Kampfpädagogen in Gladbeck: Kung-Fu-Leseprojekt für mehr Respekt

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Bevor der bekannte Rezitator Rainer Rudloff aus „Tigerkralle“ vorliest, zeigt Malte Guhr, dass er kein gewöhnlicher Pädagoge ist. Mit seinem Kung Fu begeistert der Hamburger seit acht Jahren Kinder in ganz Deutschland.
Gladbeck: Stadtbibliothek | „Die rechte Hand steht für Kraft, Gewalt und Macht.“ Malte Guhr ballt seine Rechte zur Faust und umfasst sie anschließend mit seiner linken Hand, sein Publikum hat er fest im Blick. „Die linke Hand hält die Faust zurück, mit diesem traditionellen Gruß erweise ich euch Respekt.“

Zehn Kinder erheben sich im Untergeschoss der Stadtbibliothek Gladbeck von ihren Stühlen, wiederholen die Geste und grüßen Malte Guhr, den Kung-Fu-Kämpfer aus Hamburg und dessen Partner, den Schauspieler und Vorleser Rainer Rudloff, die an diesem Tag zum „Kung-Fu-Projekt“ eingeladen haben. „Tigerkralle“ heißt das Buch von Jeff Stone, aus dem Rudloff heute rezitieren wird, doch zuvor hat das Duo noch eine action-geladene Lektion in Sachen Respekt parat, für die Rudloff in die Rolle eines Halbstarken von der Straße schlüpft: „Ey, ich mach dich gleich Messer“, ruft der Rowdie Guhr zu, der unbeeindruckt seine Kung-Fu-Übungen fortführt. „Ich kämpfe nicht mit dir“, entgegnet dieser ruhig. Wenige Augenblicke später liegt der Halbstarke mit dem Gesicht auf den Boden gedrückt. So lange, bis er versprochen hat, nie wieder ein Messer gegen andere zu richten. Respekt.

Leseförderung durch Kung Fu


Der Roman, aus dem Rudloff im Anschluss vorliest, handelt von fünf jungen Kampfmönchen, deren Kloster überfallen wird. Auch hier sind die zentralen Motive Gewaltverzicht und Achtung gegenüber anderen. „Das Projekt funktioniert sehr gut. Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen von Eltern, Schülern und Lehrern“, freut sich Malte Guhr, der gerade eine zusätzliche Ausbildung zum Erzieher absolviert. „Besonders Jungs, die sonst nicht viel lesen, können wir mit Kung Fu gut erreichen.“
Seit acht Jahren schon führen Rudloff und Guhr das „Kung-Fu-Projekt“ durch, besonders an Schulen. Die Mischung aus Mitmach-Sequenzen und Erzählung kommt bei den Jugendlichen gut an, begeistert sie für die chinesische Kampfkunst. Doch auch vom pädagogischen Konzept sind die Künstler überzeugt:

Große Anziehungskraft


„Kung Fu zieht einfach, da kommen mitunter auch 70 Kinder zur Vorstellung“, weiß Rainer Rudloff. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Daher sind wir auch dazu übergegangen, Malte als Kampfkünstler anzukündigen und seinen eigentlichen Beruf nicht so sehr in den Vordergrund zu stellen.“ Guhr ist nämlich ausgebildeter Tanzpädagoge.
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