Unsere Demokratie und unsere Stadt werden ihn verkraften!

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  Jetzt hängen sie nicht nur in den Städten wie Köln, Duisburg oder Essen, wo viele Türkeistämmige leben, sondern auch bei uns in Gladbeck auf der Landstr. hängt ein Plakat der Getreuen der türkischen Regierungspolitik, der Allianz Deutscher Demokraten (AD-D).

Die AD-D wurde letztes Jahr nach der Armenienresolution des Bundestages durch den AKP nahen Unternehmer Remzi Aru aus Berlin gegründet und kandidiert jetzt nur aus NRW für den Bundestag. Man war der Meinung, dass es keine türkeistämmigen Mandatsträger in Deutschland gibt, die die Interessen der Türkeistämmigen und der Türkei vertreten, denn auch die türkeistämmigen Abgeordneten im Bundestag hatten für die Resolution gestimmt. Dass man in einer Demokratie nicht die Interessen einer Gruppe, sondern das Wohl der Gesellschaft insgesamt im Blick haben sollte, ohne jemand zu bevorzugen oder zu benachteiligen, scheint man nicht verinnerlicht zu haben.
Nur schade, dass sie auch diese Erfahrung nicht machen werden. Etwa 750 000 türkeistämmige Wahlberechtigte gibt es in ganz Deutschland. Man schätzt, dass knapp die Hälfte vielleicht zur Wahl geht. Auch wenn alle Aleviten, Kurden, andere regierungskritische oder nicht regierungskritische Türkeistämmige AD-D wählen würden, schafften sie nicht einmal 1 %. Zumal in den türkischen Medien auch zu lesen war, dass sich die meisten Türkeistämmigen nicht von Wahlaufrufen aus der Türkei beeinflussen lassen.

"Seid mit denen, die Freunde der Türkei sind. Gebt ihnen eure Stimme. Lasst uns sie stark machen", lassen sie auf dem Plakat Erdoğan für sich sprechen.
Es sind Zitate, die auch so von ihrem Herr und Führer gesagt worden sind. Die Türkeistämmigen sollten nicht CDU, SPD oder Grüne wählen, denn diese Parteien seien Türkeifeinde. Sie sollten Parteien ihre Stimme geben, die Türkeifreunde sind, seien sie noch so klein. Nur, wer ist den kein Türkeifeind mehr, der die regierende Politik kritisiert? Wohl gemerkt, die Politik, nicht das Land oder ihre Bevölkerung!!!

Unsere Demokratie wird auch diese Wahlplakate verkraften, aber diejenigen, die solche Plakate aufhängen sollten sich fragen, ob sie die Ausgrenzung und Chancenungleichheit, die sie angeblich in Deutschland erfahren und kritisieren mit einem Menschen lösen können, der in ihrem Herkunftsland hunderttausende entlassen, verhaftet, eingeschüchtert, mundtot gemacht oder zur Flucht getrieben hat. Weltweit sitzen die meisten Journalisten in der Türkei im Gefängnis. Oppositionspolitiker sind verhaftet. Die Akademikerdichte in den Gefängnisse ist inzwischen fast mehr als in den Universitäten des Landes. Minderheitenrechte werden beschnitten. Während unsere Plakat-Aufhänger hier in einem freien Land leben und freie Meinungsäußerung genießen, beschneiden sie mit ihrer Unterstützung dieser Politik den Menschen dort die Rechte.

Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte bei seiner letzten Rede, dass eine vitale Demokratie nicht daran zu erkennen sei, dass am Ende Mehrheiten entscheiden, sondern daran, dass auf dem Weg bis zur Entscheidung Minderheiten ihre Rechte wahrnehmen können. Diese werden in der Türkei leider mit den Füßen getreten.

Aber auch diese Zeit wird vorüber gehen. Türkei hat vieles überstanden. Nur schweigen dürfen wir nicht, denn so funktioniert Einschüchterung und Diktatur.
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Wolfgang Kill aus Gladbeck | 15.09.2017 | 08:14  
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