Griechenland - es gibt wohl keine einfachen Lösungen - aber es gibt einige Lösungen die vielleicht einfach möglich sind!

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Goch: Gocher Wochenblatt |

Im Verlaufe der Entwicklung in und um Griechenland bin ich zunehmend nachdenklich geworden und möchte versuchen meine Nachdenklichkeit jenseits jeglicher Ideologie und Emotionen hier auszudrücken.

Ich habe es in meinem Leben schätzen gelernt, wie sich Europa entwickelt hat, dass wir Grenzen überschreiten können ohne Probleme, dass wir mit einer Währung in Europa bezahlen können, dass wir den Nachbarn und Freunden in Europa überall in Deutschland und nicht nur in ihren Heimatländern begegnen können. Ich habe in internationalen Organisationen mit Vertretern vieler unterschiedlicher Nationen zusammengearbeitet. Viele Freundschaften haben sich aus diesen Begegnungen entwickelt.
ich habe viele Urlaube und auch geschäftliche Aufenthalte im Ausland gehabt und hatte dort nie das Gefühle diskriminiert oder abgewiesen zu werden. Auf der Ebene "Mensch zu Mensch" hat die Kommunikation immer dazu geführt, unterschiedliche kulturelle Ansätze zu verstehen und sich gegenseitig zu respektieren.

Die Idee der europäischen Partnerschaft und des Zusammenschlusses der Nationen in Europa funktioniert auf der Ebenen der direkten Begegnungen und der Freizügigkeit von Mensch zu Mensch hervorragend. ich war mehrfach in Griechenland und habe die Gastfreundschaft und die Freundlichkeit der Menschen auch abseits der normalen Touristenrouten wohlwollend geniessen können.

Viele - und hier beziehe ich mich durchaus ein - die sich derzeit berufen fühlen, die Griechenlandkrise in den Medien zu verfolgen und mit Patentrezepten aus der Froschperspektive zu kommentieren, tun dies oft durch eine gewisse Pauschalisierung und dies geht oft einher mit einer Polarisierung. Eine vermehrte Besinnung auf Differenzierung würde der Sache insgesamt glaube ich ganz gut tun.

Mir ist bewusst, dass ich mit meinem Ansatz durchaus eine naive Sicht der Dinge beschreibe, aber vielleicht wäre es wert ganz persönlich einen einfachen Ansatz zu versuchen und der Prämisse zu folgen, dass in unserer christlichen Kultur mehr die Nächstenliebe und weniger Egoismus und die Neiddebatte angesagt sind.
Hilfe im Sinne christlich praktizierter Nächstenliebe ist eine Hilfe die bedingungslos gegeben werden sollte. Sie fragt nicht zunächst warum und wieso eine Notsituation entstanden ist.
Dies halte ich i.Ü. auch denjenigen entgegen, die jetzt vielleicht sagen, die Griechen hätten mit dem Referendum ihre selbst verschuldete Notsituation doch bestätigt und sie sollen jetzt auch sehen, wie sie da selbst raus kommen.

Wir sollten uns vor Augen halten, dass sehr viele „normale“ Menschen in Griechenland unverschuldete Opfer in Not sind, sie sind dabei nicht nur Opfer ihrer eigenen Regierung(en), die sie benutzt und in die Irre geführt haben. Sie sind auch Opfer internationaler Institutionen und von Geldgebern und ihren Kreditverfahren und -mechanismen, denen sie systemimmanent ausgeliefert sind ohne sie kontrollieren können und von denen bis heute nur Generationen von korrupten Politikern und Geschäftemachern im eigenen Land wirklich profitiert haben.
Seien wir ehrlich zu uns, der normale Bürger in Griechenland war auch gezwungen Teil der täglichen Korruption und Schwarzwirtschaft zu sein, weil es letztlich in einem Staat ohne funktionierenden Verwaltung und Organisation keine Alternative gibt als mit den Wölfen zu heulen, um das tägliches Auskommen sicherzustellen.

Dies nachhaltig zu ändern ist keine Aufgabe von Tagen und und Wochen, hierzu benötigt es einen starken Impuls und viele Jahre Konsequenz und Durchhaltevermögen.

Die Griechen sind auch unsere Nachbarn in Europa, sie sind Demokraten und sie gehören zum europäischen Kulturkreis. Ein Europa ohne Griechenland kann und will ich mir auch deshalb nicht vorstellen.
Deshalb wäre mein Appell an unsere Politiker den griechischen Menschen die Hand zu reichen und ihnen unbesehen aller politischen Geplänkel und Gesichtswahrungsspielchen, die Zeit zu verschaffen die es braucht, Änderungen in den Köpfen herbeizuführen.

Es gibt in Griechenland genug Organisationen und Initiativen die bereits jetzt tätig sein müssen, um die existentielle Not von Menschen zu lindern. Die kann man mit Hilfen direkt und unbürokratisch unterstützen.
Fördern wir dies z.B. auch dadurch, weiterhin Reisen in dieses wundervolle Land zu unternehmen, um die direkte Kontakte in die Bevölkerung weiterhin zu behalten.

Mein Vorschlag wäre es auch, sich in den sozialen Medien zu mässigen und den komplexen Sachverhalt vielleicht aus einer mehr differenzierten und ganzheitlichen zu Ende gedachten Sicht zu begleiten. Die kann und sollte jedoch aus gutem Grund an die Adresse der Politik gerichtet durchaus auch weiterhin kritisch konstruktiv erfolgen.

Es ist hier nicht meine Absicht den Welthunger zu beseitigen und mir ist bewusst, dass es leider überall auf diesem Planenten genug Not und Elend gibt, dem man sich zuwenden kann. Wie Vieles im Leben gilt es jedoch bei der Hilfestellung den ersten Schritt zu machen, egal wo und egal für welchen Bereich in Not. Der erste Schritt ist meist der schwierigste. Diese Hilfe kann für die Menschen in Griechenland sein oder aber auch z.B. für die vielen Menschen, die in Not ihre Heimat verlassen müssen und zu uns kommen.

Der Blick nach Griechenland darf dabei den kritischen Blick ins eigene Land nicht verstellen. Überlassen wir auch in unserem eigenen Land das Feld der Definition moralischer Werte nicht den widerwärtigen Brandstiftern, die fast täglich in verabscheuungs-würdigen Taten, Worten und Sprache Fremdenhass schüren und dabei nur ihre eigene grenzenlose Dummheit zu Schau stellen.

Einen möglichen Vorwurf der Naivität lasse ich mir dabei gerne machen und halte ich gerne aus. Ich hoffe dieser Beitrag wird richtig, als Anregung zum Nachdenken und Handeln verstanden.
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1 Kommentar
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Willi Heuvens aus Kalkar | 18.07.2015 | 17:19  
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