„Wenn alle den Täter jagen,wer bleibt dann beim Opfer?“

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Donald Pawellek zitierte bei seinem Besuch beim Stadtspiegel den Mitbegründer des Weißen Rings Eduard Zimmermann mit „Wenn alle den Täter jagen, wer bleibt dann beim Opfer?“ Denn genau da sieht er die Arbeit des Weißen Rings, den Opfern zur Seite zu stehen und sie aus der Opferrolle zurück ins Leben zu holen.Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Polizeipräsidium |

Die Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gibt es heute noch und Rudi Cerne übernahm von Gründungsmoderator Eduard Zimmermann nicht nur diese Tätigkeit, sondern auch das Engagement in der Opferhilfe und damit im Verein Weißer Ring. In Gelsenkirchen ist Donald Pawellek der Ansprechpartner für die Opfer.
Allein im Jahr 2016 haben mehr als 120 Personen die Außenstelle Gelsenkirchen des Weißen Rings kontaktiert. Dabei suchten Opfer von Kriminalität und Gewalt oder deren Freunde und Verwandte Hilfe und Rat in einer schwierigen Situation.
„In 77 Fällen konnte der Weiße Ring im letzten Jahr erfolgreich helfen. 32 Opfern wurde hierbei auch finanzielle Hilfe zuteil. Darin erschöpft sich aber die Arbeit des Weißen Rings nicht“, erläutert Donald Pawellek, der Leiter der Außenstelle Gelsenkirchen des Weißen Rings.

Doch wer sind eigentlich die Opfer, denen die Hilfe des Weißen Rings zuteil werden kann? „Das reicht von Mobbing über Stalking und häusliche Gewalt, Sexualdelikte und Einbrüche bis hin zu Mord“, erklärt Pawellek. „Es geht uns um die Wahrnehmung der Rechte für die Opfer insgesamt. Ziel ist die Unterstützung der Betroffenen in ihrer oft psychisch belasteten Situation, die Hilfe bei der Wiedererlangung von normalen Lebensumständen.“
Die Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings ist ebenso weit gefächert wie die Möglichkeiten, zum Opfer zu werden. „Hierzu gehört die Begleitung bei möglichen Rechtsanwalts- und Gerichtsterminen, zur Trauma-Ambulanz und bei der eventuellen Suche nach einem Therapieplatz, immer aber der menschliche Beistand“, schildert der Gelsenkirchener.
All diese Aufgaben werden von Ehrenamtlern übernommen, die sich in den Dienst des Vereins stellen. Denn neben den Hauptamtlichen, die in der Bundesgeschäftsstelle und den Landesbüros die Verwaltung regeln, wird der Beistand für die Opfer durch ehrenamtlich tätige Bürger übernommen.
Und hier liegt das Problem: „Mit dem Anstieg der Delikte werden auch die Opferzahlen größer und es gibt mehr Bedarf an Helfern, um die Hilfe und Beratung auf mehr Schultern verteilen zu können“, weiß Donald Pawellek und hofft darum auf weitere am Ehrenamt Interessierte in Gelsenkirchen.
Dabei werden die Helfer aber nicht ins sprichwörtliche kalte Wasser geworfen, sondern sie werden geschult durch ein Grundseminar, das an einem Wochenende von Freitag bis Sonntag durchgeführt wird. Hier werden die Grundlagen für die Betreuung von Kriminalitätsopfern und die Bewältigung der weiteren Aufgabengebiete gelegt: Wie führe ich Gespräche mit einem Kriminalitätsopfer? Welche Hilfeleistung ist die richtige? Welche gesetzlichen Regelungen helfen Opfern? Ein wesentlicher Arbeitsgrundsatz für die Opferhelfer lautet, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
Nach den Grundlagen werden die Mitglieder später auch in einer Fortbildung geschult, diese beiden Seminare sind Pflicht für die Tätigkeit in dem Verein. Daneben gibt es aber ein großes Angebot an kostenlosen Seminaren, die die Ehrenamtlichen bei ihrer Tätigkeit unterstützen.
Im Weißen Ring tätig werden kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegt und über ein Fahrzeug verfügt, um die Opfer aufsuchen beziehungsweise begleiten zu können. Eine Aufwandsentschädigung sorgt für eine Kostenreduzierung etwa bei Autofahrten. Egal ob Berufstätige oder Rentner, je nach zeitlicher Verfügbarkeit und Opferaufkommen werden vom Außenstellenleiter die Fälle auf die Helfer übertragen.
Donald Pawellek selbst war als Elektriker im Bergbau tätig, aber schon im Tennisclub TG Erle und früher auch dem Schiffsmodellbauclub ehrenamtlich in Vereinen tätig. Über seine Eltern kam er mit einem Mitglied des Weißen Rings in Kontakt und entschloss sich im Jahr 2001, ebenfalls Opfern helfen zu wollen. Seit dem Jahr 2005 ist er Außenstellenleiter in Gelsenkirchen.
Als solcher widmet er rund eine Stunde pro Tag der Arbeit des Weißen Rings. „Ich habe extra zwei Telefone zu Hause, eins ist nur für den Weißen Ring, das andere ist für private Zwecke“, schildert der Gelsenkirchener, der eng mit dem Opferschutzbeauftragten der Gelsenkirchener Polizei, Jörg Wistuba, zusammen arbeitet.
„Er hat meistens den ersten Kontakt zu Opfern und fragt, ob sie Hilfe durch den Weißen Ring wünschen. Aber da auch meine wöchentliche Sprechstunde immer mittwochs von 9 bis 11 Uhr im Polizeipräsidium am Rathausplatz 4 im Raum 2006, das ist direkt neben der Kantine, stattfindet, sind die Wege für die Opfer oftmals sehr kurz“, weiß Pawellek.

Zahlen, Daten, Fakten zum Weißen Ring

Der Weiße Ring wurde am 24. September 1976 in Mainz als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“ gegründet und zählt aktuell rund 50.000 Mitglieder.
Die immaterielle Hilfe ist das wichtigste Element der Opferarbeit im Weißen Ring. Schon ein Telefongespräch, der Besuch am Krankenbett oder die Hilfe im Umgang mit Behörden können den Betroffenen wieder Mut und neue Hoffnung geben. Opfer einer Straftat sollen das Gefühl haben, nicht vergessen worden zu sein.
Zu den Hilfsmöglichkeiten zählen unter anderem menschlicher Beistand und persönliche Betreuung, Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht, Gewährung von Rechtsschutz sowie finanzielle Unterstützung von tatbedingten Notlagen.
Finanziert wird der Verein durch Mitgliedsbeiträge, Gerichtszuweisungen, testamentarische Verfügungen, Spenden und die Unterstützung durch viele Prominente aus dem Sport und dem Showbusiness.
In Gelsenkirchen erreichen Opfer wie am Ehrenamt Interessierte den Weißen Ring und somit Donald Pawellek immer mittwochs von 9 bis 11 Uhr im Raum 2006 des Polizeipräsidiums Buer, Rathausplatz 4, oder unter Telefon/Fax 82324.
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