Lindenhof-Gelsenkirchen. Erste Solidarische Landwirtschaft (Solawi) in Gelsenkirchen und Umgebung

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Lindenhof-Gelsenkirchen Solidarische Landwirtschaft.Foto.Kurt Gritzan.
 
Steffi Schulze-Schleithoff,Wirtschaftsjuristin und Martin Schulze-Schleithoff,Agraingenieur. Lindenhof-Gelsenkirchen Solidarische Landwirtschaft.Foto.Kurt Gritzan.

Erste Solidarische Landwirtschaft (Solawi) in Gelsenkirchen und Umgebung

Landwirtschaft gemeinsam gestalten, sich die Ernte teilen

Solidarische (gemeinschaftsgetragene) Landwirtschaft (kurz Solawi) ist abgeleitet vom amerkikanischen „Communitiy Supported Agriculture (kurz CSA) und wird seit den 1980er Jahren auch in Deutschland praktiziert.

So einfach wie genial

Ein Kreis von Verbrauchern schließt sich mit einem landwirtschaftlichen Betrieb (oder eine Gärtnerei) zusammen, finanziert gemeinsam die Jahreskosten der Lebensmittelproduktion und sichert sich damit die Eigenversorgung mit nachhaltig und hochwertig erzeugten Lebensmitteln.
Dem einzelnen Produkt wird sein Preis genommen und sein natürlicher Wert zurückgegeben, denn was gemeinsam finanziert wird, ist nicht das einzelne kg Tomaten oder Hackfleisch, sondern die gesamte Landwirtschaft für einen festen Kreis von Verbrauchern.

Je nach Anteil gibt es dann wöchentlich (bzw. nach Vorankündigung) frisches Gemüse, Obst, Fleisch oder Eier. Die Mitglieder werden in die Gestaltung der Landwirtschaft eingebunden und können auch selbst aktiv werden.

Dank extensiver Bewirtschaftungsmethoden, kurzer Transportwege und kompakter Wertschöpfungskreisläufe stärkt man regionale Strukturen und schont Klima und Ressourcen.

Ander als im Supermarkt ist die Produktpalette saisonal limitiert. Im Sommer gibt es nahezu alles, im Winter ist das Angebot weniger bunt. Dafür bekommen die Mitglieder etwas anderes, ungleich Wertvolleres:
Das Wissen, woher ihre Lebensmittel stammen und wie sie erzeugt wurden.

Die Lebensmittel werden bei diesem Konzept also nicht mehr über den globalen Markt vertrieben, sondern gehen vom Erzeuger unmittelbar vom Feld oder Stall an den Verbraucher. Lange Transportwege, Zwischenhändler und Verpackungen werden ausgeschaltet.
So sichern wir und gemeinsam wieder eine regionale, vielfältige und kleinbäuerliche Landwirtschaft, die für Transparenz und Nachhaltigkeit steht!!!

Solawi auf dem Lindenhof

In den vergangenen Jahren unserer Selbstversorgung hier auf dem Hof erlebten wir immer wieder die positive Resonanz anderer Menschen für das was wir tun und wie viel wir dafür arbeiten. Als wir von dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft erfuhren, begeisterte uns die Vorstellung, dass wir weitere Familien an unserer Selbstversorgung teilhaben lassen können, dass sich tatsächlich andere Menschen für den Hof verantwortlich fühlen und ihn mittragen würden aus der Überzeugung heraus, dass sie ehrlich produzierte Lebensmittel erhalten.


Unser Ziel ist es, eine traditionelle, vielfältige und kleinbäuerliche Landwirtschaft wieder tragfähig zu machen. Wir möchten unsere Mitglieder mit regionalen und qualitativ-hochwertigen Lebensmitteln versorgen. Wir produzieren dabei ausschließlich für die Solidarische Landwirtschaft.

Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist ein Paradebeispiel für eine nachhaltige Landwirtschaft, bei der nicht alleine die ökonomischen Zwänge der globalen Märkte, sondern auch die ökologischen und sozialen Aspekte eine Rolle spielen.

Wir möchten gemeinsam mit den Mitgliedern eine Landwirtschaft gestalten, so wie sie uns alle bereichert und Freude macht. Wir möchten den Menschen den Bezug zu ihren Lebensmitteln und der Landwirtschaft wiedergeben. Ihr wisst, als Teil der Solidarischen Landwirtschaft, ganz genau wie und von wem eure Lebensmittel produziert wurden und was diese Produktion kostet. Alle Abläufe werden transparent gestaltet, ihr könnt alles fragen was euch bewegt und für Veränderungs- oder Erweiterungsvorschläge haben wir immer ein offenes Ohr und können dies in der Gemeinschaft beraten und diskutieren.

Der Ernteanteil wird wöchentlich auf dem Lindenhof zur Verfügung gestellt. Das Gemüse wird frisch und von Hand geerntet und kommt direkt in den Erntekorb. Fleisch + Wurst gibt es natürlich nicht in jeder Woche, sondern nur dann, wenn wir Tiere zum Metzger gebracht haben. Über den Inhalt der Erntekisten in der jeweiligen Woche informieren wir vorab in unserem Wochenbrief.

Gemüse
Für 60 Ernteanteile haben wir in unmittelbarer Nähe 0,9 ha Acker gepachtet. Hier bauen wir für die Solidarische Landwirtschaft über 30 verschiedene Sorten Gemüse an. Zusätzlich gibt es zwischendurch auch Obst & Apfelsaft.

Tiere
Auf dem Lindenhof sind eine Vielzahl von Tieren anzutreffen. Neben den Rindern, Schweinen, Schafen und Hühnern gibt es auch ein paar Zwergziegen und zwei Pferde. Auf einem richtigen Bauernhof darf natürlich auch der Hofhund und die Katze zum Mäusefangen nicht fehlen.

Bei unseren Tieren ist es uns stets wichtig einen engen Kontakt zu halten. Häufig fragen uns Besucher und Freunde, ob es nicht schwer ist, Tiere zu schlachten, zu denen wir einen so engen Bezug halten. Tatsächlich fällt uns das nie leicht. Der Wert des tierischen Produktes wird einem dabei aber immer wieder aufs Neue bewusst, sodass wir Fleisch und andere tierische Produkte mit einer großen Dankbarkeit und Respekt vor dem Tier konsumieren.
Für uns und alle Mitglieder der Solawi soll mit diesem bewussten Umgang zum Tier das Fleisch seinen (Billigst-) Preis verlieren und seinen (natürlichen) Wert wieder bekommen

Bei den Nutztieren ist es uns wichtig, vor allem alte Nutztierrassen zu halten, die robust und vital sind. Meistens bringen diese Rassen neben einer mittleren Mastleistung auch eine gute Fleischqualität mit sich und sind in ihrem genetischen Potenzial nicht auf eine Hochleistung gezüchtet, die nur mit Hilfsmitteln und körperlichen Einschränkungen der Tiere zu erreichen ist.

So halten wir also Hinterwälder Rinder, eine Zweinutzungsrasse die ursprünglich aus Süddeutschland kommt und Europas kleinste Rinderrasse ist. Die Hinterwälder sind für ihre hervorragende Fleischqualität bekannt. Außerdem gibt es Bentheimer Landschweine und Husumer Protestschweine sowie Milchschafe.
Text:Steffi Schulze-Schleithoff
Fotos:Kurt Gritzan

Infos + Anmeldung
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1 Kommentar
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Peter Gerber aus Menden (Sauerland) | 09.01.2016 | 18:09  
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