Erinnerung an Auschwitz- 70. Jahrestag der KZ- Befreiung

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Der "Lila Winkel", das Zeichen, mit dem Jehovas Zeugen im Konzentrationslager stigmatisiert wurden
 
Abschrift der sogenannten "Verpflichtungserklärung". Nur Jehovas Zeugen hatten die Möglichkeit diese "Erklärung" zu unterschreiben, um sich der Folter und Ermordung zu entziehen
„Arbeit macht frei“ steht bis heute über dem Tor des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Das ist aber im völligen Gegensatz zu dem, was sich zwischen 1940 und 1945 hinter diesem Tor ereignete. Die Nationalsozialisten ermordeten dort über eine Million Menschen. Heute noch steht Auschwitz als das Symbol schlechthin für millionenfachen Mord und Verbrechen gegen die Menschheit in den NS-Konzentrationslagern.

Was vielleicht die wenigsten wissen: „Die Zeugen Jehovas waren bereits unter den ersten Polen, die mit den Transporten aus dem annektierten Gebiet Polens ins KL Auschwitz eintrafen“, schrieb die führende Historikerin Teresa Wontor-Cichy. Sie wurden von der SS als einzige religiöse Häftlingsgruppe durch einen gesonderten Winkel stigmatisiert: den lila Winkel. Sie waren auch die einzige Gruppe, die jederzeit hätte freikommen können – allerdings nur durch die Lossagung von ihrem Glauben. Doch kaum einer unterschrieb. Wontor-Cichy stellt fest: „Die Häftlingsgruppe verdient jedoch eine besondere Beachtung auf Grund ihrer moralischen Integrität, die sie trotz der Lagerverhältnisse bewahrte. Ihre Haltung resultierte aus religiösen Überzeugungen, die sich auf die Bibel stützten, und aus der Ablehnung jeder Gewalt.“
4 200 der 11 300 durch die Nationalsozialisten inhaftierten Zeugen Jehovas kamen in Konzentrationslager, 400 allein nach Auschwitz. 150 von ihnen starben dort. Insgesamt verloren im Dritten Reich ca. 1 500 Zeugen Jehovas ihr Leben, rund 370 durch Hinrichtung (größtenteils wegen Wehrdienstverweigerung).

Der Gladbecker Wilhelm Valentin Mannel trat ebenfalls mutig für seine religiöse Überzeugung ein. Wilhelm Mannel wurde am 10. September 1911 geboren und im Jahre 1934, nach einem eingehenden Studium der Bibel, so seine eigene Aussage, ein Zeuge Jehovas. Er wurde am 01. Mai 1941 zum Wehrdienst eingezogen und am 03. Mai 1941 inhaftiert, weil er dem Kompanieführer erklärte, dass er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, Waffen in die Hand zu nehmen.
Nach mehreren richterlichen Vernehmungen wurde Wilhelm Mannel wegen Kriegsdienstverweigerung zum Tode verurteilt und in das Zuchthaus Brandenburg überführt. Mehrfach wurde ihm angeboten seinem Glauben abzuschwören und eine "Verpflichtungserklärung" zu unterschreiben, um seine Ermordung zu verhindern und frei zu kommen. Am 25. Oktober 1941 wurde das Urteil vollstreckt: Das Fallbeil setzt seinem Leben ein Ende.

Wilhelm Mannel wohnte in der Horster Straße 180. Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein, ein mit einer beschrifteten Messingplatte versehener Stein, an den Zeugen Jehovas, der auch angesichts des Todes den Kriegsdienst verweigerte.


Der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährt sich in diesem Jahr zum 70. Mal. Bereits 1996 initiierte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar als nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Weltweit finden in vielen Ländern Gedenkveranstaltungen statt. Dabei gilt nach wie vor, was Roman Herzog 1996 sagte: „Deshalb geht es darum, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen. Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind.“
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