Ein Land kann nur durch sachorientierte Politik, Besonnenheit und Diplomatie geführt werden

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Umgeben von Demagogen, Populisten und Diktatoren sind wir in einer unruhigen Zeit, wo wir wieder für die Demokratie und die Wahrheit streiten müssen. Anfang 2016 habe ich in einem WAZ Interview gesagt, dass ich Stolz darauf bin, in diesem Land zu leben. Dieses Gefühl nimmt nicht ab, sondern eher zu. Ich verfolge nicht nur intensiv die sozialen und politischen Entwicklungen in Deutschland, sondern weltweit und besonders auch in meinem Herkunftsland Türkei. Von Freunden und Familienmitgliedern in der Türkei, die genauso kritisch die antidemokratischen Entwicklungen dort beobachten und erleiden und durch eigene Reisen weiß ich, wie Populismus und Machtgier ein Land in den Abgrund treiben können.

„Ich halte es innerlich nicht mehr aus, aber wo sollen wir mit unserer Familie, Kindern und Enkelkindern hin", schrieb mir die Tage ein 65jähriger Freund. Einer der aus der Türkei geflüchteten Akademiker besuchte vor einigen Tagen meinen Mann und mich und suchte nach Kontakten zu Universitäten. Frau und zwei Kinder sind in der Türkei. Seine Universität wurde unter staatliche Aufsicht gestellt, viele Akademiker entlassen.

Aus diesen Erfahrungen und Berichten heraus bin ich dankbar in Deutschland zu leben, wo ich frei atmen und reden kann, wo ich sogar die Politik, auch die regierende, kritisieren kann ohne Willkür, Schikane, Entlassung, Verhaftung und Sippenhaft für meine Familie fürchten zu müssen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Deutschland in den letzten Jahren ruhig und besonnen durch Finanzkrisen und Flüchtlingsaufkommen geführt. Dank dem Engagement vieler Millionen Menschen in zivilgesellschaftlichen Organisationen und Kommunen haben wir auch die Flüchtlinge weitestgehend ohne Probleme versorgt und werden diejenigen mit Bleibeperspektive nach und nach in unsere Gesellschaft integrieren.

Anfang 2017 war dem ZDF-Politbarometer zu vernehmen, dass 66 Prozent der Deutschen ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut empfinden. Gerade einmal 6 Prozent als schlecht. 28 Prozent teils/teils. Deutsche Unternehmen erwarten auch in diesem Jahr Rekordgeschäfte und weiteren Arbeitsplatzaufbau. Deutschland ist und bleibt Exportweltmeister. 2016 übertrafen die deutschen Ausfuhren die Einfuhren um 253 Milliarden Euro. Um die Entwicklungen in den USA unter Trump und die eventuellen Schäden für die Weltwirtschaft durch Abschottung und Alleingänge müssen wir uns Gedanken machen. Leider gibt es auch in Europa Kräfte, die einem Nationalstaat und Abschottung das Wort reden. Dass Menschen in ihren eigenen Ländern nicht mehr leben können; dass neben den korrupten und machtgeilen Führungen ihrer Länder wir ihnen zum Teil durch unsere Lebensweise oder Waffenlieferungen die Lebensgrundlage entziehen und sie ihr Land verlassen müssen, gehört leider zu den Schattenseiten der Globalisierung. Die Folge kann aber für uns nicht Nationalismus und Abgrenzung sein. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder auch betont, wir müssen auch die Ursachen bekämpfen. Wir alle, insbesondere die Jugend profitiert nämlich heute weltweit von dem Austausch von Bildung und Kultur. Es bereichert uns im In- und Ausland mit unterschiedlichen Menschen zusammenzukommen.

Ich jedenfalls brauche keine Politiker, die „we make USA great“ oder „make europe great again“ schreien und nur sich selber im Blick haben. Sie machen mir sogar Angst. Ein Land kann nicht durch Aktionismus, Populismus, Abschottung und Machtgier geführt werden, sondern durch sachorientierte Politik, Diplomatie und Besonnenheit.
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3 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 12.02.2017 | 00:06  
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Müzeyyen Dreessen aus Gladbeck | 13.02.2017 | 22:46  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.02.2017 | 23:12  
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