Glauben und glauben lassen: Gladbecker Autoren beziehen Stellung gegen Terror und Zensur

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Mit einer Erzählung im Sammelband "Du sollst nicht..." vertreten: Gladbecker Autor Marcus Watolla. (Foto: Robenek)
Gladbeck: Stadtgebiet | Was soll Satire? Was darf Satire? Eingedenk der jüngsten terroristischen Anschläge gewinnt die Rolle der Kunst im politischen und gesellschaftlichen Miteinander immer mehr Gewicht. Mit Harry Liedtke und Marcus Watolla haben sich jetzt auch zwei Gladbecker Autoren für Meinungsfreiheit und gegen Terror positioniert.

Der vom rheinländischen Autor Stephan Lehner herausgegebene Band „Du sollst nicht...oder lieber doch?“ enthält satirische Prosa verschiedener Literaten sowie Karikaturen, Comic-Strips, Zitate und Bildmontagen, die zum Teil aus dem Netz stammen. Der Ton ist bissig, der Humor zuweilen pechschwarz. „Aber keine Bange,“ verspricht Harry Liedtke, „die Texte sind nicht etwa antireligiös, sondern einfach kritisch. Jeder bekommt gleich viel ab.“ So feuert „Du sollst nicht...“ Gehässigkeiten in alle Richtungen.

In „Der Kongress der Götter“ von Liedtke steht noch Religiosität an sich auf dem Prüfstand, hingegen „Eine wahre Geschichte“ und „Filmansage“ vom Herausgeber richten sich deutlich gegen die vermeintlich über das Ziel hinaus schießende politische Korrektheit der Deutschen in Bezug auf Muslime in unserer Gesellschaft. In puncto mutmaßlicher Bevormundung dürfen natürlich auch Vegetarier und sonstige „Gutmenschen“ ungeschoren davonkommen, denen die Autorin Viola Eigenbrodt mit holprigen Formulierungen die Neigung zu „Zwergenaufständen“ attestiert. „Bei aller Provokation und Schärfe ist der Band aber als Versöhnung gedacht“, so Michael Liedtke. In einer abschließenden Erklärung der Autoren heißt es unisono: „Humor kann verbinden, wenn er nicht einseitig zu Lasten einer bestimmten Gruppe geht.“

Heterogener Sammelband


So finden sich im 35 Seiten schmalen Büchlein auch Texte, in denen die Figuren zum Glauben finden. Mit „Der Engel von der Geschlossenen“ stürmt Marcus Watolla zwar die Grenzen des Kitschigen, verleiht dem Band aber auch die beschworene versöhnliche Note. Auch „Glaubenskrise zur Unzeit“ von Harry Liedtke schlägt in die gleiche Kerbe von verlorenem und wieder gefundenem Glauben, so dass „Du sollst nicht...“ eine heterogene Mischung an Botschaften transportiert. Ähnlich gemischt stellt sich allerdings auch das sprachliche Niveau der Beiträge dar, so dass die Freude am Gelesenen mitunter leidet.

Immerhin: Alle Autoren verzichten auf ihr Honorar, so dass der Verkaufserlös Integrationsprojekten oder Hinterbliebenen von Terroropfern gespendet wird. „Du sollst nicht...“ ist im Eigenverlag „Phantastik-Buch“ erschienen und über den Buchhandel erhältlich, kann aber auch über www.amazon.de für 3,99 Euro bezogen werden.
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