Spaß am Fahrrad

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Schrauben, warten und beraten, während seiner Ausbildung zum Zweiradmechatroniker geht Sören Beeker alle Stufen dieses Berufs durch.
 
Radfahren ist seine Leidenschaft. Sören Beeker fährt jeden Tag vom Bahnhof bis zur Arbeitsstätte mit dem Rad.

Das Bundesteilhabegesetz soll als behindertenpolitisches Vorhaben im kommenden Jahr verabschiedet und 2017 in Kraft treten. „Das Gesetz soll Menschen mit Behinderungen unter anderem mehr Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt eröffnen“, erklärt die Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks. Wie schon heute Inklusion am Arbeitsmarkt funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Sören Beeker.

Christian Schmithuysen

Der 21-Jährige aus Qualburg hat ein mehrjähriges Martyrium hinter sich. Wegen einer Nierenerkrankung musste er bereits in jungen Jahren regelmäßig zur Dialyse nach Essen. Letztendlich konnte ihm jedoch nur eine Nierentransplantation helfen. Seit drei Jahren trägt er das Organ seines Vaters in sich. „Ich muss jedoch weiterhin sehr starke Tabletten nehmen und schwer heben darf ich auch nicht“, erklärt der junge Mann seine 80-prozentige Schwerbehinderung. Das engte ihn bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle sehr ein. Beim Arbeitsamt riet man ihm deshalb zu einem Bürojob. „Aber das ist einfach nicht mein Ding“, sagt Sören Beeker. Er war froh, dass er nach unzählichen Bewerbungen bei Lörper Fahrrad die Chance zum Probearbeiten bekam. Geschäftsführer Carlo Lörper erkannte direkt, dass da jemand mit Leidenschaft bei der Sache war: „Es ist schwierig, Leute zu finden, die Lust haben und dran bleiben. Sören hat gleich positiv genervt und wollte von Anfang an, alles wissen.“ Seit dem Sommer wird der 21-Jährige nun in dem Gocher Unternehmen zum Zweiradmechatroniker ausgebildet.
Für Martina Tück vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit keine Selbstverständlichkeit: „Auf dem Ausbildungsmarkt ha­ben junge Leute mit Handicap oft das Nachsehen. An diesem Beispiel sieht man aber, worauf es ankommt. Neben dem Interesse am Beruf sollten Arbeitgeber und Bewerber zusammenpassen. Das hat mit Behinderung wenig zu tun.“
Für Carlo Lörper jedenfalls stimmt das Konzept und das nicht nur, weil es einen Ausbildungszuschuss vom Arbeitsamt gibt: „Es ist doch eigentlich ein Geben und Nehmen. Zwar darf Sören einige Arbeiten, wie das Entladen von LKW nicht ausüben. Dafür habe ich einen sehr engagierten Mitarbeiter.“ In gut drei Jahren sei dieser eine gut ausgebildete Fachkraft. Denn Zweiradmechatroniker habe mit dem „Fietsenflicker“ von früher wenig zu tun. Dank E-Bike habe auch der Computer längst Einzug in die Werkstätten gehalten.

Mit dem Rad zur Arbeit


Lob findet Lörper, der bereits vor einigen Jahren einen jungen Mann mit Behinderung ausgebildet hat, aber auch für die Betreuung im Vorfeld durch das Arbeitsamt. „Wir haben sehr viel korrespondiert. Und wenn ich Fragen habe, finde ich immer ein offenes Ohr.“ Sein Auszubildender, der jeden Tag mit dem Rennrad vom Bahnhof bis zur Arbeitsstätte kommt, hat jedenfalls seinen Traumjob gefunden: „Es macht mir riesigen Spaß und meine beiden Meister zeigen mir sehr viel. Denn je mehr ich sehe, desto mehr möchte ich lernen.“

Zahlen


 Aktuell suchen 659 Menschen mit Behinderung im Kreis Kleve einen Job.
 Ihr Anteil an allen Arbeitslosen beträgt 6,6 Prozent.
 2013 waren im Kreis durschnittlich 2.191 Schwerbehinderte in Beschäftigung.
 Im Kreis haben 52,4 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen eine abgeschlossene Berufsausbildung.
 Die Beschäftigungsquote der privaten Arbeitgeber im Kreis lag 2013 bei 3,6 Prozent (landesweit 4,6). Sie müsste bei 5 Prozent liegen.
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