Im Klub der 100er: Neustädter ein echter Konkurrent für Höwedes!?

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Roman Neustädter (l.) absolvierte gegen Köln sein 100. Bundesliga-Spiel im Trikot des S04. (Foto: Gerd Kaemper)
 
Benedikt Höwedes (l.) spielte am vergangenen Donnerstag gegen Asteras Tripolis erstmals seit Mai wieder über 90 Minuten für den S04. (Foto: Gerd Kaemper)
Gelsenkirchen: FC Schalke 04 |

Roman Neustädter wurde von Köln am Sonntag dazu gezwungen, sich um den Spielaufbau des S04 zu kümmern. Mehr, als ihm vorher wahrscheinlich bewusst und lieb war.

Kölns Stürmer Anthony Modeste hatte neben dem Toreschießen vor allem einen Auftrag „auf Schalke“: Die Passwege von Joel Matip und Johannes Geis zuzustellen. Beide Schalker, insbesondere Letzterer, sind normalerweise dafür verantwortlich, das Spiel des S04 anzutreiben. Da beide aber mehr oder weniger vor allem wegen des sich clever bewegenden Modestes abgemeldet waren, blieb nur noch Neustädter als zentrale Figur übrig, die das Spiel hätte von hinten ankurbeln können. Diese Rolle liegt Neustädter aber nicht, der ansonsten in der Abwesenheit von Matija Nastasic und Benedikt Höwedes in den vergangenen Wochen einen sehr guten Innenverteidiger abgab, obwohl er ein gelernter Mittelfeldspieler ist.

Neustädter notgedrungen zum starken Innenverteidiger umgeschult

Neustädter allein die Schuld für ein unkreatives Schalker Spiel zu geben, wäre aber falsch. Trainer André Breitenreiter hätte eine andere Lösung finden müssen. Tat er aber nicht. In der 78. Minute wurde Neustädter ausgewechselt. Der 27-Jährige erwischte wie viele andere seiner Mitspieler keinen guten Tag. Um knapp 15 Minuten vor Schluss beim Stande von 0:1 noch einmal alles zu riskieren, wurde Neustädter zum Opfer für die letzte blau-weiße Trumpfkarte. Aufgrund der Spielstands wurde mit Pierre-Emile Hojbjerg natürlich ein Mittelfeldspieler eingewechselt. Einen Verteidiger für einen Verteidiger einzuwechseln, hätte in diesem Fall keinen Sinn gemacht. Dennoch wunderten sich viele Schalker, dass Höwedes erst in der 87. Spielminute eingewechselt worden war, als es nur noch um Schadensbegrenzung aus Sicht der Königsblauen ging. Zu dem Zeitpunkt führte Köln schließlich schon mit 0:3.

In der Bundesliga bisher nur Kurz-Einsätze für Höwedes

Höwedes hatte am vergangenen Donnerstag in der Europa League gegen Asteras Tripolis noch 90 Minuten gespielt. Es war der erste Startelfeinsatz von Schalkes Kapitän seit dem Heimspiel gegen den SC Paderborn am 16. Mai. In dem letzten Heimspiel der vergangenen Saison war der Weltmeister so schwer gefoult worden, dass er sich eine komplizierte Verletzung an seinem linken Sprunggelenk zuzog. Drei Monate fiel Höwedes verletzt aus, ehe er in den vergangenen Wochen in Stuttgart (eine), gegen Frankfurt (acht) und in Hamburg (eine) zu Kurzeinsätzen kam, um zum einen langsam wieder an das Team herangeführt zu werden. Zum anderen spielte Neustädter wie erwähnt einen mehr als soliden Ersatz-Innenverteidiger. Nicht wenige hatten nach dem Tripolis-Spiel gedacht, dass Höwedes nun den Platz von Neustädter endgültig wieder einnimmt und mit Matip das auch vor der Saison angedachte Innenverteidiger-Duo abgibt. Gegen Köln fand Höwedes sich aber auf der Ersatzbank wieder. Eine Überraschung? Mitnichten.

Das Sprunggelenk bereitet Höwedes noch Probleme

Nach dem Tripolis-Spiel lief der 27-Jährige alles andere als rund durch die Katakomben der Arena. Zudem war sein linkes Sprunggelenk mit einer dicken Eis-Bandage geschützt. Nach dem Duschen und dem Gang zu den Journalisten versuchte Höwedes normal zu laufen. Es war aber offensichtlich, dass das nicht möglich war. „Man hat immer Situationen im Spiel, die wehtun, wo man sich durchbeißen muss. Ich hoffe und denke, dass da nichts ist. Prophylaktisch packt man da Eis drauf. Es sind immer kleine Momente, die wie ein Schlag wirken. Ich mache mir erst einmal keine größeren Gedanken. Mal schauen, wie es sich die Tage entwickelt, wie mein Körper reagiert auf die Belastung. Ich mache mir aktuell nicht so die großen Gedanken. Es ist in der ersten Halbzeit passiert, die Situation kann ich nicht so genau sagen. Wäre es so schlimm gewesen, wäre ich raus gegangen. Aber ich konnte noch geradeaus laufen“, sagte Höwedes.

Nach der Länderspiel-Pause: Neustädter oder Höwedes?

Es reichte aber zumindest dafür, dass Trainer Breitenreiter gegen Köln wieder umstellte. Zum einen, weil er kein Risiko wegen einer erneuten Verletzung bei seinem Kapitän riskieren wollte. Zum anderen, weil Neustädter in den vergangenen Wochen einfach zu stark war. Höwedes selbst hatte vor Köln noch gesagt: „Ich merke das schon. Wer vier Monate ausgesetzt hat, steckt so ein Spiel natürlich anders weg. Ich war gut vorbereitet, habe hier und da Wehwehchen, muss schauen, wie mein Körper reagiert, aber ich will zurückkommen, dafür brauche ich Minuten – und dafür war das heute prädestiniert. Es war gut, dass ich immer mal wieder sporadisch zehn Minuten reingekommen bin, um mich heranzutasten. Ich bin guter Dinge, dass es so weitergeht.“ Gegen Köln wurden es nur fünf Minuten.

Neustädter nun mit 100 Bundesliga-Spielen für den S04

Die Mannschaft bekam zwei Tage frei, ehe am morgigen Mittwoch das Training wiederaufgenommen wird. Dann allerdings ohne Klaas-Jan Huntelaar, Max Meyer, Leon Goretzka, Leroy Sané, Pierre-Emile Hojbjerg, Sead Kolasinac und Kaan Ayhan, die alle bei ihren Nationalmannschaften weilen. Am 17. Oktober heißt in der Bundesliga der nächste Gegner Hertha BSC und spätestens dann muss sich Breitenreiter entscheiden: Wer verteidigt neben Joel Matip? Der Weltmeister und Kapitän Benedikt Höwedes? „Es ist beachtlich, wie sehr er sich in den Dienst der Mannschaft stellt und auf seine Gesundheit hört. Als Weltmeister könnte er Ansprüche stellen“, sagte Breitenreiter. Oder setzt er weiter auf den formstarken Neustädter? Der absolvierte gegen Köln sein 100. Schalke-Spiel in der Bundesliga.
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Karo Bauer aus Essen-Süd | 15.10.2015 | 19:43  
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