Was ist los rund um das Karl-Leistner Klinikum und Wilhelm Anton Hospital?

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Goch: Gocher Wochenblatt |

Trotz des Fokus auf den anstehenden Bürgermeisterwahlkampf in Goch, sollten und dürfen andere aktuelle Entwicklungen in unserem kommunalen Umfeld nicht untergehen.



Die mediale Berichterstattung um die Situation des Katholischen-Karl Leisner-Klinikums (RP v. 25.04.2015), sensibilisiert mich wieder, an Szenarien zu erinnern, die z.B. durch die ProWAH Initiative im Jahre 2012 aufgezeigt wurden.
Je mehr Informationen ich derzeit hierzu erhalte, um so mehr verdichtet sich bei mir wieder ein altes Bild eines strategischen Planes um die Kliniklandschaft im Kreis Kleve und am Niederrhein, die wir von ProWAH schon vor drei Jahren gezeichnet haben.

Der viel bejubelte „politische“ Kompromiss, der in 2012 nach massiven Protesten der Gocher Bürger (wir erinnern uns an die eindruckvolle Bürgerbewegung und Menschenkette in Goch) zu einer konditionierten Bestandsgarantie für das WAH geführt hatte - war wohl letztlich doch nur ein erzwungener Kompromiss auf Zeit - der nun langsam aber sicher ablaufen wird.

Wie komme ich darauf?
Halten wir uns vor Augen, was seit der konditionierten Bestandsgarantie des Wilhelm Anton Hospitals aus dem Jahre 2012 geschehen ist:
- Die Zentralisierung medizinischer Abteilungen in Kleve hat sich manifestiert.
- Rechtliche Hürden, die eine geplante weitere Entwicklung letztlich behinderten, wurden letztlich korrigiert. So wurden insbesondere die Hindernisse des Stiftungsrechtes „entschärft" und stehen nun den wirtschaftlichen und investiven Planungen nicht mehr im Wege
- Die Investitionen von ca. 3 Mio in das WAH Goch stehen immerhin 35 Mio Investition in Kleve gegenüber. 16 Millionen Euro dieser 35-Mio Investition in Kleve sind bereits verbaut. Fertig sein sollen die Baumaßnahmen in Kleve in 2017.
- Die Kapazitäten des Gocher Hauses der Karl-Leistner Kliniken sind (nach der Zentralisierung) mit den medizinischen Anforderungen aus der dort befindlichen Gastroenterologie und der Endoskopieabteilung (i.e. Auslastung von nur 2 der 3 Ops) nach wie vor nicht ausgelastet. Wohlgemerkt, dies liegt nicht am WAH Goch, sondern ist die Folge der durch die Klinikleitung gewollten Entscheidungen zur Zentralisierung medizinischer Abteilungen im St. Anton Hospital in Kleve.

Was ist nun von den aktuellen Verlautbarungen, die wir heute in der RP v. 25.04.2015 gelesen habe, zu halten?
Zur fehlenden Auslastung der OPs im WAH wird der Pressesprecher der Karl-Leistner Kliniken wie folgt zitiert:
"Aktuell werden im Wilhelm-Anton-Hospital zwei Operationssäle permanent betrieben und voll ausgelastet. Sie werden vor allem für allgemein-, viszeral- und thoraxchirurgische Eingriffe genutzt. Ein dritter Operationssaal ist sofort einsatzbereit und kann flexibel genutzt werden - etwa bei Engpässen oder Wartungsarbeiten in anderen Sälen“.

Das verwundert mich dann doch sehr. Die Leitung der Karl-Leistner Kliniken leistet sich in einer auf gnadenlose Wirtschaftlichkeit getrimmten Krankenhauslandschaft und bei permanentem Kostendruck einen OP und alles was da kostenmässig noch so dranhängt quasi "über Bedarf" für Engpässe oder Wartungsarbeiten?

Mit Verlaub aber hier darf ich wohl erhebliche Zweifel anmelden. Erkannte Überkapazitäten werden in unserer Krankenhauslandschaft normalerweise schnellstmöglich konsequent abgebaut und nicht manifestiert.
Ein weiteres eigentlich unglaubliches Argument ist der Hinweis , "zu den wirtschaftlichen Ergebnissen einzelner Häuser geben wir keine Auskunft. Es würden nicht einmal Jahresabschlüsse für die einzelnen Standorte erstellt."

Wer soll das denn glauben? Sollte dies wirklich der Fall sein und keine wirtschaftlichen Abschlüsse für die einzelnen Häuser erstellt werden, so könnte man vermuten, dass die Leitung auch keinen Überblick über die Leistungsfähigkeit und den Beitrag seiner dislozierten Häuser zum Gesamtergebnis des Verbundes hat. Entschuldigung, aber dies ist für mich in einem professionellen Managementumfeld - von dem ich doch wohl ausgehen kann? - weder vorstellbar noch glaubwürdig.
Im Zeitalter von Controlling, das wohl inzwischen auch in der Krankenhauslandschaft am linken Niederrhein Einzug gehalten haben dürfte, wird hier die Öffentlichkeit -zurückhaltend formuliert - nicht korrekt informiert bzw. beschwichtigt.

Ingesamt wecken gerade deshalb solche Informationsbruchstücke mein Interesse dieses Puzzle wieder mal zu betrachten und zu vervollständigen.

Mich beschleicht derzeit das Gefühl, als würde getreu dem Motto gehandelt, die Gelegenheit ist günstig, denn die Gocher sind mal wieder mit sich und in ihrer kommunalpolitischen Welt beschäftigt, da lassen sich doch auch medial schon mal einige unangenehme Informationen streuen, auf die man sich später beziehen kann, wenn es darum geht, erneut Umstruktierungen vorzunehmen. Niemand kann dann behaupten, es hätte keiner darauf hingewiesen und keiner gewusst.

Wie könnte nun eine mögliche Fortsetzung der Strategie und ein möglicher Zeitplan hierzu aussehen?

Nun ja, wenn man davon ausgeht, dass die Aufhübschung des zentralen Klever Bausteins im Karl-Leither Verbund, d.h. die Baumaßnahmen um das St. Anton Hospital in 2017 abgeschlossen sind, so dürften sich spätestens 2017 auch die entscheidenen nächsten Schritte der Umstrukturierung ergeben.

Diese könnten sich in einer dann endgültigen Zentralisierung aller medizinischen Kapazitäten des Karl-Leistner Verbundes in Kleve ausdrücken, bei der dann auch das WAH in Goch und ggf. aber auch die Klinik in Kevelaer auf der Strecken bleiben könnten.

Ein weiteres mögliches Szenario wäre ab 2017, der Verkauf der Karl-Leistner Kliniken an einen großen Klinikkonzern oder die Fusion des Karl-Leistner Klinikums mit einer anderen Klinik am Niederrhein.

In jedem Fall sehe ich für das WAH Goch in diesen Entwicklungen immer weniger Perspektive. Das WAH Goch besteht wohl nur noch und wird wohl nur solange benötigt, bis die Bauarbeiten in Kleve endgültig abgeschlossen sind.

In den beiden o.a. angenommenen Szenarien wäre das WAH nur Hypothek und müsste eigentlich vorher abgewickelt werden.

Bei einem Verbund oder einem Verkauf ab 2017 würden sich zudem mit Sicherheit alternative wirtschaftliche Kapazitäten für die In Goch noch befindliche Gastroenterologie und der Endoskopieabteilung an einem anderen Standort finden lassen

Eigentlich hoffe ich ja doch, dass ich mit alle dem Unrecht habe und irgendetwas übersehen habe. Vielleicht hilft mir ja jemand gedanklich auf die Sprünge?


In der Anlage füge ich vielleicht zur Erinnerung noch ein paar historische Anmerkungenshinweise hinzu:

http://www.lokalkompass.de/goch/politik/krankenhau...

http://www.lokalkompass.de/goch/politik/klever-mit...

http://www.lokalkompass.de/goch/politik/kkikk-das-...
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3 Kommentare
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Lothar Dierkes aus Goch | 25.04.2015 | 20:24  
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Elisabeth Knechten aus Goch | 25.04.2015 | 22:02  
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Michael (Micky) Peters aus Goch | 27.04.2015 | 11:40  
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