Eine Umweltzone ohne Wirkung

Anzeige
In der Diskussion über einen Ausbau der B224 zur A52 fällt auf, dass ein Aspekt immer wieder (bewusst?) vernachlässigt wird. Es ist nämlich bestenfalls von Lärm die Rede. Daneben werden immer nur Vorteile genannt. Also macht es Sinn, die Gründe für die Umweltzone Ruhrgebiet im Detail, aber trotzdem verständlich, aufzuzeigen.

Während jeder die grüne Plakette an der Scheibe kennt, weiss wahrscheinlich kaum einer, dass damit die Ziele einer adäquaten Luftqualität nicht zu erreichen sind. Ausschlaggebend war die EU, die eine erhebliche Belastung der Bevölkerung durch Stickoxide und Feinstaub kritisierte und Umweltzonen mit Luftreinhalteplänen erzwang. Diese Luftqualitätsrichtlinie sollte bewirken, die Bevölkerung durch eine Begrenzung der NOx- und Feinstaubwerte dauerhaft zu schützen (S.4)* „Die Behörden sind durch Gesetz verpflichtet, zum Gesundheitsschutz Massnahmen zu ergreifen“ (S. 163)* und das Übel direkt an der Wurzel zu packen. * Siehe unten.

Messungen und Berechnungen im Ruhrgebiet (auch in Gladbeck) beweisen, dass die Gesundheitsschäden durch Feinstaub und Stickoxide nicht nur gravierend sind, sondern Erkrankungen und sogar Lungenkrebs hervorrufen. Zitat „Auch ist eine Erhöhung der PM10 Konzentration mit einem Anstieg der Gesamtsterblichkeit … verbunden.“ Ferner „...kann Stickstoffoxid die menschliche Gesundheit nachhaltig schädigen (S.8/9). Die besonders hohen NOx Werte an der B224 hängen direkt mit dem Transitverkehr zusammen: (S.74) „ ... die wichtigste Ursache … der Strassenverkehr“. Es besteht auch ein „ ...direkter Zusammenhang zwischen Sterblichkeit und Wohnen im 50m Radius … und ... Störungen beim Lungenwachstum von Kindern“! Die Grafik auf S. 174 zeigt in bemerkenswerter Weise, dass NOx mit der Geschwindigkeit bei Diesel Autos zunimmt.

Damit dürften einige Märchen von der Gladbecker Politik, „es wird besser mit der A52“ aus der Welt geräumt sein. Die Verkehrsgutachten von strassen.nrw sagen aus, der LKW Verkehr verdoppelt sich mindestens nach dem Ausbau, bei höheren Geschwindigkeiten. Also führen der Ausbau zu mehr Schadstoffen und nicht zu besserer Luft! Und nochmals, es sind besonders Kinder, die darunter leiden.

Was ist also zu tun? Lösungen sind im Luftreinhalteplan genannt. Es reicht von besserem ÖPNV bis zu einem LKW Routenkonzept. Aber es bleibt eine Illusion, wenn man eine Autobahn baut und diese von den Lösungen ausnimmt. Aktionspläne auf kommunaler Ebene wären dringend nötig, laufen aber ins Leere, weil die B224 in der Hoheit von stassen.nrw ist. Auch das Plädoyer des Bürgerforums nennt weitere sinnvolle Ideen und macht sich bei allen Ministerien dafür stark, dass sich was zum Besseren ändert. Ein Anfang ist eine Messstation ab Früjahr 2016 auf Veranlassung des Bürgerforums. Macht das Sinn, neue Konzepte zu fordern? Eine Studie der Umweltministerin Hendricks (SPD) sagt ganz klar, 82% der Menschen wollen weniger Autos:

http://www.umweltbundesamt.de/presse/presseinforma...

Eine weitere Bestätigung liefert ausgerechnet Minister Groschek (SPD): „ ... die autoorientierte Verkehrsplaung der letzten Jahre hat Mobilität eher behindert .... !“ Wie wahr!

https://land.nrw/de/pressemitteilung/chefsache-mob...

Zur Zeit klagt die EU gegen den Bund in einem Vertragsverletzungsverfahren (siehe auch Studie: Feinstaub erhöht Infarktrisiko schon unterm Grenzwert) und die Deutsche Umwelthilfe gegen zahlreiche Städte wegen NICHTSTUN (man könnte auch Körperverletzung sagen). Vielleicht liegen die wahren Ursachen für eine einseitige Verkehrspolitik hier, es lohnt sich, diese Doku des wdr anzuschauen:

http://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/servicezeit/...

Feststeht, dass in Berlin nach einem gültigen Planfeststellungsbeschluss entschieden wird. Egal wo, jeder Verantwortliche muss anerkennen, dass Gesundheit das höchste Gut der Menschen ist und dafür kämpfen, dass alles Mögliche getan wird, dieses zu behalten. Sonst bleibt wirklich nur die Klage, so wie in Dortmund, wo Bürger einen Planfeststellungsbeschluss vor dem OVG Münster gekippt haben. Ohne Revision!

Übrigens: Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten.

Quelle: Luftreinhalteplan Ruhrgebiet Nord 2011 (Webseite Stadt Gladbeck)

Kurt Rohmert
Bürgerforum Gladbeck
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
10.421
Wolfgang Kill aus Gladbeck | 22.11.2015 | 10:04  
11
Ole Wagner aus Gladbeck | 22.11.2015 | 12:54  
10.421
Wolfgang Kill aus Gladbeck | 22.11.2015 | 14:17  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.