Bombenfund in Gladbeck - Nachlese

Anzeige
Einsatzlagebesprechung zwischen Führungskräften von Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen auf dem Schulhof der Rosenhügelschule, wobei sich der Hof der Schule außerhalb der evakuierten Zone befand. Foto: Kariger
 
Der Bombenfund muss exakt lokalisiert werden. Dazu werden Sondierungsbohrungen erstellt, wobei jeweils durch Detektoren-Messungen der genaue Schachtaushub lokalisiert wird. Uwe Pawlowski zeigt hier einen sogenannten Sondierungs-Bohrplan. Foto: Kariger
 
März '45: Thumbnail-Foto über Luftaufnahmen der Alliierten, die als große Auflösungen käuflich erworben werden können und somit für die Lokalisierung von Bombenabwürfen leichter sind. Bild/Kreis: Elterlicher Standort unseres Bunkers an der Radrennbahn, der ebenfalls in nächster Nähe einen Bombenabwurf überstanden hatte. (Der soll nach seitlichem Treffer gefühlt etwas hochgesprungen sein)

Gladbeck: Bombenfund Horsterstr. Nachlese | Der "Bombenentschärfer" Uwe Pawlowski vom NRW Kampfmittel-Beseitigungsdienst, so die Bezeichnung, vor 6 Jahren von GE nach Gladbeck-Ellinghorst gezogen und vom Kampfmittel-Beseitigungsdienst Arnsberg (seine Hauptstelle ist in Hagen) im Einsatz gesteuert wird, ist alles andere als ein "Feuerwerker" und auch kein "Pyrotechniker", wie man erfahren konnte.

Vielmehr bildet ein Feuer- und Pyrotechniker eher die technische Grundvoraussetzung zur weiteren Ausbildung als Bombenentschärfer, so wie auch ein einschlägiges Studium (Chemie, Physik) der Einstieg dazu notwendig wäre.
"Feuerwerker" lernen also grundlegendes in Kinetik, Chemie und Physik und auch Grundlagen über die Anwendung von Metalldetektoren sowie der Munitionstechnik überhaupt, sind aber nicht mit dem "Bombenentschärfer" zu verwechseln.

Jeder Fehler der Entschärfung ist der letzte

Die Funktionsweisen verschiedener Zünderarten, vor allem auch der Umgang mit Explosivstoffen, müssen erlernt sein.
Mit einer entsprechenden Grundvoraussetzung kann man sich nach 2 weiteren Lehrgängen offiziell zum "Kampfmittelbeseitiger" ausbilden lassen und weil nach dem Gesetz so vorgeschrieben, als solcher dann auch benannt werden, wenn man, wie Uwe Pawlowski erklärt, im Munitionszerlegebetrieb Hünxe z. B. (auch Bundeswehr usw.) unter fachtechnischem Ausbildungspersonal in der Kampfmittelbeseitigung Technik, Praxis und vor allem Sicherheit gelernt hat.
So wäre der Weg, um anschließend Relikte aus 2 verg. Weltkriegen, die bei Bauarbeiten ab und an immer wieder entdeckt werden, unschädlich machen zu dürfen, sprich zu entschärfen.

Die letzte Bombe wird nie gefunden

Es klingt unglaublich, aber Bomben werden immer gefunden und nie restlos beseitigt. Alleine in Hamburg sollen sich noch tausende Blindgänger befinden. In der Recherche stößt man auf die Zahl 14.000, genug Arbeit noch in Zukunft, wichtige Funde vom Kampfmittel-Beseitigungsdienst zu entschärfen.

Sogar 2-Tonnen Bomben

wurden bereits gefunden und entschärft. Z. B. 1999 in Koblenz, eine gewaltige 2000 Kg-Bombe mit gesamt 3 Zündern versehen, konnte entschärft werden. Vier weitere Bomben mit mehr als 1.000 Kg. Gewicht wurden ebenfalls in vergangenen Jahren in Rheinland-Pfalz entschärft. In Ludwigshafen sollen 1997 sogar 26.000 Menschen evakuiert worden sein. Da hatte man einst ebenfalls eine Zwei-Tonnen-Bombe auf einem Feld neben einer Bundesstraße (Speyer), im Stadtteil Rheingönheim gelegen, entdeckt.

Sondierungsbohrungen

Um die genaue Lage der Kampfmittel zu bestimmen, sind erst einmal Luftbilder, welche von Aufklärern im Krieg hergestellt wurden, systematisch eine große Hilfe zur Unterstützung und Lokalisierung von Bombenabwürfen. Diese Luftbilder stammen aus Archiven der US Air Force und der Royal Air Force in England.
Wichtig sind dabei auch ziemlich letzte Luftaufnahmen gegen Kriegsende '45, denn gerade hier gäbe es einige Lücken, falls von einem Gebiet noch vor einem letzten Bombenabwurf Luftaufnahmen erstellt wurden.

Es folgt der Einsatz bestimmter Metall-Detektoren zur groben Lokalisierung aufgespürter Metallfunde im Boden. Eine genauer Schachtbau über der Fundstelle folgt aber erst nach bestimmten Sondierungsbohrungen, wobei die exakte Lage der Bombe sondiert, bzw. gemessen wird. Es werden um das vermutete Metall-Zentrum weitere Sondierungsbohrungen im Kreis durchgeführt, damit der Berge-Schacht, ... abgestützt durch breite Aluminiumringe zur Verhinderung von Erdeinbruch, ... ausgebaggert, bzw. gebaut werden kann. Aluminium deshalb, damit die Metall-Detektoren auf magnetische Metalle ansprechbar sind und keine falschen Werte liefern.

Bombenfund an der Horsterstr.

Eine Münsteraner Firma, die u. a. auf die Freilegung von Kampfmitteln spezialsiert ist, machte sich vor dem Haus Horsterstr. 353 am verg. Mittwoch zu schaffen und hatte mit Wassereinbruch in der Fundgrube durch eine Mergelschicht (dunkelgraue Wasserbrühe) zu kämpfen, wobei noch ein Bagger mit Spezialschaufel bis auf einen bestimmten Sicherheits-Abstand zum vermuteten Kampfmittel-Objekt in 5,50 mtr. Tiefe mit dem Aushub der Seitenwand-gesicherten Grube beschäftigt war.

Mergelschicht im Boden

So konnte man am verg. Mittwoch noch keine genauen Details über das vermutliche Kampfmittel verbreiten, weil Grundwasser und wegen der Mergelschicht im Boden laufend eine dunkelgraue Schlammbrühe in der Grube bildeten, die aus dem Schacht ständig abgepumpt wurde. Somit wurde die genaue Bestimmung des Kampfmittels erst auf den folgenden Do.-morgen verlegt, wobei sich dann der Fund der 5-Ztr. Fliegerbombe bestätigte, die den Gladbecker Bombenentschärfer Uwe Pawlowski, zuständig auch für Kampfmittelfunde in unseren Nachbarstädten, auf den Plan rief.

Aufatmen nach der Entschärfung

Nur wenige Minuten dauert das, bis ein gewöhnlicher Zünder ohne Probleme gesichert ist. Zum Zeitraum der Entwarnung zählt auch der Vorgang, bis die
entschärfte Bombe vom Bagger aus der Grube geborgen und auf den LKW zum Abtransport für den Munitionszerlegebetrieb Hünxe gesichert ist.
Uwe Pawlowski gab dann Entwarnung zur Einsatzleitstelle auf dem Hof der Rosenhügelschule, wo Ordnungsamt, Feuerwehr, Sanitäter, Polizei und weitere Kräfte bereits auf den erlösenden Anruf warteten.

Und noch jemand atmet auf

Grundsätzlich im Anschluss an die Behördenunterrichtung wird die Familie unmittelbar per Handy als zweites Gespräch über die geglückte Entschärfung informiert, damit auch hier aufgeatmet werden kann.

Gratulation & Glückwünsche sind angesagt.

Uwe Pawlowski ist immer Herr der Lage, ruhig, gelassen, treffsicher antwortend im Gespräch und er erklärt mir ausführlich seine Vorgehensweise und meine Fragen über die Technik der Entschärfung allgemein. Jede neue Bombenentschärfung, so sagt Pawlowski, ist nie ein schneller Routine-Fall, sondern muss aus Sicherheitsgründen immer mit Respekt, schon wegen einem möglichen Unglück, angegangen werden.

Wir Bürger können stolz sein, besonnene Fachleute ähnlich wie Uwe Pawlowski, unter uns zu haben, die uns von gefährlichen Relikten aus vergangenen Weltkriegen befreien, damit wir ruhiger schlafen können.

Fotos: Kariger
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.