Nazi ist Namensgeber für Straße in Gelsenkirchen

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Karl Wagenfeld ist wegen seiner nachgewiesenen Nähe zum Nationalsozialismus als Namensgeber nicht länger tragbar
Gelsenkirchen: Karl-Wagenfeld-Weg | NS-belastete Namensgeber für Straßen, Plätze und Wege werden mehr und mehr öffentliches Thema. So rückte auch der Dichter, Schriftsteller und Organisator des Westfälischen Heimatbundes Karl Wagenfeld (1869 - 1939) wegen seiner unrühmlichen Rolle während der NS-Diktatur in den Fokus der Öffentlichkeit. Nach Karl Wagenfeld ist eine Straße in Gelsenkirchen-Buer benannt.

Neuere Forschungsergebnisse einer Historikerkommission belegen, dass Karl Wagenfeld wegen seiner antisemitischen und nationalsozialistischen Gesinnung als Namensgeber für eine Straße nicht länger tragbar ist. Eine ganze Reihe von Kommunen hat bereits die Konsequenzen gezogen und nach ihm benannte Straßen umbenannt.

In Gelsenkirchen hat die Diskussion um eine Umbenennung bisher noch nicht begonnen. Das wird sich jedoch bald ändern: "Ein Wegbereiter und eine Stütze des NS-Terrorregimes darf in Gelsenkirchen nicht länger mit einem Straßenschild geehrt werden. Der "Karl-Wagenfeld-Weg" soll umbenannt werden, wir haben jetzt eine entsprechende Anregung an die Politik auf den Weg gebracht." sagt ein Sprecher des Gelsenzentrum - Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte in Gelsenkirchen, "Wir schlagen vor, den Weg nach einem Opfer des Braunen Terrors zu benennen - nach dem Gelsenkirchener Widerständler und Holocaust-Überlebenden Werner Goldschmidt."

Wagenfeld war überzeugter Nationalsozialist

In einem Brief an seinen nationalsozialistischen Freund Heinrich Glasmeier begründete Karl Wagenfeld 1933 seinen Eintritt in die NSDAP: "Was ich da an Eindrücken gewonnen habe, hat mir die unbedingte Notwendigkeit klar gemacht, dass ich, wenn meine Lebensarbeit nicht geschädigt werden soll, unbedingt der N.S.D.A.P. beitreten muss. [...] Dass das keinen Gesinnungswandel bedeutet, wissen Sie. Wer in mir einen Konjunkturjäger sehen sollte, dem schlage ich [...] in die Fresse. [...] und hoffe, dass wir jetzt noch besser als früher Schulter an Schulter für unsere deutsche Sache arbeiten können."

Fremdenfeindliche und Rassistische Anschauungen

"Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in Krüppel- und Idiotenanstalten, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistig Minderwertige." Auch dieser Satz stammt von Karl Wagenfeld, im Westfälischen Autorenlexikon wird Rainer Schepper zu diesem Menschen- und Weltbild von Karl Wagenfeld zitiert: "Es ist jenes Menschenbild, das der Nationalsozialismus zur Errichtung seiner Ideologie vom Herrenmenschen und Untermenschen, zum Erlass der Nürnberger Gesetze vom 16. September 1935, zur Euthanasie geistig und psychisch kranker Menschen, zum Kampf gegen alles ‚Artfremde‘, zum Krieg gegen ‚Frankreichs Hass‘ und ‚Polens Gier‘ benötigte und benutzte."

Hasspropaganda

Ein weiteres Beispiel für die Gesinnung Karl Wagenfelds und seinem Verständnis von "Heimatschutz" ist seine Rede „Westfalens Jugend an die Front!“ auf dem Westfalentag auf der Hohensyburg am 16. September 1934, in der er u.a. sagte: „ (...) Dem, was sich als schädlich für die Wiedergeburt des deutschen Menschen, für das Werden deutscher Volksgemeinschaft, in den Weg stellt, ihm Euer Schwert! Es müssen nicht bloß Schädlinge beseitigt, es müssen auch noch viele abseits Stehende gewonnen werden.“

Noch nach seinem offiziellen Ausscheiden als Vorsitzender des Heimatbundes äußerte sich der von den Nazis mehrfach ausgezeichnete und finanziell geförderte Karl Wagenfeld in öffentlichen Erklärungen positiv und unterstützend zum NS-Regime. Mindestens bis 1936 sind Loyalitäts- und Unterstützungserklärungen für Hitler und das NS-Regime überliefert. Eine "Kommission Straßennamen" in Münster kam jüngst zu dem Forschungsergebnis, dass "Karl Wagenfeld sich aus voller Überzeugung, nicht aus opportunistischen Gründen, dem NS-Regime angedient hat. Auf seine Arbeit vor 1933 konnte die nationalsozialistische Ideologie aufbauen."

Nun sind die kommunalpolitischen Gremien gefragt, diese müssen entscheiden, wie lange der stramme Nationalsozialist Karl Wagenfeld als Namensgeber für eine Straße noch fortwirken kann.
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Dieter van Riel aus Fröndenberg/Ruhr | 09.06.2013 | 13:30  
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