33 Prozent mehr Geburten: Elterninitiative kämpft weiter um Wiedereröffnung der St. Barbara-Geburtshilfeabteilung

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Mit der Begründung, 500 Entbindungen pro Jahr würden keine wirtschaftliche Fortführung ermöglichen, wurde die Geburtshilfeabteilung im St. Barbara-Hospital im Dezember 2016 geschlossen. Die "Elterninitiative zur Rettung der Geburtshilfe in Gladbeck" geht inzwischen von 750 neuen Gladbecker Erdenbürgern in 2017 aus und sieht somit beste Chancen für den Erhaltung der Abteilung vor Ort. (Foto: Pixabay)
Gladbeck: St. Barbara-Hospital, Barbarastraße 1 |

Gladbeck. Die "Elterninitiative zur Rettung der Geburtshilfe in Gladbeck" schöpft neuen Mut und setzt sich nun wieder vehement für die Wiedereröffnung der Geburtshilfe-Abteilung im St. Barbara-Hospital ein.

Sicherlich sorgen dabei auch die vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen von den gekündigten Hebammen allesamt gewonnenen Prozesse für Optimismus. Hinzu kommt nach Angaben der Initiative nun aber auch die Information, wonach die neue Landesregierung in Düsseldorf die "Fehlerhaftigkeit des Krankenhausplanes" erkannt habe. Daher sei nun eine Änderung geplant, die nicht mehr den Wegfall von 18 Geburtshilfeplätzen für Gladbeck beinhalte, sondern vielmehr dem gestiegenen Bedarf Rechnung tragen solle. "Aktuell ist die KKEL eigentlich zur Aufrechterhaltung der Geburtshilfe verpflichtet, weil noch immer kein Feststellungsbescheid vorliegt, nach dem die Geburtshilfe im St. Barbara-Hospital entfällt," führt die Elterninitiative in einer Mitteilung an die Medien aus.

Durch die Wiederaufnahme ihrer Arbeit möchte die Elterninitiative nun erreichen, dass möglichst viele Träger öffentlicher Interessen und möglichst viele Bürger sich mit ihren eigenen Argumenten zur Aufrechterhaltung der Geburtshilfe im Barbara-Hospital an die Regierungspräsidentin und die Landesregierung wenden. Denn bei der Entscheidung der Regierungspräsidentin würden ausschließlich öffentliche Interessen insbesondere im Hinblick auf die Gewährleistung einer ordentlichen medizinischen Versorgung für gebärende Mütter zählen, schreibt die Elterninitiative. Und die Initiative hat ihren Worten bereits Taten folgen lassen, denn die Münsteraner Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat bereits entsprechende Post aus Gladbeck erhalten.

Die Elterninitiative fragt öffentlich, wo denn bitte die im Bundestagswahlkampf oft ins Gespräch gebrachte "soziale Gerechtigkeit" bleibe, wenn

* die Geburtshilfe in Gladbeck geschlossen bleibt, obwohl die Landesregierung schon erkannt hat, dass der zu Grund liegende Krankenhausplan mit dem Abbau von 18 Betten im Bereich der Geburtshilfe Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen falsch ist im Hinblick auf steigende Geburtszahlen, die bei der Festschreibung des Plans so nicht vorhersehbar waren.

* die Stadt Gladbeck 1,3 Millionen Euro pro Jahr in die Krankenhausumlage einzahlen muss, aber von der KKEL vor die vollendete Tatsache gestellt wird, dass in Gladbeck keine Geburten mehr möglich sein sollen.

* die Geburtshilfe im Barbara-Hospital schließen soll aufgrund des prognostizierten Rückgang auf unter 500 Geburten pro Jahr, obwohl aktuell bereits für das Jahr 2017 nach Feststellungen durch Bürgermeister Roland 750 Geburten von Gladbecker Bürgern zu erwarten sind, die nunmehr in die Nachbarstädte ausweichen müssen.

* sich nach Feststellungen des Bürgermeisters und zahlreicher Mitteilungen in sozialen Medien in den Nachbarstädten Warteschlangen vor den Geburtshilfestationen auftauchen und diese Kliniken völlig überlastet sind.

* die Krankenhausträgerin KKL sich zu 100 Prozent aus Steuer- und Kirchensteuermitteln finanzieren lässt, dann aber auf die Bedürfnisse der Gladbecker Bürger bei der medizinischen Versorgung von Schwangeren keine Rücksicht nimmt.

* die hierachisch gegliederte Kirche in Deutschland jährlich rund 20 Milliarden Euro an direkten und indirekten Zuwendungen einnimmt mit dem Versprechen, damit gute Werke im Sinne christlicher Nächstenliebe zu verwirklichen, dann aber der KKEL GmbH überhaupt keine finanzielle Beteiligung an den angeblichen Verlusten der Geburtshilfeabteilung zukommen lässt.

* die KKEL in der Satzung der Gesellschaft erklärt, keine wirtschaftlichen Zwecke zu verfolgen, sondern ausschließlich gemeinnüzige caritative Zwecke, dann aber diese gemeinnützige Tätigkeit dahin einschränkt, dass gemeinnützige Gesundheitsvorsorge für Schwangere nur erbracht werden kann, wenn sich damit Gewinne erzielen lassen.

* die Sorge werdender Mütter in den Wehen aufgrund der längeren Anreise das Krankenhaus nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, sich negativ auf den Geburtsverlauf und die Gesundheit des Kindes auswirken kann, die Entscheidungsträger der Gesundheitsversorgung aber die Versorgung mit Kliniken ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gewährleisten wollen.

* in anderen Gebieten wie in Erdingen Kreissäle wieder geöffnet werden, hier aber die KKEL und ihre kirchlichen Gesellschaft keine Anstalten machen, auf die steigenden Geburtenzahlen zu reagieren.

Die "Elterninitiative zur Rettung der Geburtshilfe in Gladbeck" hofft nun darauf, dass sich alle Gladbecker Parteien dem "Aufruf zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit" anschließend. Verbunden mit der Aufforderung, dass die Parteien mit der aktuellen Landesregierung, der zur Entscheidung befugten Regierungspräsidentin, den KKEL-Entscheidungsträgern und auch den in der hierarchisch organisierten Kirche übergeordneten Entscheidungsträgern in Verbindung treten.

"Nicht alle Menschen verfügen über einen Pkw," gibt die Elterninitiative zu bedenken. "Es kann unter dem Gebot sozialer Gerechtigkeit in einem wohlhabenden Land nicht sein, dass Gladbecker mit Bus und Bahn die Schwangerenvorsorge und Geburt in Nachbarstädte verlegen müssen!"
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