"Hilfe für Helfer"

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Mit der Broschüre „Hilfe für Helfer“ sollen die Leser nicht überfrachtet, sondern auf einfache und lockere Art informiert werden. Sie soll ehrenamtlich Tätigen helfen, aber auch das Interesse neuer Ehrenamtler wecken. Über die gelungene Veröffentlichung freuen sich (von links) Oberbürgermeister Frank Baranowski, Beate Rafalski, Ralph Mutmann, Ulla Greschkowitz und Admir Bulic.Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Ehrenamtsagentur |

„Ohne das große ehrenamtliche Engagement hätte die Verwaltung die Flüchtlingswelle des letzten Jahres nicht stemmen können. Und damit haben die Gelsenkirchener bewiesen, dass eine solche Hilfsbereitschaft auch in einer großen Ruhrgebietsstadt möglich ist, was von vielen Stellen im Vorfeld als unmöglich erachtet wurde“, erklärt Oberbürgermeister Frank Baranowski, der auch Vorstandsmitglied der Ehrenamtsagentur ist und sich noch einmal für die große Hilfsbereitschaft der Bürger bedankte.

Eine Broschüre als Richtschnur für das Ehrenamt


Die Idee zu „Hilfe für Helfer“ hatten Admir Bulic, der bei der Awo zuständig ist für die Integrationsagentur Migration und Flüchtlinge, und Beate Rafalski, die Geschäftsführerin der Ehrenamtsagentur. Sie wollten etwas schaffen, das man Helfern an die Hand geben kann als eine Art Richtschnur in Sachen Hilfe.
„Nach den Vorkommnissen aus der Silvesternacht in Köln drohte die Flüchtlingshilfe zu einer Flüchtlingskrise zu werden. Es war deutlich zu spüren, dass sich viele Ehrenamtler zurückzogen, weil sie verunsichert waren. Dem wollten wir entgegenwirken“, schildert Beate Rafalski.
Dazu organisierten Bulic und Rafalski Ende Februar den Markt der Möglichkeiten, bei dem sich 25 Initiativen vorstellten, die in der Flüchtlingshilfe aktiv waren und sind. Mehr als 200 Bürger nutzen die Gelegenheit, um sich zu informieren, wo und wie sie helfen können.
Im nächsten Schritt wurde eine Fortbildungsreihe angeboten, in der Ehrenamtliche qualifiziert und notwendiges Grundlagenwissen im interkulturellen Kontext vermittelt wurde. Fast 70 Bürger nutzten das Angebot, das über mehrere Wochen ging. Aber nur wer vier von fünf Themenabende besuchte, erhielt am Ende das Zertifikat. Das waren 12 Gelsenkirchener, die nun ihre ehrenamtliche Tätigkeit mit dem richtigen Rüstzeug versehen wahrnehmen.
Denn auch wenn heute bei weitem nicht mehr so viele Flüchtlinge neu ankommen, so gibt es viele Flüchtlinge, die in Gelsenkirchen bleiben werden. Und diese gilt es nun nachhaltig zu integrieren. Darum geht es jetzt um die Flüchtlingshilfe in den Quartieren.

Neue Aufgaben fürdie Ehrenamtler


„Dabei geht es auch durchaus um anspruchsvollere Aufgaben für die Ehrenamtler. Das können Patenschaften sein, um Hilfen im Alltag zu geben oder auch formelle wie informelle Sprachkurse. Ebenso geht es um die Hilfe bei der Anerkennung von Schulabschlüssen, Ausbildungen oder Berufsbildern. Und bei all diesen Anforderungen an die Ehrenamtler kann die Broschüre Hilfe für Helfer eingesetzt werden.
Ralph Mutmann ist einer der 12 Zertifikatsträger und informierte sich Anfang diesen Jahres bei der Ehrenamtsagentur darüber, wie und wo er helfen könnte. „Ich war im Bergbau tätig und bin jetzt im Vorruhestand. Bei meiner früheren Beschäftigung hatte ich nicht viel mit sozialem Engagement zu tun und ich hatte mich bis dahin auch nicht ehrenamtlich engagiert. Aber ich kann sagen, die Broschüre und die Qualifizierung helfen weiter. So war ich am Anfang in der Kleiderausgabe in der Emscher-Lippe-Halle im Einsatz. Später habe ich Nachhilfe für Schüler in der Flüchtlingsunterkunft an der Mehringstraße gegeben und jetzt gebe ich einen Sprachkurs in der Gemeinschaftsunterkunft Katernberger Straße.“
Auch Ulla Greschkowitz hat die Qualifizierung absolviert und fand sie sehr hilfreich für den Alltag als Ehrenamtlerin. Sie war schon vor der Flüchtlingswelle als Senioren- und Nachbarschaftsstifterin in Horst ehrenamtlich aktiv. Dann kam ihr Engagement im Café Vielfalt dazu, das leider nur drei Monate durchgeführt wurde. Inzwischen ist sie im interreligiösen Arbeitskreis in Horst aktiv und zeigt sichbegeistert davon, wie diese Community funktioniert.
„Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir gezielt nach Dingen suchen oder darum bitten, wenn wir etwas benötigen. Das ist besser als Unmengen von Dingen sortieren und lagern zu müssen. Und das funktioniert einfach super!“ schildert Ulla Greschkowitz.
So betreut sie eine Familie mit einer dreijährigen Tochter, die nun einen Kindergartenplatz hat. Als das Mädchen dort aufgenommen wurde, gab es in dem Kindergarten einen regelrechten Hype an Spenden. „Das finde ich immer wieder erstaunlich. Da werden Dinge verschenkt, statt sie bei ebay zu Geld zu machen oder einfach weg zu werfen“, erklärt die Helferin.
Sie berichtet, dass es dank des guten Zusammenspiels in der Community auch schnelle und unbürokratische Hilfen gibt. So verfügt sie über eine Anhängerkupplung am Auto, der nächste Helfer über den nötigen Anhänger und schon ist man bereit um notwenige Möbel abzuholen und zu den Hilfsbedürftigen zu bringen.
Dabei greift Ulla Greschkowitz auch mal durch, wenn es sein muss. „Ich habe erlebt, wie die Männer bei einem Umzug herum standen, während die hochschwangere Frau Umzugskisten schleppte. Das habe ich sofort unterbunden. Und da ich inzwischen als ‚Chefin‘ akzeptiert bin, wurden die Männer sofort aktiv. Dabei ist das in ihrem Kulturkreis üblich, dass die Frauen arbeiten.“ Man könnte hier von gelebter Integration reden.
Hilfreich für alle Helfer ist auch das DIN A4-Blatt „First communication help“, das mit icons für verschiedenste Dinge versehen ist und vom Paritätischen entwickelt wurde. „Ich betreue eine indische Familie, in der die Frau schwanger ist. Mehrmals hatte ich gefragt, ob sie alles habe für das Baby und sie antwortete mit einem Nicken. Dank der icons konnte ich gezielt nach einzelnen Dingen fürs Baby fragen, wie Fläschchen, Windeln und etc. Am Ende kam heraus, dass sie verstanden hatte, ob sie etwas bräuchte und daraufhin genickt hatte. Glücklicherweise ist das Missverständnis noch rechtzeitig aufgefallen und als das Baby kam, lag alles bereit“, freut sich die Horsterin.
Ein Tipp von ihr an alle Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer lautet: Sie können drei Monate lang einen kostenlosen Bibliotheksausweis bekommen. Damit können nicht nur Dictionaries, sondern auch Bücher und Filme entliehen werden.

Hier gibt es „Hilfe für Helfer“-Broschüren


Die Broschüre liegt an vielen Stellen im Stadtgebiet aus. So unter anderem in der Ehrenamtsagentur, in der Stadt- und Tourist-Info im Hans-Sachs-Haus, bei der Awo, in den Stadtteilbibliotheken und überall dort, wo man Menschen trifft, die sich für das Ehrenamt interessieren. Mit der Broschüre „Hilfe für Helfer“ sollen die Leser nicht überfrachtet, sonder auf einfache und lockere Art informiert werden. Sie soll ehrenamtlich Tätigen helfen, aber auch das Interesse neuer Ehrenamtler wecken. Über die gelungene Veröffentlichung freuen sich (von links) Oberbürgermeister Frank Baranowski, Beate Rafalski, Ralph Mutmann, Ulla Greschkowitz und Admir Bulic.Foto: Gerd Kaemper
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