Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl im Kino - Alle einig: Parkregelung bleibt, nur leichte Änderung

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    Goch: Goli-Kino |

Der Wahlkampf in der Niersstadt Goch geht in die heiße Phase. Die drei Kandidaten hatten sich zwar bereits in Stellung gebracht, aber am Donnerstag Abend stellten sie sich erstmals gemeinsam den Bürgern in einer Podiumsdiskussion im Gocher Goli-Kino. Haben viele Wähler vorher geglaubt, dass es knapp werden könnte, so behielten sie nach dem Abend tatsächlich recht.

Von Franz geib

Schon lange vor dem Einlass um 19 Uhr bildete sich am Kino-Eingang an der Brückenstraße eine große Schlange der Wartenden.
Alle drei Kandidaten, Bettina Trenckmann (SPD), Ulrich Knickrehm (BFG) und Heinz van Baal (CDU) hatten offenbar ihre Lager erfolgreich mobilisiert. Und es gab nicht wenige, die unverrichterter Dinge wieder von dannen ziehen mussten, denn bei 200 Gästen schlossen sich die Türen. Wer keine Karte vorab bestellt hatte, hatte Pech.

Vorspann von "Verstehen Sie die Beliers?"


Drinnen waren die Wände natürlich mit den Plakaten der drei Bewerber drapiert worden, wobei die Größe (das der BFG mit Ulrich Knickrehm überragte die beiden anderen um das Doppelte) wahrscheinlich rein zufällig variierte.
Ebenso wie die Szenerie, die sich bis zum Beginn in einem Filmvorspann abspielte, als das Goli-Kino Ausschnitte aus seinem nächsten Film „Verstehen Sie die Béliers?“ zeigte: Der gehörlose Vater von Paula, die einzige der Familie die nicht taubstumm ist und Gesang studieren will, hat sich entschlossen, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Auf dem Markt fragt der Amtsinhaber Paula: „Glaubst du wirklich, die Leute würden einen Gehörlosen wählen?“ Ihre Antwort: „Warum nicht? Sie haben ja auch einen Idioten gewählt!“

Alle in der Kommunalpolitik zuhause

Dass es sich bei den Bewerbern keineswegs um für das Amt Unfähige handelt, sondern um eloquente und fachlich versierte Kandidaten handelte, zeigte sich spätetens bei der von Moderator Prof. Dr. Dr. Jakob Lempp eingeleiteten Vorstellungsrunde. Alle drei sind seit langem in der Kommunalpolitik zuhause, alle drei haben gelernt, Verwaltungen unterschiedlicher Art zu führen.
Lediglich in ihren Motiven das Amt des Bürgermeisters nach dem 13. September bekleiden zu wollen, unterschieden sich die Aspiranten. Bettina Trenckmann setzt aufs Kommunikative: „Ich will es mit dem Bürger hinkriegen, dass ein gutes Zusammenleben entsteht.“
Ulrich Knickrehm hat ganz klar die Finanzlage der Stadt Goch im Sinn: „„Wichtig ist es, dass wir es schaffen, die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt Goch zu erhalten.“ Und Heinz van Baal griff auf sein Wahl-Leitmotiv zurück: „Ich will mit allen ins Gespräch kommen, und ich glaube, wir haben nach wie vor eine hohe Lebensqualität in Goch.“ Nach diesem verbalen Vorgeplänkel ging es ans Eingemachte, oder genauer an den Themenkatalog, den Prof. Lempp im Voraus aufstellte: a) Die Rolle des Bürgermeisters, b) Finanzen, c) Menschen von Goch und d) Wo ist die Stadt in 2020?
Heinz van Baal durfte als Erster ran. Es sei eine Mischung aus vielem, meinte der Kesseler CDU-Kandidat: „Der Bürgermeister muss nicht nur die Menschen einer Stadt im Blick haben, sondern auch die Betriebe. Er muss Vorbild sein, Bürgernähe praktizieren.“

Bürgermeister ist nicht da, um die Linie der Partei zu vertreten

Für Ulrich Knickrehm (BFG) war da noch mehr: „Der Bürgermeister ist Repräsentant nach außen und innen. Anhören, entscheiden und nicht nur die guten Entscheidungen den Bürger mitteilen.“
Bettina Trenckmann: „Es sind sehr viele richtige Sachen, doch eine Sache fehlt. Der Bürgermeister muss mit allen Parteien und Gruppen zusammenarbeiten. Ich wäre beim Thema Parkgebühren vorher ins Kastell gegangen.“
Doch Prof. Jakob Lempp hakte nach, wollte wissen, welche Rolle der BM habe im Verhältnis zur Partei. Hier waren sich alle einig: Der künftige Verwaltungs- und Ratschef sei nicht dazu da, die Linie der Partei zu vertreten.

An die Schulden rangehen

Das Thema Finanzen hielt was viele erwartet hatten, einen echten Schlagabtausch, der allerdings nie ins Persönliche abdriftete. Diesmal durfte Ulrich Knickrehm als erster ran und er zeigte sich entsprechend vorbereitet. 115 Millionen Schulden, 21,5 Millionen Kassenkredite (vergleichbar mit dem Dispo!), dem 3, 7 Millionen Investitionskosten gegenüber stünden, rechnete der BFG-Fraktionschef dem Publikum vor: „Da müssen wir dringend ran!“
Bettina Trenckmann gab demgegenüber zu bedenken, dass die hohe Ausgaben unbestritten sind, doch: „Das Rathaus, um ein Beispiel zu nennen, wird von den Bürger sehr gut angenommen.“ Und Heinz van Baal stellte klar, dass die Stadt Goch vor Überraschungen, siehe wegbrechende Gewerbesteuereinnahmen, nicht gefeit sei: „So etwas kann kein Bürgermeister, keine Verwaltung voraussehen.“
Doch damit gab sich der Moderator nicht zufrieden, die Kandidaten sollten doch bitte schön erläutern, wo sie ansetzen wollen, sprich wie sollten Einnahmen generiert, Schulden abgebaut werden.

Jugendarbeit strukturieren

Ulrich Knickrehm. „Wir sollten die Konzernstrukturen überprüfen, danach fragen, wo viel ausgegeben wird und wo nichts geleistet wird“, und meinte damit die Gocher Stadtentwicklungsgesellschaft Go!. Chauffeurdienste ändern, Controlling verbessern, Jugendarbeit struktuieren, alles Felder, die summasummarum ein Plus erbringen könnten. Heinz van Baal mochte sich nicht sofort darauf festlegen, Stellen zu streichen, Gesellschaften abzubauen: „In diesem Jahr ist ein Anstieg bei den Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten. Und in der Verwaltung kann man darüber reden, ob wegfallende Personal-Stellen (Ruhestand) wieder neu besetzt werden müssten: „Man kann alles prüfen.“ Bettina Trenckmann sah in einer verfehlten Planungspolitik eines der Finanz-Übel und nannte ihr Beispiel Astra. „Statt das Jugendzentrum teuer zu entkernen und teuer zum Kindergarten aufzubauen, hätte man ein paar Meter weiter einen prima Kindergarten mit einem Investor errichten können. Kostenlos! Das war ein echtes Führungsproblem!“ Für Ulrich Knickrehm ein Punkt einzuhaken: „Das was hier mit den Kindergärten passiert ist, war eine Katastrophe.“
Auch Heinz van Baal schrieb die Jugendarbeit auf seine Agenda, aber: „Bei Jugendlichen können wir nicht weiter sparen, das ist Prävention im wahrsten Sinne!“

Mehr Vertrauen in die Politik

Zur Schlussfrage durften die drei Kandidaten in knapper Plasberg-Form ihre persönliche Sicht von sich geben. Ulrich Knickrehm: „Ich hoffe, dass Goch in 2020 ein gesunder und wesentlicher Wirtschaftsfaktor sein wird.“
Bettina Trenckmann: „Ich wünsche mir, dass die Bürger wieder mehr Vertrauen in die Politik haben und die Anwohner vor der Tür parken können.“ Heinz van Baal: „Nach einem positiven Haushalt soll Goch in fünf Jahren nach wie vor eine lebens- und liebenswürdige Stadt sein.“

Parkregelung für Anwohner bleibt

Im zweiten Teil des Abends folgte eine kurze Fragerunde, in der die Kandidaten sechs Fragen der Bürger beantworten sollten, unter anderem die nach der Parkregelung für Anwohner. Hier konnte keiner der drei den Betroffenen allzu großen Hoffnungen machen. Die Regelung (175 Euro pro Jahr) werde in der Form bestehen bleiben, allenfalls über die Höhe könne man reden. Einig war man sich, dass man das Thema besser hätte kommunizieren können.
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