Eine leuchtende Kette aus dem Drucker

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Im Hintergrund das 3D-Modell und im Vordergrund das fertige Produkt: Die Software CURA und der 3D-Drucker Ultimaker² machen es möglich. (Foto: Gerd Kaemper)
 
Der Ultimaker² kann kostenlos genutzt werden. (Foto: Gerd Kaemper)
 
Erstaunt war unsere Redaktionsassistentin allemal. (Foto: Gerd Kaemper)

Man werkelt bereits an Bioprintern, die organisches Material herstellen können, das ist nahe Zukunftsmusik. Was aber schon Realität ist, sind 3D-Drucker, die Dinge aus Materialien wie Plastik, Metall, Beton und ähnliches drucken können.

Was aber in der Zentralbibliothek im Bildungszentrum Gelsenkirchen steht, ist der Ultimaker², der aus Filament, also Plastik, verschiedenes drucken kann. So zum Beispiel auch eine Kette, die fluoresziert, das heißt im Dunkeln leuchtet. Dass es beim 3D-Drucken darum geht, selbst Hand anzulegen und auszuprobieren, was alles möglich ist, sieht man schon daran, dass man sich die Verkleidung des Ultimaker² selbst drucken muss. Wie zum Beispiel die Füße, auf denen das Gerät steht oder aber auch den Knopf vorne am Apparat, mit dem man zwischen den einzelnen Modellen hin- und herswitchen kann. Doch wie funktioniert so etwas eigentlich? Wie kann aus einem Drucker ein dreidimensionales Gebilde herauskommen?

„Zu Beginn muss man mit einem Programm das Modell erstellen, was man am Ende haben möchte. Dies könnte zum Beispiel die Klappe der Fernbedienung sein, die abhanden gekommen ist und nun die Batterien nicht mehr hält“, erklärt Bianca Herms vom Medienzentrum. Ist das Modell dann soweit fertig, wird es wahlweise auf einer SD-Karte gespeichert und vorne in den Drucker gesteckt, der dann das benannte Modell auf dem kleinen Display anzeigt; oder aber der PC wird via USB-Port an den Drucker angeschlossen. „Bei diesem Drucker gibt es vier Motoren, einer von ihnen drückt mit der Spitze das Filament nach vorne, sodass dann Schicht für Schicht bearbeitet wird. Die anderen drei Motoren sind für die Höhe und Tiefe zuständig“, so Henning Mismahl ebenfalls vom Medienzentrum. „Die Spitze kann dabei bis zu 230 Grad heiß werden“, so Mismahl weiter.

Das Erstellen eines Modells ist völlig kostenlos, Einführungen in das Bedienen des Geräts gibt es immer dienstags und freitags von 17 bis 18 Uhr in der Stadteilbibliothek. „Kostenlos ist es deswegen, weil die Materialkosten unglaublich gering sind. Es handelt sich hier lediglich um Centbeträge. Man braucht nur das Filament und Strom. Wir könnten also gar keine Preise für die jeweiligen Ausdrucke festlegen“, erklärt Henning Mismahl das Konzept. Der Drucker selbst habe um die 2300 Euro gekostet. Allerdings gibt es auch schon welche für 600 bis 700 Euro. Oder aber man baut sich den Drucker gleich selbst, denn auch dafür gibt es Bücher, mit denen man ohne Vorkenntnisse arbeiten kann. Das einzige, was man bräuchte, sei das jeweilige Material, wie zum Beispiel die Motoren, um ihn zum Laufen zu bringen und zusammenbauen zu können.

Genauigkeit ist das A und O


Um ein Modell dann erst einmal am PC zu erstellen, benötigt man eine spezielle Software, denn immerhin wird es in 3D erstellt. Das Bildungszentrum selbst nutzt CURA, die zum Ultimaker² mitgeliefert und auf diesen ausgerichtet ist. Allerdings gibt es auch kostenlose Softwares, wie zum Beispiel Sketch Up aus dem Hause Google. Das Modell wird dann als .stl-Datei gespeichert. 3D-Modelle gibt es zum Beispiel unter folgenden Websites: www.youmagine.com, www.stlfinder.com und weitere.

"Wir haben auch schon Köpfe gedruckt und kleine Figuren“, so Bianca Herms. Diese seien jedoch aufwändiger und dauern länger als eine Kette. Die wiederum braucht nur eine halbe Stunde, ehe sie fertig ist. Etwas Geschick und Genauigkeit ist jedoch von Nöten, wenn man etwas erstellt, was defekt ist. Wie eben die Klappe einer Fernbedienung. Der Drucker selbst ist bis auf 0,1 Millimeter genau. Jede größere Abweichung ließe darauf schließen, dass etwas mit dem Gerät nicht in Ordnung ist. „An sich sind die Drucker auch sehr anfällig für Störungen. Es gibt also durchaus noch Grenzen der Technik“, heißt es seitens Mismahl. „Dennoch kann man unglaublich vieles erstellen. Vorrangig sind es Prototypen und Ersatzteile. Man kann sich also einfach bei uns mit dem Modell melden, wir bearbeiten eine Anfrage pro Woche in der Regel. Wichtig ist uns, dass die Personen nicht einfach sagen, was sie gedruckt haben möchten, sondern dass wir gemeinsam an dem Konzept arbeiten.“

Henning Mismahl führt weiter aus: „Wir wollen auch ein Makerspace-Programm einführen, wo wir dann einen Raum zur Verfügung stellen, in dem sich Leute treffen können, um Do-it-yourself-Projekte zu verwirklichen.“ „Die Do-it-yourself-Bewegung ist in den letzten Jahren rasant angestiegen, so dass wir auch möchten, dass sich Personen melden und zum Beispiel sagen ‚Hey, ich kann gut stricken, ich möchte das anderen beibringen‘“, fügt Herms hinzu. Doch nicht nur Stricken soll zum baldigen Programm gehören, auch die Digitalisierung von Schallplatten und ähnliches. Ein Plattenspieler wird bald in der Bibliothek zu finden sein. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt. Das Ganze findet dann in Kooperation mit der VHS statt, die Einzelvorträge oder Seminare anbietet.
Doch zurück zum Drucker: Es gibt einige, die dem Trend nicht nur positiv entgegenschauen, denn es könnten dadurch Arbeitsplätze wegfallen. Mismahl sagt hierzu: „Die Bedenken kann ich verstehen, doch der Nutzen überwiegt das Negative und irgendwo werden dadurch ja auch wieder Arbeitsplätze geschaffen. Eigentlich verlagert sich das Ganze nur“, führt Herms weiter aus. Letztendlich kann man mit den Druckern wertvolle Kosten minimieren. So ist das Drucken von Kniegelenken, Prothesen und ähnlichem bereits ein erfolgreicher Zweig. In China wurde tatsächlich schon „House Building“ über einen Drucker erzeugt.
Und für manch einen hört sich vielleicht auch folgendes interessant an: In Zukunft sollen Lebensmittel gedruckt werden, um damit der massenhaften Schlachtung von Tieren entgegenzuwirken. Daran wird momentan noch gearbeitet, möglich ist aber bereits das Drucken von Schokolade. Darüber hinaus gibt es unlängst einige Foren, in denen Modelle getauscht, Fragen beantwortet und sich ausgetauscht wird. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass sich Menschen zusammenfinden, die ein und dasselbe Ziel haben: Etwas selbst zu erschaffen.
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