Flüchtlingsarbeit: Dietrich Bonhoeffer als Vorbild

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Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup - vor dem Bildnis von Dietrich Bonhoeffer - engagiert sich seit über 20 Jahren in der Flüchtlingsarbeit. (Foto: Braczko)
Gladbeck: Dietrich Bonhoeffer Haus | "Es mag sein, dass alles fällt, dass die Burgen dieser Welt, um sich her in Trümmer brechen..."So beginnt ein Gedicht, geschrieben von dem Theologen Dietrich Bonhoeffer, den die Nazi-Mörder kurz vor Kriegsende umbrachten. Bonhoeffer ist das Vorbild von Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, die sich seit mehr als zwanzig Jahren in der Gladbecker Flüchtlingsarbeit engagiert.

„Trümmer“ das ist auch das Stichwort für Syrien. Vier Jahre tobt bereits der Krieg in dem Land, 250.000 Einwohner sind bereits umgekommen.

Brutaler Krieg gegen das eigene Volk


Auf der einen Seite steht der Diktator Assad, der einen brutalen Krieg gegen sein eigenes Volk führt, auf der anderen Seite die Massenmörder des „Islamischen Staates (IS)“. Beide Gegner kennen nur Brutalität, die Zivilbevölkerung ist ihnen egal.
Weltweit sind 45.2 Millionen Schutzbedürftige auf der Flucht, meist mit ihren Familien. Sie suchen Schutz in demokratischen und sicheren Gebieten.

Deutschland steht neben Schweden und England auf der Liste der Länder, in die sie bevorzugt einreisen möchten. 10.000 Flüchtlinge erreichen täglich die deutschen Grenzen, 230.000 kamen allein im September. Keine einfache Aufgabe für Bund, Land, Stadt und Ortsteil.

Königsberger Schlüssel


580 Asylsuchen sind nach dem sogenannten Königsberger Schlüssel“ (berechnet nach der Einwohnerzahl) bereits zugewiesen und befinden sich im Asylverfahren.
Um diese Gruppe – in Gladbeck leben sie seit 2011 – kümmert sich intensiv die Pastorin und ihre Helfer. Zwei Unterkünfte stehen zur Verfügung, in Ellinghorst nahe der Stadtgrenze zu Bottrop und in Zweckel, dazu kommen Wohnungen der GWG und private Unterkünfte. Eine Sozialhilfe erhalten die Asylbewerber nach dem Leistungsgesetz. Das sind zehn Prozent pro Person unter dem Hartz-4-Satz, also ca. 350 Euro.

Gefährliche Flucht


Zuerst werden sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge registriert. Zusammen mit Dolmetschern versucht die Dortmunder Behörde zu ergründen, aus welchem Grund die oft gefährliche Flucht angetreten wurde.

Aber das betrifft nicht nur die arabischen Länder, auch Roma-Frauen erleben in EG-Ländern wie Bulgarien, Mazedonien und Rumanien Gewalterfahrungen (teilweise auch durch Polizeikräfte) und Diskriminierungen. Reile Hildebrandt organisiert Gutachten in der Muttersprache, hört sich die Berichte an, ausgesprochen von den oft traumatisierten Frauen.

Grundsätzlich besteht für alle Flüchtlinge ein dreimonatiges Arbeitsverbot. Bei der Arbeitsplatzwahl wird in einer sogenannten „Vorrangprüfung“ 15 Monate geprüft, ob ein Flüchtling oder ein deutscher Bürger die freigewordene Stelle erhält.

Strukturierter Alltag


Weiterhin engagiert sich Reile Hildebrandt für Deutschkurse, denn vom Land oder der Stadt bezahlte Deutschkurse existieren nur spärlich. Dazu die Pastorin: „Menschen, die hier leben wollen, brauchen einen strukturierten Alltag“.

Hilfen bekommt sie von ehrenamtlichen Lehrern und auch von Mitarbeitern aus sozialen Berufen. Im „Bonni“ laufen bereits zehn Kurse (auch in einer Kooperation mit der VHS) mit dem Ziel, die deutsche Sprache zu erlernen, denn die deutsche Sprache ist für sie „der Schlüssel für eine schnelle Integration!“ - so zeigen sich besonders Asylsuchende aus Eritrea – was die Theologin besonders freut – sehr lernwillig und haben damit eine gute Aussicht auf Anerkennung und eine Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt.

"Ehrenamtliche Handwerker"


Das Geld dafür kommt von der Gemeinde, dem Kirchenkreis und aus Spenden. Weitere Helfer unterstützen die Arbeit als „ehrenamtliche Handwerker“, sie fahren gespendete Möbel und andere Einrichtungsgegenstände mit dem Transporter zu den Wohnungen, renovieren sie, bauen sie auf und montieren.

Dazu gehört auch Ingo Heil, ein ehemaliger Maurermeister und Bauleiter. Den 75-jährigen hält die Flüchtlingsarbeit fit, seit drei Wochen pendelt er zwischen Bottrop und Gladbeck und zeigt, was er gelernt hat.

Dank der Flüchtlinge


Ein Lob an dieser Stelle auch an die Gladbecker, sie spenden gerne, Mitte Oktober ist der Kleiderladen im Bonni fertig, dann kann auch hier die Arbeit weiter gehen. Das große Fest mit den „Heisenbergern“ am vergangenen Samstag lief auch als Dankesbeweis der Flüchtlinge. Dazu Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup: „Sie nehmen nicht nur, sie geben auch!“

Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Sporthalle in Rentfort-Nord, dort unterstützen die Gladbecker Bürgerhelfer das DRK bei der Essensausgabe und planen auch hier intensive Deutschkurse.

Eine weitere Herausforderung steht an, denn auf dem Sportplatz neben der Halle soll eine Containerbleibe für 150 Asylsuchende entstehen.

Akzeptanz


Die Pastorin von der Christuskirche freut sich auch über die hohe Akzeptanz der Nachbarn in Rentfort! Zum Schluss ein weiteres Zitat von Dietrich Bonhoeffer: „Es mag sein, die Welt ist alt, Missetat und Missgestalt, sind in ihr gemeine Plagen!“

Dagegen anzukämpfen, das ist nicht nur ihr Ziel, die Kreissynode des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten möchte die Willkommenskultur auch in Taten umsetzen – da ist Gladbeck bisher vorbildlich. (Peter Braczko)
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