Schüler-Schauspielprojektbeleuchtet Nazi-Zeit in Gladbeck

Anzeige
Den Titel "Gladbeck unterm Hakenkreuz. Nie wieder!" trägt das Schauspiel, das von Gladbecker Schülern im Rahmen eines bislang einzigartigen Projektes einstudiert wurde und am 26. sowie 28. Juni in der Aula des Ratsgymnasiums zur Aufführung gelangt. Foto: Kariger
Gladbeck: Stadtgebiet | Von Curth Moritz Voß

Gladbeck. „Geht in eure Zustände!“, leitet Schauspieler und Schauspieltrainer Marco Spohr eine Gruppe aus Schülerinnen und Schülern an, die intensiv eine Szene aus dem Theaterprojekt „Gladbeck unterm Hakenkreuz. Nie wieder!“ probten. Schließlich drängt die Zeit nun ein wenig, denn am Montag, 26. Juni, hat das Schauspielprojekt um 19 Uhr in der Aula des Ratsgymnasiums Premiere. Eine weitere Aufführung findet am Mittwoch den 28.06. statt. Der Eintritt ist frei.


Initiiert hat das Projekt Katrin Bürgel, Leiterin des Stadtarchivs Gladbeck. Sie möchte „Stadtgeschichte lebendig und erfahrbar machen.“ So sei es auch ihre Aufgabe, Schülerinnen und Schülern durch die Arbeit mit originalen Quellen einen neuen Zugang zur Geschichte zu verschaffen. Obwohl Bürgel zunächst den Ersten Weltkrieg inhaltlich in Erwägung zog, kristallisierte sich für sie schnell die Zeit des Zweiten Weltkriegs als Thema heraus. Der Nationalsozialismus ist nicht nur Teil der Gladbecker Stadtgeschichte, an den es mahnend immer wieder zu erinnern gilt. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation mit ihren rechtspopulistischen Strömungen und immer wieder aufkeimender Fremdenfeindlichkeit scheint das Thema aktueller denn je.

Bürgel versorgte Marco Spohr mit entsprechenden Informationen aus der Gladbecker Stadtgeschichte, sodass er ein Theaterstück über die machthabenden Personen in der Zeit bis 1945 schrieb, das aber genauso das Schicksal der Menschen schildert, die unter den Gräueltaten des Nationalsozialismus gelitten haben. In einer Mixtur aus Dokumentation und fiktiven Dialogen wird so unter anderem das Leben des Juden Bernhard Preminger geschildert aber auch die Figur Bernhard Hackenberg, ehemaliger Gladbecker Oberbürgermeister zur Nazizeit, zum Leben erweckt.

Schnell fand das Projekt von Katrin Bürgel und Marco Spohr an den Schulen und im Jugendrat Zuspruch und es konnte ein Schauspielensemble gefunden werden. Beteiligt sind die Ingeborg Drewitz-Gesamtschule, die Anne-Frank-Realschule, die Erich Kästner-Realschule, das Riesenergymnasium und das Ratsgymnasium als Kooperationspartner des Stadtarchivs. Insgesamt wirken 20 Schülerinnen und Schüler aus sieben unterschiedlichen Jahrgangsstufen mit und engagieren sich auf der Bühne, in der Requisite und in der Technik. Die pädagogische Betreuung übernahmen Maria Hoffrogge und David Filipowski. Beide sind Geschichtslehrer am Ratsgymnasium.

Geprobt wird seit März. Doch schon zuvor erarbeiteten sich die Jugendlichen einen Zugang zur Thematik, recherchierten unter Anleitung von Katrin Bürgel im Stadtarchiv, besuchten historisch relevante Orte und sprachen mit Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen.
Trotz der inhaltlichen Schwere des Stoffes zeigen sich die Schüler und Schülerinnen begeistert: „Wir wollen ein Zeichen setzen und zeigen, was damals Schreckliches in unserer Stadt geschehen ist. So etwas darf nie wieder passieren.“

Nicht nur der lokalgeschichtliche Bezug faszinierte die Schülerinnen und Schülern. „Interessant war für mich vor allem die historische Korrektheit der Szenen, die durch die Arbeit mit den Quellen entstand“, so Schülerin Lena (18), die in einer Doppelrolle einen Gestapo-Mann und den Lokalpolitiker Wilhelm Ojelnik spielt. Aaron (18), der in der Theaterdokumentation Bernhard Hackenberg verkörpert, möchte das Stück zum Anlass nehmen, in Zukunft Freunde vermehrt auf das Thema Nationalsozialismus und Fremdenfeindlichkeit aufmerksam zu machen. „Die Wahrheit bedarf immer differenzierter Ansätze“, resümierte der Schüler vom Riesenergymnasium.

Das Theaterensemble sucht als Requisite übrigens noch zwei schwarze Telefone mit Wählscheibe aus den 1930er Jahren sowie eine alte Schreibmaschine. Wer so etwas besitzt und zur Verfügung stellen möchte, kann sich unter folgender Nummer beim Stadtarchiv melden: Tel. 02043-992700
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.