Berufskolleg KLE Teilstandort Goch - Der Gutachter hat gesprochen – Wir müssen reden, denn die Politik ist am Zug!

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Goch: Gocher Wochenblatt |

Der durch den Schulträger beauftragte Experte Dr. Garbe trug am Dienstag im Kreisausschuss (Schul-/ Kulturausschuss) eine Zusammenfassung des Entwurfs seines Gutachtens zur Schulentwicklungsplanung Berufskollegs im Kreis Kleve vor.

Eine vollständige Online-Version des Gutachtens ist hier einsehbar: https://www.kreis-kleve.de/C1257CD6003229AE/html/6...$file/Entwurf%20SEP%20Berufskollegs_1.pdf

Der durch den Kreis vorgegebene Gutachterauftrag beschränkt sich dabei auf die obligatorisch aus dem NRW Schulgesetz vorgegebenen Untersuchungsgegenstände, einer perspektivischen Untersuchung der Entwicklung und Trends bei den Schülerzahlen, Zügigkeit und Schulstandorte,
 die mittelfristige Entwicklung des Schüleraufkommens inkl. dem Schulwahlverhalten der Erziehungsberechtigten und die daraus abzuleitenden Schülerzahlen nach Schulformen und Jahrgangsstufen sowie eine Analyse Schulraumsituation.
Zusätzlich hat der Kreis jedoch auch den Gutachter zu einer Standortuntersuchung beauftragt. Die eine Analyse der Raumsituation an den Standorten soll vorgenommen werden um zu prüfen, ob der Teil-Standort Goch - bei zurückgehenden Schülerzahlen - auch noch in den nächsten Jahren benötigt wird.
Die obligatorischen Teile befassen sich mit einer Gesamtbetrachtung beider Berufskollegs Kleve und Geldern ohne eine Differenzierung bzgl. des Teilstandortes Goch vorzunehmen.
Im Ergebnis ergibt sich hier eine Auflistung und Zusammenführung bereits bekannter Fakten und Trends auf der Grundlage bekannter Statistiken z.B. hinsichtlich demografischer Entwicklungen und daraus ableitbarer rückläufiger Schülerzahlen und bestehender anderer Rahmenbedingungen.
Im standortbezogenen Teil des Gutachtens lautet die Grundaussage des Gutachters mit Blick auf die „qualitative Optimierung“ (Szenario 2) : ..... empfielt der Gutachter der Politik/dem Schulträger aus schulfachlicher, schulorganisatorischer und ökonomischer Sicht, den Teilstandort Goch beginnend 2019/20 aufzugeben.
Welche Bedeutung hat dieses Gutachten, wie ist es zu bewerten?
Grundsätzlich wird ein Gutachter hinzugezogen, wenn eigene Kapazitäten oder Expertise für eine umfängliche Untersuchung eines komplexen Sachverhaltes nicht zur Verfügung stehen. Ein Gutachter wird auch beauftragt, wenn es darum geht, Fakten, spezielle Fragestellungen und Daten zur Untermauerung einer ANSTEHENDEN zukunftsweisende Entscheidung zu untersuchen. Zu beachten ist immer, dass stets der Auftraggeber lenkt und bestimmt, in welche Zielrichtung die Untersuchungen im Gutachten gehen sollen.
Bei Betrachtung des jetzt vorliegenden Gutachtens ist festzustellen, dass zum Zeitpunkt der Beauftragung bereits eine standortbezogene Untersuchung hinsichtlich der Aufgabe des Teilstandortes Goch durch den Kreis angelegt war.
Es ergeben sich Fragen:
1. Warum wurde die standortbezogene Untersuchung nicht bereits zum Zeitpunkt der Gutachterbeauftragung transparent gemacht?
2. Warum eine Beschränkung bei der standortbezogenen Untersuchung auf rein schulfachliche und schulorganisatorische Aspekte?
3. Warum wird in der Handlungsempfehlung durch den Gutachter auch auf ökonomische Aspekte eingegangen, ohne dass sie im Gutachten m.E. hinreichend untersucht wurden? Die Aussagen des Gutachters in dieser Passage der Handlungsempfehlung sind wohl eher geeignet einer „Schmackhaftmachung“ seiner Handlungsempfehlung zu dienen. Inhaltlich sind sie jedenfalls zu generell und unspezifisch, um einer haushalterischen bzw. Kosten/Nutzenanalyse Stand zu halten.
4. Wie hoch sind die tatsächlichen am Berufskolleg in Kleve notwendigen infrastrukturellen Investitionskosten, welche die notwendige Quantität/Qualität der Ausbildung herstellen und sichern soll wenn der Teilstandort Goch aufgegeben wird?
5. Auf welcher Grundlage wurden Geldern 36 Mio. Euro in eine offensichtlich überdimensionierte Infrastruktur investiert, für die zum Zeitpunkt der Investition ein Bedarf wohl eher nicht nachgewiesen war, bzw. die sich wohl nur für den Fall einer Aufgabe des Teilstandortes Goch rechnet?
6. Welche Kosten kommen auf die Schüler und Betriebe in diesem Zusammenhang (Aufgabe Teilstandort Goch) zu?
7. Wie ist die Gesamtbilanz hinsichtlich der Verlagerung von „öffentlichen“ Kosten/Einsparungen und in den Bereich der Schüler/Lehrer und Betriebe „ausgelagerten“ Kosten/Einsparungen?
8. War der Schulträger/die Kreisverwaltung nicht in der Lage, die in diesem Gutachten zusammengeführten öffentlich zugänglichen Quellen selbst auszuwerten und in einen Schulentwicklungsplan zu überführen?
9. Warum kein Szenario unter Einbeziehung des zentral im Kreis gelegenen Teilstandortes Goch?
10. Warum ohne Not eine funktionierende Schullandschaft - auch vor dem Hintergrund der bezogen auf Goch eher geringfügig sinkenden Schülerzahlen - unter Inkaufnahme von im vorliegenden Gutachten jedenfalls noch nicht erfassten und untersuchten Risiken aufmischen? Warum auch deshalb keine Untersuchung eines dritten Szenarios unter Einbeziehung des Teilstandortes Goch?
11. Warum überhaupt eine standortbezogene Untersuchung in einem Gutachten beauftragen, dass sich ausschließlich mit der schulorganisatorischen/-fachlichen Binnensicht beschäftigt und den für eine qualifizierte standortbezogene Untersuchung den notwendigen größeren Kontext vermissen lässt?
.....
Ich möchte in meiner vorläufigen Bewertung des Gutachtens festhalten, dass der Gutachter das geliefert hat, für das er beauftragt war. Seine Qualifikation und Eignung ist auch vor dem Hintergrund der in diversen anderen ähnlich gelagerten Gutachten vorausgesagten, jedoch so nicht eingetroffenen Prognosen, nicht zu beanstanden. Dieser Umstand sollte jedoch den Auftraggeber und die jetzt beratende Politik stets daran erinnern, dass Prognosen und Gutachter nicht immer richtig liegen.
Kritik muss am bisherigen Vorgehen vom Auftraggeber erlaubt sein. Er hat eigentlich ohne Not und über eine längere Zeit fehlende Transparenz in dieser Angelegenheit betrieben und eine angemessene und umfassendere Untersuchung gerade im standortbezogenen Teil des Gutachtens nicht beauftragt bzw. forciert.
Aus meiner Sicht bleiben deshalb die der fehlenden Transparenz geschuldeten Mutmaßungen, dass es sich hier um ein Gutachten handelt, welches einen bereits vorher beschlossenen Weg nachträglich bestätigen soll, weiterhin bestehen. Die Politik sollte in der jetzt stattfindenden Befassung bedenken, dass dieses Gutachten geeignet ist, die obligatorischen Aspekte der Schulentwicklungsplanung der Berufskollegs aus schulfachlicher und –organisatorischer Sicht zu begleiten. Hinsichtlich der Heranziehung als Begründung oder als Verweis für eine Entscheidung hinsichtlich des Teilstandortes Goch, ist dieses Gutachten m.E. jedoch unzureichend beauftragt und nicht geeignet.
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