Die Qual der (Bürgermeister) Wahl - die Zweite - Wahlkampf im Kontext von Rahmenbedingungen

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Goch: Gocher Wochenblatt |

Dies dürfte ein interessanter personenbezogener Wahlkampf der Kandidaten um das Bürgermeisteramt werden. Es wird wohl auch auf die tragenden Grundthemen angekommen, die den wahlkampftypischen Attributen - Höher - Weiter - Besser - Schneller - Sicherer - Nachhaltiger - Transparenter - Wirtschaftlicher - Bürgernäher usw. - zugeordnet werden.

Der anstehende Bürgermeister-Wahlkampf findet zwar in unserem Biotop Goch statt, doch ist er im Kontext einer gesamtgesellschaftlichen Realität einzuordnen, die uns da draußen täglich eine Welt präsentiert, mit der wir untrennbar vernetzt sind und uns dadurch ständig mit positiven und vor allem nicht zu knapp, mit negativen Informationen und Eindrücken versorgt. Viel ist dabei mundgerecht aufbereitet und suggeriert oft auch je nach Interessenlage eine vorgefertigte Meinung.

In Zeiten, in denen der Dax täglich Höchstwerte verzeichnet, in denen der private Konsum beworben wird und das Wachstum boomt,
In Zeiten in denen wir es uns aber auch systemimmanent leisten, dass es Investment- und Aktienbanker mühelos gelingt Billionen von Werten an den Börsen innerhalb kürzester Zeit ungestraft zu vernichten - ohne die dahinter stehenden Werte erarbeitet zu haben und für diese Verluste gerade stehen zu müssen,
In Zeiten, in denen sich viele auf das tägliche Hamsterrad einlassen und sich in ihrem Lebensentwurf täglich zur Decke strecken, um das erreichte oder angestrebte imaginäre Wohlstandsniveau mit den dafür notwendigen zwei Einkommen zu halten,
In Zeiten, in denen der neidvolle Blick im Kampf um den Platz an der Sonne zunehmend das eigene Ego-Handeln steuert und immer weniger der anteilnehmende Blick auf eine sich zunehmend polarisierende und gespaltene Gemeinschaft gerichtet ist,
In Zeiten, in denen sich gesichtslose Politiker mit Wohlstandsversprechen, Steuersenkungsdebatten, inhalts- und aussagelosen offizielle (Arbeitslosen- u.a.) Statistiken noch immer versuchen Wählerstimmen zu bewerben,
In Zeiten, in denen man uns immer noch glauben machen möchte, die Errungenschaften der Agenda 2010 seien positiv, trotzdem sich u.a. hierdurch das Rentenniveau jährlich bis 2030 auf fast 40% verringert,
In Zeiten, in denen dann dem Hartz IV Betroffenen, den Aufstockern, geringfügig Beschäftigten und vom Mindestlohn Betroffenen (die damit auch nur geringfügig über dem Existenzminimum ankommen) abverlangt wird, von diesem Minimum auch noch selbst für die Altersvorsorge vorzusorgen,
In Zeiten, in denen immer mehr Menschen zur Tafel gehen müssen, um ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln erwerben zu können,
In Zeiten, in denen die hässliche und menschenverachtende Fratze rechter Parolen schleichend immer unvoreingenommener und unwidersprochener Einzug findet in den täglichen Diskurs und
In denen Unterkünfte von Flüchtlingen wieder mal brennen, in denen Menschen die - wenn sie es überhaupt schaffen - aus Krieg, Gewalt und Not zu uns kommen und von einer christlich geprägten Gesellschaft eigentlich erwarten, das wir ihnen Schutz und mit ihnen etwas von unserem Reichtum teilen, vielerorts abgewiesen und nicht willkommen geheißen werden,

In diesen Zeiten bin ich gespannt, wie zukünftig - nicht nur in Goch - , die Wähler durch die politisch Verantwortlichen aktiviert und in die Lage versetzt werden, ihre Wahl überhaupt und damit auch in Goch für einen neuen Bürgermeister zu treffen.

Wird für Goch dabei auch klar und transparent werden, welchen Einfluss und welchen Spielraum ein Bürgermeister im Zusammenspiel von Verwaltung und Rat ausüben und ausfüllen kann? Wie ist die Erwartungshaltung hierzu?
Wird es wieder mal einen überwiegend rückwärts gerichteten Wahlkampf mit den üblichen pauschalen politischen Stereotypen von Anfeindungen und Schuldzuweisungen geben?
Wird es ein Wahlkampf geben, bei der man sich um Vermeidung unpopulärer Wahrheiten drückt?
Oder -
Wird es ein Wahlkampf sein, der den Bürgern einen Ablaufpunkt und eine Perspektive anhand von Angeboten und Rezepten für ein zukünftiges verwaltungsbezogenes und politisches Handeln aufzeigt?

Platte Aussagen wie, „es muss sich was ändern und zwar egal was“. „Alles ist besser, als das was gegenwärtig vorhanden ist“ sind niveau- und einfallslos und eigentlich das Rezept für einen Weg vom Regen direkt in die Traufe.

Veränderungen sollten sich stets an konkreten Themen, Vorstellungen und Lösungsansätzen messen lassen. Ankündigungspolitik und populistische Versprechungen sind dabei eben so wenig zielführend.

Die politisch Handelnden in unserer Kommune haben wieder ein Chance, persönliche Animositäten zurückzustellen und in einen konstruktiven Wettkampf um den besseren Weg und die beste Lösung für Alle einzusteigen.

Und ja, dieser Wahlkampf wird sich auf alle zur Verfügung stehenden Medien und Möglichkeiten erstrecken, mit denen die jeweiligen Vorstellungen transportiert werden können.

Wir als Wähler sollten uns darauf einstellen und einlassen. Die Zeiten haben sich geändert und sind immer mehr auch auf einen netzbezogenen Austausch von Argumenten über Facebook, WhatsApp und WebBlogs ausgelegt.

Aber vielleicht bin ich da doch noch zu altbacken, denn ich glaube, die direkte Ansprache von Gesicht zu Gesicht und ein gepflegter Diskurs mit einem realen Gegenüber sind für mich jedenfalls immer noch die interessanteste Art des AUSTAUSCHS von Ansichten.

Dennoch gilt sich - wo auch immer - selbst zu informieren und zu hinterfragen, vor allem aber dann auch Wählen gehen - denn Nicht-Wählen ist immer noch uncool.
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1 Kommentar
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Willi Heuvens aus Kalkar | 03.05.2015 | 14:30  
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