführt wird, begleitet durch eine öffentliche (moderierte) Entwurfswerkstatt, bei der Horsterinnen und Horster die Möglichkeit haben, ihre Ideen in den Gestaltungsprozess einzubringen („aktives Partizipationsverfahren“).

Begründung:
VivaWest hat sich als erstes deutsches Wohnungsunternehmen dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex verpflichtet. Aber der Druck zum „nachhaltig ökonomischen Nutzen“ bei VIVAWEST scheint groß zu sein. Denn bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass die bisher angeführte Rechnung einige Irritationen auslöst:
Wenn das Waagehaus abgerissen wird, dann sind die in den letzten Jahren (laut eigenem Bekunden) über 380.000 Euro Reparaturinvestitionen futsch. Vernichtet. Oder besser wohl: abgeschrieben.
Rechnet man geschätzte Abrisskosten von 100.000 Euro, Entsorgungskosten von Bauschutt und Sondermüll und Kosten für die Aufbereitung des Baugrundes von ca. 120.000 Euro dazu, so ergibt sich eine Summe von ca. 600.000 Euro, die wenig nachhaltig schlicht vernichtet werden wird.
Und dann kommen die Kosten für den Neubau einer 4-zügigen Kita noch dazu mit ca. 2,5 - 3,0 Mio Euro zuzüglich diverser Fachplanungskosten.
Wenn also die Kriterien des Nachhaltigkeitskodex wirklich für das Alltagshandeln des Konzerns bestimmend sein sollen, könnte das Waagehaus zu einer Nagelprobe der Glaubwürdigkeit werden.

„Umso mehr freut es uns, dass VIVAWEST 2016 mit dem Preis Soziale Stadt in der Kategorie „Bürgermitwirkung, Stadtteilleben“ ausgezeichnet wurde.“ (Geschäftsbericht 2016, S. 11)
Unsere Anregungen bauen darauf, dass Erinnerungskultur nicht nur nach ihrem ökonomischen Betriebsnutzen beurteilt wird, und damit Geist und Buchstabe des Nachhaltigkeitskodex entsprochen wird.
„In Gelsenkirchen existieren zahlreiche Orte, die sich in einem Transformationspro-zess befinden. Diese „Orte des Wandels“ zeichnen sich dadurch aus, dass die ursprüngliche Nutzung bereits weggefallen, die Transformation bereits gestartet, konzeptionell geplant oder noch zu initiieren ist. Städtebauliche Konzepte sollen unter einer breiten Einbeziehung der Akteure und Bevölkerung und einer Berück-sichtigung der Vergangenheit des Ortes (Identität und Baukultur müssen bewahrt werden) entwickelt werden.“ (S. 24 im Entwurf Räumliches StrukturKonzept (RSK), das im kommenden Jahr politisch beschlossen werden soll)
Mit beiden Zitaten möchten wir gerne die Stadt „ex ante“ in die Verantwortung nehmen – obwohl die hier skizzierte Vorgehensweise eigentlich eine absolute Selbstverständlichkeit für jeden Kommunalpolitiker und Stadtentwickler sein sollte und nicht gesondert beschlossen werden müssen sollte.

Wie sollte es also unserer Meinung nach weitergehen?
Noch vor einem Jahr haben die Vertreter von VIVAWEST in der Bezirksvertretungssitzung einen „offenen Dialog“ über die weiteren Planungen angekündigt und der Vorschlag des Bezirksbürgermeisters, doch eine Werkstatt durchzuführen, blieb seinerzeit unwidersprochen. Auch die Übergabe der über 3000 Unterschriften am 11. September wurde nicht als Anlass gesehen, einen solchen Dialog zu beginnen.
Wir halten die hier formulierten Anregungen zur Lösung des Falles für sehr diskussionswert und gut genug, um ein Abriss-Moratorium zu begründen und über das weitere Verfahren an einem runden Tisch aller Beteiligten zu beraten.
Mit diesem Vorschlag werden wir die Anregungen zeitgleich mit ihrer Veröffentlichung natürlich an die hiesige Geschäftsführung von VIVAWEST schicken.

Bernd Strickling (Werbegemeinschaft Horst)

Hans-Georg Kouker (Handwerksmeisterverein)

Kai Kühmichel (Architekt und Stadtplaner)

Reinhold Adam (Geschichtsforum Nordsternpark)

Tomas Grohé (runder tisch horst)

Wolfgang Höfener (Historische Druckwerkstatt)

Wolf Hoffmann (Förderverein Schloss Horst)

Quelle: Runder Tisch Horst
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