Minijob im Alter: Gewerkschaft warnt vor Altersarmut

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Sich mit Minijobs etwas hinzuverdienen: Auch für viele Rentner im Kreis Recklinghausen gehört das zum Alltag. Ein alarmierender Zustand, findet Susanne Neumann von der IG BAU Emscher-Lippe-Aa. (Foto: Privat)
Gladbeck: Stadtgebiet | Wenn die Rente nicht reicht: Immer mehr Rentner im Kreis Recklinghausen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Das zumindest sind die Ergebnisse, zu denen die IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) in Anbetracht der neuesten Zahlen der Arbeitsagentur kommt.Rund 5.930 Menschen über 65 Jahre hätten demnach derzeit einen Minijob – das seien 76 Prozent mehr als noch vor zwölf Jahren. Die Gewerkschaft warnt jetzt vor einer Zunahme der Altersarmut.

„Ein Minijob ist für viele ältere Menschen im Kreis Recklinghausen die einzige Möglichkeit, um am Monatsende über die Runden zu kommen. Das darf aber nicht zum Normalfall werden“, sagt Susanne Neumann von der IG BAU Emscher-Lippe-Aa. Die Politik müsse dringend gegensteuern und für eine Rente sorgen, die zum Leben reiche. „Wie das gehen kann, zeigen Erfahrungen aus den Betrieben – vom Tariflohn bis zur betrieblichen Altersvorsorge“, so Neumann.

Für die IG BAU-Bezirksvorsitzende ist es zudem „höchste Zeit, die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente rückgängig zu machen.“ Man könne nicht hinnehmen, dass über 70-Jährige Treppenhäuser putzen oder sich als Gärtner etwas hinzuverdienen müssten, obwohl sie Jahrzehnte gearbeitet hätten, kritisiert die Gewerkschafterin: „Wer 3.000 Euro im Monat verdient, muss schon heute 26 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen, um später eine Rente an der Armutsgrenze zu bekommen – nämlich gerade einmal 760 Euro im Monat.“

Forderung nach betrieblicher Zusatzrente


Dabei gebe es längst bewährte Modelle. „In der Bauwirtschaft finanzieren Arbeitgeber und Beschäftigte seit Jahrzehnten eine betriebliche Zusatzrente. Auch wer durch Krankheit früher mit dem Beruf aufhören muss, ist dadurch abgesichert“, erklärt Neumann. Die Rente auf dem Bau sei ein Muster-Beispiel für die ganze Wirtschaft, so die IG BAU-Bezirkschefin. Denn die Zusatzrente gelte überall – im Großunternehmen genauso wie im Drei-Mann-Betrieb. Dafür habe die Gewerkschaft durch allgemeinverbindliche Tarifverträge gesorgt.

„Damit die Arbeitsplätze im Kreis Recklinghausen wirklich demografiesicher werden, brauchen wir mehr Bezahlung nach Tarif“, ist Neumann überzeugt. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde reiche für eine spätere Rente, von der man leben könne, nicht aus. Die IG BAU habe schon jetzt am Tarif-Tisch wesentlich höhere Branchenmindestlöhne vereinbart: unter anderem im Baugewerbe, im Dachdecker-, Gerüstbauer-, Maler- und Lackierer-Handwerk.
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