Einfluss der türkischen Politik stört das Zusammenleben, nicht Grup Yorum

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In einer ersten Erklärung am 6. Juni hatten sich mehrere Vertreter von Vereinen und Moscheen der Türkeistämmigen mit dem europaweit organisierten verlängerten Arm der Erdogan Regierung, der UETD, zusammen öffentlich gegen den Auftritt der Grup Yorum ausgesprochen. Es sei eine politische Provokation und der Versuch, die Gladbecker türkischstämmige Gemeinde zu spalten. Am 10. Juni fordert der Integrationsratsvorsitzende Bahtiyar Ünlütürk die Grup Yorum Mitglieder auf, ihre Kundgebung vor dem Rathaus einzustellen. Ein Auftritt der Gruppe fördere nicht das Zusammenleben in Gladbeck. In seiner Sitzung am 29. Juni hat der Integrationsrat nun eine Erklärung verabschiedet, worin es u.a. heißt, dass der Auftritt von Grup Yorum in Gladbeck bei den türkischen Mitbürgern zu „Irritationen geführt“ hat. Was für eine Eintracht, wenn es um eine Musikgruppe geht, die der Regierung in der Türkei Sand im Getriebe ist.

Wahlkampf für Erdogan spaltet die Türkeistämmigen und ihre Gemeinden


Mit keinem Wort wird erwähnt, dass die Türkeistämmigen und ihre Organisationen seit Jahren schon durch den Wahlkampf für Erdogan und seine AKP in diesen Vereinen gespalten werden: Minister und Abgeordnete, die durch diese Vereine tingeln und die Türkeistämmigen als Wahlvolk hofieren; Busse, die zur Demonstration gegen die Armenier-Resolution vor dem Bundestag oder zu den Wahlurnen gestartet werden; Wahlkampf für ein Regime in der Türkei, wo Akademiker drangsaliert und bedroht werden, ihren Job verlieren oder ins Gefängnis kommen, weil sie zu einer Friedenspolitik in den kurdischen Gebieten im Südosten der Türkei aufrufen; wo die Pressefreiheit eingeschränkt wird, Journalisten z. T. im Gefängnis sitzen, weil sie mit ihrer Feder die Missstände und die Willkür dieser Regierung anprangern; kritische Zeitungsredaktionen oder Unternehmen, die unter Zwangsverwaltung gestellt werden, um sie dann regierungsnahen Gesellschaften zu übergeben; Frauen, die als halbwertig bezeichnet werden, weil sie sich für den Beruf und nicht für Kinder entscheiden. Konzerte, Festivals und Kundgebungen, die verboten oder mit Wasserwerfern oder Gas aufgelöst werden, weil die Inhalte der Regierung nicht passen; Entscheidungen von Gerichten, die nicht respektiert werden; ein Staatspräsident, der ein Bluttest bei den türkeistämmigen Bundestagstabsabgeordneten fordert und sie als der lange Arm der terroristischen PKK bezeichnet, weil sie der Armenier-Resolution zugestimmt haben; bis hin zu einem Ratsmitglied türkischer Herkunft in Gladbeck, der ebenfalls in die gleiche Kerbe schlägt und auf seiner Facebook Seite diese Abgeordneten auf Übelste beleidigt und sich auch noch hinstellt und öffentlich bekundet, dass die große Mehrheit der türkischen Gemeinde ihn hier unterstützt.

Das sind Methoden von Erdogan und seiner Gefolgschaft dort wie hier, um Menschen zu diskreditieren und Mundtot zu machen, nach dem Motto, wenn man den Menschen nur genügend Angst einjagt, suchen sie Zuflucht in autoritärer Herrschaft. Nein, nicht Grup Yorum war und ist eine Gefahr für unser Zusammenleben, sondern der politische Einfluss aus der Türkei und der türkische Nationalismus.

Gegen Grup Yorum war man sich schnell einig, aber von den Beleidigungen des Herrn Metin haben sich die gleichen Vertreter bis heute nicht distanziert. Spricht er wirklich für sie alle, wenn er so beleidigt???


In Bezug auf Grup Yorum konnte man sich sehr schnell einig werden und mehrfach Erklärungen gegen sie kundtun, aber die gleichen Vertreter der türkischen Organisationen und des Integrationsrates sind anscheinend überhaupt nicht von den Beleidigungen des Herrn Mehmet Metin irritiert und haben sich bis heute nicht davon distanziert. Fragwürdig bleiben für mich daher die Rolle und das Demokratieverständnis dieser Vertreter, nicht der Türkeistämmigen insgesamt in Gladbeck. Fragwürdig auch das von ihnen geplante Ramazanfest vor dem Rathaus am kommenden Wochenende, zumal einer von diesen Vereinen immer noch mit ihren extremistischen Tendenzen im Verfassungsschutzbericht steht.

Wir sollten unsere Stadtfeste stärker interkulturell öffnen oder ein Fest der Kulturen feiern, das einen großen Teil der Menschen aus über 100 Ländern, die in unserer Stadt leben, einbezieht und insgesamt Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Mehrheitsbevölkerung stärker zusammenbringt. Es wäre für das Zusammenleben förderlich, wenn die Vereinsvertreter sich von dem Einfluss der türkischen Politik befreien und sich auf ihre religiösen, sozialen und kulturellen Aufgaben, wie es in ihren Satzungen steht, wieder besinnen würden, wie es in der Vergangenheit war. Ich war selbst über ein Jahrzehnt bei DITIB ehrenamtlich engagiert. Noch nie war der Einfluss der türkischen Politik hier so stark wie unter Erdogan.
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Wolfgang Kill aus Gladbeck | 06.07.2016 | 07:16  
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