Christian Wetklo: „Bin mehr Spieler als Trainer“

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Ein Ball, drei Männer: Christian Wetklo (l.) beim Training mit seinen Konkurrenten Janik Schilder (m.) und Louis Hülsmann. (Foto: Gerd Kaemper)
 
Christian Wetklo ist spielender Torwarttrainer bei der U23 und damit zunächst „der neue Asa“. (Foto: Gerd Kaemper)
Gelsenkirchen: Stadtspiegel Gelsenkirchen |

Nach einem Jahr bei den Profis ist Christian Wetklo nun spielender Torwart-Trainer bei den Schalker Amateuren. Der 35-Jährige stand an den ersten zwei Spieltagen im Tor, muss im Training aber seine fast halb so alten Konkurrenten weiterentwickeln und stärker machen.

Seine Zukunft sieht Wetklo in der „Knappenschmiede“. Erst als Spieler, dann als Trainer.

Stadtspiegel: Sie gelten bei den Schalker Amateuren als „Der neue Asa“, Herr Wetklo. Freut Sie der Vergleich oder stört er Sie?
Christian Wetklo: ‚Asa‘ ist wie ich ein älterer Spieler und wir haben ähnliche Eigenschaften. Wir haben beide eine hohe Identifikation mit dem Verein und wir haben sowohl im Verein als auch bei den Fans eine hohe Anerkennung. Mit dem Vergleich habe ich gar keine Probleme.

Zuletzt hatten Sie zwei beziehungsweise sogar drei Torhüter vor sich. Jetzt haben Sie zwei sozusagen unter sich. Was ist das für ein Gefühl, die beiden 19-Jährigen Torhüter Janik Schilder und Louis Hülsmann zu trainieren?
In erster Linie macht es vor allem Spaß. Man kann beiden nur ein Kompliment aussprechen. Sie hören gut zu, sind sehr willig und sind auch richtig gut dabei. Das Einzige, was nicht einfach ist: Ich möchte die Jungs einerseits weiterbringen und muss dann auch mit ihnen viel reden und Fehler ansprechen. Andererseits bin ich aber auch ein Konkurrent für sie, wenn ich spiele. Diese Punkte sind nicht einfach.

Wie viel sind Sie daher nicht nur als Torwart, sondern auch als Psychologe gefragt? Teilen Sie beiden mit, wenn sie nicht spielen?
Nein, das entscheide ich nicht. Ich gehe nicht zum Trainer und sage ‚Die haben schlecht trainiert, ich war besser, stell mich rein‘. Der Trainer entscheidet das. Ich bin mehr Spieler als Torwart-Trainer. Wenn mal etwas mehr Zeit ist, dann kann ich das Torwart-Training auch leiten. Mit Mathias Schober, der regelmäßig dazustößt. Aber abgesehen davon ist es jetzt meine Aufgabe, Sachen anzusprechen, wenn ich sie sehe. Das habe ich vergangene Saison bei den Profis gemacht und das mache ich jetzt bei den Amateuren genauso. Ob es lobende oder kritische Worte sind. Wir wollen die Jungs verbessern. Das habe ich auch schon so in Mainz gemacht und ich gebe meine Erfahrung gerne weiter.

Der Saisonstart ist nicht gelungen und das, obwohl die vergangene Saison schon nicht gut lief und die nächste Spielzeit unbedingt besser werden sollte. Was passiert mit so jungen Spielern im Kopf, wenn das Erfolgserlebnis ausbleibt?
Ohne Siege ist es keine einfache Situation. Du brauchst das positive Gefühl, dann ist vieles einfacher und auch die Stimmung unter der Woche ist dann eine andere. Für uns zählt dann, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Wir dürfen nicht aufhören, an uns zu arbeiten und müssen gerade, wenn es nicht so gut läuft, die Ruhe bewahren. Die Mannschaft ist sehr jung, aber auch sehr talentiert. Nach unserem Umbruch mit vielen Zugängen aus der A-Jugend plus einigen Älteren muss sich erst noch alles finden. Vielleicht dauert das etwas länger.

Sprich, es droht wieder eine so durchwachsene Spielzeit wie die vergangene?
Ich bin davon überzeugt, dass wir in dieser Saison eine gute Rolle spielen werden. Das muss nicht unbedingt an Punkten oder einem Tabellenplatz festgemacht werden. Die jungen Spieler müssen einen Schritt weiterkommen und dazu zählen nun einmal auch negative Erlebnisse. Jeder muss diese Erfahrung machen, ob früher oder später. Wenn unsere Spieler diese Erfahrung schon jetzt machen, dann lernen sie nun einmal früher.

Im Gelsenkirchener Amateurfußball aufgewachsen, Schalke-Fan, Schalker Profi und nun spielender Torwart-Trainer bei den Amateuren. Was ist die Steigerung davon? Lösen Sie in fünf Jahren André Breitenreiter als Cheftrainer bei den Profis ab?
Das ist nicht möglich und auch nicht mein Ziel. Cheftrainer zu werden, kann ich mir schon vorstellen. Aber jetzt steht erst einmal der leichte Übergang vom Spieler zum Torwart-Trainer an. Ich muss dafür noch weiter lernen und mich weiterentwickeln.

Sie haben aktuell die B-Lizenz. Wann folgt der nächste Schritt?
Spätestens nächstes Jahr mache ich die Torwart-Lizenz, dann die Trainer-Lizenz und dann werden wir sehen, wo mein Weg in zwei Jahren hinführt. Man sollte niemals nie sagen, aber als Torwart ist es sehr schwierig, im Profi-Bereich ein Traineramt anzustreben. Was ich mir aber sehr gut vorstellen kann, ist später einmal im Nachwuchsleistungszentrum eine C-, B- oder A-Jugend zu trainieren.

Zu Beginn Ihrer Tätigkeit bei der U23 haben Sie angekündigt, Ratschläge und Tipps von Norbert Elgert einzuholen sowie Gespräche mit ihm zu führen. Ist es schon dazu gekommen?
Wir haben uns schon öfter ausgetauscht, aber nun lässt die Zeit es kaum noch zu. Dazu haben wir zu unterschiedliche Trainingszeiten und sind zu viel unterwegs. Und irgendwo hat man dann ja doch noch auch Familie zu Hause (lacht). In den Ferien habe ich schon einmal zum anderen Trainingsplatz herüber geschaut. Aber lange geht das nie.

Bei dem Anruf von Horst Heldt damals, als klar war, dass Sie einen Profi-Vertrag bekommen, haben Sie vor Freude gezittert. Wie gerne würden Sie noch einmal vor Freude zittern, weil der Manager Ihnen ein Abschiedsspiel anbietet?
Solche Gedanken sind gar kein Thema. Dafür bin ich zu kurz hier und will auch gar nicht in diese Richtung vorstoßen. Das würde auch gar nicht funktionieren. Es ist ja ein Unterschied, ob Asamoah oder andere Legenden solch ein Abschiedsspiel bekommen oder ich. Ich zähle da nicht zu. Das wäre sogar eher peinlich, wenn jemand so eine Idee von sich geben würde. Ich weiß mich schon einzuordnen und bleibe auf dem Boden der Tatsachen.

Aber beim Abschiedsspiel von Asamoah sind Sie auch dabei?
Ja, ich wurde auch eingeladen und werde bei seinem Abschiedsspiel dabei sein.
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 20.08.2015 | 10:55  
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