Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht an der Stele in Wittringen

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Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht an der Stele in Wittringen. Als Gastredner konnte der Leiter des Jüdischen Museums in Dorsten, Dr. Norbert Reichling begrüßt werden. Foto: Kariger

Gladbeck:Stele am Ehrenmal in Wittringen | Die alljährliche Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht fand jetzt wieder an der Stele in Nähe des Ehrenmals in Wittringen statt. Zahlreiche Gäste aus Politik und Stadtgesellschaft fanden sich zur Gedenkfeier ein. Als Redner nach der Eröffnungsansprache von Bürgermeister Ulrich Roland war der Leiter des Jüdischen Museums in Dorsten, Dr. Norbert Reichling zu Gast.

Nachdem der musikalische Eröffnungsbeitrag des Bläser-Ensembles der Musikschule Gladbeck unter der Ltg. von Rolf Hilgers vorgetragen wurde, begrüßte BM Ulrich Roland die Anwesenden am Rednerpult.

Roland erinnerte: Seit 26 Jahren treffen wir uns regelmäßig hier am 9. November zum Gedenken. Das Ereignis, an das wir uns immer erinnern sollten, geschah 1938 in der Nacht vom 9. auf den 10. November. Menschen wurden aus dem Schlaf gerissen, misshandelt und verhaftet, so Roland weiter. Die Synagogen unserer Jüdischen Mitbürger wurden verwüstet und angezündet. Auch an die in Gladbeck lebende Jüdische Familie Kaufmann erinnerte der Bürgermeister. Kaufmanns Familie wurde aus Deutschland ausgewiesen.

76 Jahre nach der Reichspogromnacht wären jetzt vergangen, so der BM im Verlauf seiner Rede, brauchen wir heute noch ein Gedenken nach so langer Zeit? Die Antwort war: "Das Vergessen wollen verlängert das Exil, dass Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. Wir in Gladbeck wollen uns erinnern, Historie im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, Historie aber auch, um die friedliche Zukunft unserer Stadt zu gestalten.
Freiheit gilt für Muslime, Juden, Christen und Andersgläubige, für Atheisten und für uns alle. Freiheit bedeutet nicht nur, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden kann, erklärte Ulrich Roland und weiter: Freiheit ist auch immer die Freiheit der anderen.

Wer Menschen tötet, tötet immer seinesgleichen.

Als Gastredner trat der Leiter des Jüdischen Museums in Dorsten, Dr. Norbert Reichling nun ans Rednerpult. 260 Synagogen wurden alleine in NRW zerstört, 30.000 Menschen wurden festgenommen, in Gefängnisse und Konzentrationslagern deportiert, zur Zwangsarbeit verpflichtet, über Nacht also aus einem halbwegs normalen bürgerlichen Leben gerissen, an den Rand des Wahnsinns gebracht oder in die Selbsttötung getrieben, erinnerte Dr. Reichling weiter. Es gab kein jüdisches Leben mehr, zitierte Dr. Reichling einen Zeitgenossen, es gab nur noch eine Schar verängstigter Menschen.
Planmäßige Erziehung zum Hass, listete Reichling u. a. als Ausgangspunkt für vergangenen Verbrechen auf. Wir haben geheißen, wie ihr geheißen habt und denkt dabei an die Opfer. Wir waren nicht nur wie ihr, wir waren ein Teil von Euch und als wichtige Ergänzung folgt von Dr. Reichling: Wer Menschen tötet, tötet immer seinesgleichen.

Im Anschluss an die Gedenkfeier konnten die Anwesenden einen weißen Stein und eine weiße Nelke in Gedenken an der Stele niederlegen.

Fotos: Kariger
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Elisabeth Jagusch aus Schermbeck | 10.11.2014 | 18:07  
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