Gladbeck: Giftige und krebserregende Stoffe in Zweckeler Brunnen nachgewiesen

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Gladbeck: INEOS Phenol |

Zweckel. Im April hatte die Kreisverwaltung die Anwohner im Umfeld des Werksgeländes der Ineos Phenol GmbH in Gladbeck gebeten, Hausbrunnen zu benennen und für Proben zur Verfügung zu stellen. 49 solcher Brunnen sind benannt worden. Davon konnten 44 im Mai und Juni beprobt werden. Nun liegen die Ergebnisse vor: Einige Brunnen sind so schwer belastet, dass sie nicht mehr gefahrlos nutzbar sind.

Sechs der untersuchten Brauchwasserbrunnen weisen eine erhöhte Belastung mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) auf. Bei zwei dieser Brunnen wurden leichte Anreicherungen mit PFT (perfluorierten Tensiden) nachgewiesen. Diese sechs Brunnen liegen nördlich der Frielinghausstraße.

LCKW werden in vielen Industriezweigen zur Entfettung von Metallen, zum Entfernen von Farbe, als Extraktionsmittel und zur Textilreinigung eingesetzt. Sie sind akut giftig, krebserregend und erbgutverändernd. Sie sind im Grundwasser praktisch nicht biologisch abbaubar.

PFT sind industriell hergestellte Verbindungen, die sich im Körper anreichern und krebserregend sind. Sie sind in der Natur nicht abbaubar, werden von Kläranlagen nicht beseitigt und belasten Gewässer und Lebewesen. Beim Menschen wurde PFT in verschiedenen Organen, im Blut und sogar in der Muttermilch nachgewiesen.


Hinweise auf eine Cumolbelastung wurden in keinem Brunnen ermittelt. Cumol ist der einzige der drei untersuchten Stoffe, der aktuell bei der INEOS Phenol GmbH eingesetzt wird.

"Den Eigentümern der sechs auffälligen Brunnen wurde empfohlen, das Wasser aus Vorsorgegründen nicht weiter zu nutzen, auch wenn für Brauchwasser keine Grenzwerte festgelegt sind. Dies ist den Eigentümern zusammen mit den Ergebnissen mitgeteilt worden", teilte Pressesprecherin Svenja Küchmeister vom Kreis Recklinghausen mit.

Weitere sechs beprobte Hauswasserbrunnen wiesen minimale Spuren an LHKW oder PFT auf. "Die Werte sind jedoch so gering, dass sie keinen Anlass geben, die Nutzung des Grundwassers als Brauchwasser einzuschränken", so Küchmeister.

Die Beprobung von ausgewählten Brunnen soll zu einem späteren Zeitpunkt (Herbst 2017) wiederholt werden, um die Ergebnisse abzusichern. Weiterhin ist beabsichtigt, weitere Grundwassermessstellen zu errichten, um unabhängig von privaten Brunnen das Ausmaß des Grundwasserschadens ermitteln zu können.

Hintergrund

Aufgrund neuer gesetzlicher Anforderungen wurden auf dem Betriebsgelände der INEOS PHENOL GmbH Boden- und Grundwasseruntersuchungen vorgenommen, bei denen Belastungen gefunden wurden, die zum Teil noch aus dem früheren Betrieb der IG Farben (vor und während des 2. Weltkrieges) stammen.

In der Folge sind entlang des Industriegeländes an der Frentroper Straße Grundwassermessstellen installiert worden. Die Ende des Jahres 2016 entnommenen Proben bestätigten die Verunreinigungen des Grundwassers mit Cumol, leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) und perfluorierten Tensiden (PFT).
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