Wo leben wir hier eigentlich?

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Goch: Gocher Wochenblatt |

"Das ist nicht mein Sachsen" sagt Herr Ministerpräsident Tillich und zeigt sich sehr betroffen! Doch Herr Tillich, wieder mal geirrt, schauen sie genau hin, leider auch das ist ihr Sachsen, jetzt rächt sich die lange Zeit der politischen Verweigerung und Beschwichtigung zu dieser unsäglichen braunen gesellschaftlichen Fehlentwicklung. - Ich schäme mich und frage mich: Wo und in was für einer Zeit leben wir eigentlich?

Es sind die Wochen der "Alphadeutschen", die aber medial offenbar nicht mehr so genannt werden wollen übrigens auch nicht mehr "Ausländerfeinde", im Zweifel schon garnicht einmal mehr "Neonazis".
Mittlerweile sind für den Mob, der da seine Ressentiments durch die Straßen trägt, der Unterkünfte von hilflosen Menschen anzündet sogar die Wörter "Asylkritiker", "Asylgegner", „Rechte Demonstranten“ medial nicht unüblich geworden – Begriffe, die sich diese Gruppen selbst zueignen und die mit den "Asylbefürwortern" ein eigentlich abartiges Begriffspaar bilden.
Inzwischen übernehmen und pflegen auch die Medien den Gebrauch dieser Wörter, ohne sich offensichtlich bewusst zu machen, was und vor allem welcher Gesinnung hier nachgeplappert und der Weg bereitet wird.
Der "Asylkritiker" reiht sich ein in ein verharmlosende, einer unsäglichen Tendenz und Sprachverschleierung folgenden pseudo „political correctness“ abgleitendem Gebrauch der deutschen Sprache, wo auch Begriffe wie "gesunder Menschenverstand" zu finden ist oder der "besorgte Bürger", der "Islamkritiker" und die "schweigende Mehrheit". Ein ganzes Bestiarium des Volksempfindens, welches zu den realen kriminellen Untaten von Freital und Heidenau nicht passen will und völlig daneben ist.
Die sprachliche Verwendung und Maskerade des "Asylkritikers" ist der unsägliche Versuch, latente und gewaltbereite Ausländerfeindlichkeit zur legitimen Umgangssprache zu erheben, eine Position in der Öffentlichkeit einzuführen und ihren Ursprung aus einer verwerflichen Ideologie zu verschleiern.
Eine perverse Art des „Das-Geht-Doch-Noch-Rassismus“. Plötzlich klingt alles ganz zivil, ganz harmlos und unverfänglich, wie nach einer Meinungsverschiedenheit zwischen politisch engagierten Bürgern, zwischen Kritikern und Befürwortern, so als ginge es hier um Initiativen, die sich um ein neuen Kreisverkehr streiten oder über eine Oper oder eine neue Autobahn.
Als ginge es um einen gepflegten Austausch von Meinungen und nicht um etwas, das keine Verhandlungssache ist und sein darf, sondern das verfassungsmäßig verbriefte Menschenrecht.
Dass der Begriff "Asylkritiker" dennoch weitgehend kritiklos in die Berichterstattung eingezogen ist, wie auch die verniedlichenden Wortwahl "Krawall" oder "Gewaltanwendung" im Zusammenhang mit Brandanschlägen, Mordversuchen und anderer abscheulich dummer Gewalt gegen hilfesuchende Menschen, kann man als kleinen Sieg der Rechtsextremen ansehen, mit dem man sich im erst der Gesellschaft nicht zufrieden gegeben darf.
Wenn es Folgen aus Pegida gibt, so ist das vielleicht eine der gewichtigsten.
Die Öffentlichkeit verbindet mit diesem unpassenden Vokabular nicht nur die perverse Logik der Rechten, sondern auch die absurde Vorstellung, man könne und müsse einen Dialog über ein im Grundgesetz festgeschriebenes Menschenrecht führen und die Sorgen dieser Leute ernst nehmen.
Wörter wie "Asylkritiker" sind Versuche Scheinseriösität zu erzeugen und zu verwirklichen und Begriffe in die Öffentlichkeit einzuführen, für die es vorher keinen Platz gab.
Wenn man bei den "Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes" im Zweifelsfall nicht immer bestimmen konnte, wo ihre Mitglieder politisch einzeln stehen mochten, so lässt sich das bei "Asylkritikern" besser markieren: auf der Seite des Ressentiments und dem Gutheißen von Gewalt.
Der "Asylkritiker" ist ein Wort aus der Giftkiste, mit dem stupide und dumme nationale Selbstbesoffenheit und das Fehlen jeglicher Empathie außer für sich selbst getarnt werden soll.
Ob man sie Nazis nennen will, Ausländerfeinde oder Vollidioten, ist unerheblich. Das Wort "Asylkritiker" ist ein Signal: Man weiß, welcher Geist einen hier anweht. Jeder der noch einen Rest von Intellekt gerettet hat und sich trotzdem in diese Reihen einordnet, muss sich gefallen lassen, sich unter dem Banner und der Gesinnung von Nazis beurteilen zu lassen.
Menschen die Flüchtlingsunterkünfte anzünden, die Gewalt offen und gezielt aus niederen Motiven und dazu zählt Rassissmus nun mal, gegen Männer, Frauen und Kinder predigt und ausübt will Schrecken und Abschrecken – das ist "Terrorismus" und sind keine "Ausschreitungen" oder "Krawall".
(frei interpretiert nach einem Kommentar aus der Zeit vom 27.07.2015)
Günter Bronner bringt diesen Sachverhalt 2005 für mich bei der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Gunskirchen nach wie vor treffend auf den Punkt:
"Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus.
Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig.
Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent
und
man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi."
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