Öffnen Sie Ihr Herz und Ihr Zuhause!

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Die Glashalle von Schloss Horst war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt. Gelsenkirchener Bürger aus verschiedenen Herkunftsländern bzw. mit entsprechender Zuwanderungsgeschichte waren zur Auftaktveranstaltung gekommen. Fotos: Gerd Kaemper
 
Frauke Fischer und Wolfgang Schreck(beide rechts zu sehen) stellten, neben anderen, die neue Kampagne des Jugendamtes der Stadt Gelsenkirchen vor. Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Schloss Horst |

Vermutlich alle Anwesenden in der rappelvollen Glashalle des Schloss Horst waren sich einig in der Feststellung: „Jedes Kinder verdient ein Lächeln!“, die der Slogan der neuen Kampagne der Stadt Gelsenkirchen ist, um Kinder mit einer Zuwanderungsgeschichte auch an Pflegeeltern mit einer solchen vermitteln zu können.

Kampagne in vier Sprachen um möglichst viele Menschen anzusprechen


Die Kampagne wird durchgeführt auf russisch, arabisch, polnisch und natürlich türkisch, denn Menschen mit türkischer Zuwanderungsgeschichte sind in der Mehrzahl unter den Zugewanderten in Gelsenkirchen.
„Gelsenkirchen ist eine weltoffene Stadt, in der Menschen mit offenen Armen empfangen werden“, weiß Stadtrat Dr. Manfred Beck, der die zahlreichen Gäste begrüßte und dem diese große Zahl auch bewies, dass die Kampagne auf Interesse gestoßen ist.

Familien gehen vor Heimen


Als Dezernent für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration führte Beck aus, dass es „der Auftrag des Jugendamtes ist Kinder möglichst gut zu erziehen, wenn ihre Eltern aus verschiedensten Gründen dazu außerstande sind. Dabei ist es in Gelsenkirchen eine lange Tradition, dass solche Kinder lieber in Familien als Heimen ein neues Zuhause finden sollen.“ Und genau hier setzt die Kampagne an, denn „die Pflegeeltern, die zur Verfügung stehen für solche Unterbringungen sind lange nicht so bunt wie unsere Stadt. Kinder sollten aber auch kultursensibel erzogen werden, egal ob nur kurzzeitig oder auf Dauer“, führte Dr. Manfred Beck weiter aus.

Jugendamtsleiter hofft auf viele bereitwillige Pflegeeltern


Der kommissarische Leiter des Referats Erziehung und Bildung, Wolfgang Schreck, zeigte sich erfreut, dass er unter den Besuchern viele bekannte, aber auch sehr viele noch unbekannte Gesichter entdeckte: „Das macht Hoffnung, dass sich viele Interessierte unter Ihnen befinden.“
Der Diplom-Psychologe schilderte, was die meisten Menschen zum Glücklichsein brauchen, nämlich eine Familie, ein sicheres Leben und vielleicht sogar ein eigenes Haus. „Kinder hingegen brauchen keinen Luxus, für sie bedeutet die Zuwendung und Obhut einer Familie das größte Glück.“

Der erste Besuch der neuen Generalkonsulin in Gelsenkirchen


Auch die Generalkonsulin Pinar Gülün Kayseri zeigte sich erfreut über die Kampagne der Stadt und nahm die Auftaktveranstaltung zum Anlass noch vor ihrem offiziellen Antrittsbesuch in Gelsenkirchen, sie ist erst seit dem 1. September im Amt, die Stadt zu besuchen. Sie erklärte: „Die wichtigsten Dimensionen der Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei sind die zwischenmenschlichen und dazu bietet die Kampagne einen guten Ansatz.“ Denn der türkischen Regierung ist es wichtig, dass sich die Türkischstämmigen in Deutschland dem hiesigen Leben anpassen, aber ohne ihre Heimat und ihre Wurzeln zu vergessen. Und dank der Kampagne würde das nun auch Kindern ermöglicht werden.

Die Kommunikation zwischen Familien mit Migrationshintergrund und Jugendämtern


Professor Dr. Hasan Alacacioglu von der Universität Istanbul arbeitet an der Universität Siegen an einer Forschungsarbeit über das Zusammenspiel von muslimischen Familien und Jugendämtern. Er ließ aus dieser Erfahrung viele herrschende Vorurteile Revue passieren, zeigte aber auch auf, dass viele der Probleme nur aufgrund von sprachlichen Missverständnissen basieren. „Hier kann die Kampagne helfen, für die nötige Aufklärungsarbeit zu sorgen. Und vielleicht gibt es auch bald schon in Gelsenkirchen ein Engagement wie ich es in einer anderen Stadt erfahren habe, wo eine muslimische Frauengruppe sich an das Jugendamt gewandt hat, um Flüchtlingskinder aufzunehmen“, gab sich der Professor hoffnungsvoll.

Es gibt schon Pflegeeltern im Migrationshintergrund


Doch all diese Worte konnten nichts von dem aufwiegen, was „echte“ Pflegeeltern und Pflegekinder in einem „Werbefilm“ für die Kampagne über ihre Erfahrungen äußern. Ali Batur und seine Gattin Angela Batur-Hensing haben zwei leibliche Kinder und ein Pflegekind und sehen dieses Kind als Bereicherung ihrer Familie.
Domenik Singh berichtete von seinem Leben mit seiner leiblichen Mutter und den Chancen, die ihm später eine Pflegefamilie bieten konnte. Er ist sich sicher, dass er durch seine Mutter diese Möglichkeiten nicht hätte erhalten können.

Alleinerziehend und doch Pflegemutter


In ein echtes Abenteuer stürzte sich Elveda Pehlivanoglu, die als alleinerziehende muslimische Pflegemutter agiert und dabei Kopftuchträgerin ist. Sie antwortete auf die Frage, was für sie Glück bedeutet, dass es die Stunden waren, als sie ihren kleinen Pflegesohn zum ersten Mal zu sich nach Hause holen durfte. Und dieses Glück blieb ihr erhalten und sie spürt es immer wieder, wenn sie sieht, wie der kleine Junge sich jeden Tag ein wenig weiter entwickelt und etwas Neues lernt. Und spätestens, wenn dieser kleine Junge dann der Dame „entwischt“, die ihn beaufsichtigte, während seine Pflegemutter auf der Bühne an der Podiumsdiskussion teilnimmt, und auf seine „Mutter“ zustürmt, sieht man, dass das Glück beiderseitig ist.

Uschi Lork als altgediente Pflegemutter


Uschi Lork, die nicht nur zweite Vorsitzende der Pflegeelterninitiative ist, sondern auch seit Jahrzehnten praktizierende Pflegemutter, durch deren Hände mehr als 100 Kinder gingen, brachte es auf den Punkt: „Es gibt Kinder für die ist ein Elternpaar nicht genug, sie brauchen ein zweites.“
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