Und das soll Liebe sein?

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Nur ein Rollenspiel. Dennoch kommt die Szene, die Alexander und Arinna nachstellen, auch in vielen Beziehungen vor.

„In unserer Schule spielt sich das Leben ab. Da ist Gewaltprävention natürlich ein Dauerthema“ sagt Monika Rosenbaum, Lehrerin an der Gustav-Adolf-Schule in Goch. An drei Projekttagen wurde dies mit zwei Expertinnen noch einmal intensiviert.

Christian Schmithuysen

Unter der Frage „Und das soll Liebe sein?“ wurde zunächst das Lehrerkollegium mit dem Thema „Gewalt“ konfrontiert. Maria Peeters und Marion Claaßen von der Frauenberatungsstelle Impuls zeigten den Lehrern auf, welche Signale auf häusliche Gewalt hinweisen. Ganz vorne steht dabei das Beispiel, wenn ein frischverliebter Mann einer Frau einen Blumenstrauß zur Arbeit schickt mit der Widmung „Du bist für mich Sonne, Mond und Sterne“. Die Schüler der 10b schenken dem Signal zunächst wenig Beachtung. Während Arinna das unter der Kategorie „eher peinlich“ einstufen würde, fände es ihre Mitschülerin „doch ganz süß“.
„Das kann durchaus auch so gemeint sein“, klärt Maria Peeters auf. „Aber woher weiß der Mann, wo die Frau arbeitet, wenn sie sich erst kurze Zeit kennen?“ Und die Aussage deute auf eine besitzergreifende Person hin, für den der Partner alles sei und neben ihm nichts mehr existiere. Aha-Erlebnisse, die die Schüler auch in Rollenspielen erleben. So klingelt ein Junge seine Freundin mitten in der Nacht aus dem Bett, um sie zu kontrollieren. „Ich hätte echt Panik bekommen“, sagt Lisa und ist froh, dass sie künftig auf solche Situationen vorbereitet ist. Wichtig sei es auch, hat Jan gelernt, dass man sich Ansprechpartner sucht: „Vor allem, wenn man von einem Stalker verfolgt wird, sollte man sich Freunden und der Familie anvertrauen.“ Auch den Weg zur Polizei solle man nicht scheuen.

Probleme sind nicht fremd


Die Tipps von den Expertinnen der Frauenberatungsstelle stoßen bei den Schülern auf offene Ohren und stärken ihr Selbstwertbewusstsein. Denn der Schule sind die Probleme keineswegs völlig fremd. „Wir arbeiten hier hart am Ball“, sagt Klassenlehrer Jürgen van de Sandt. „Wenn man merkt, dass in der Familie eines Schülers vielleicht Gewalt im Spiel ist, tauscht man sich zunächst mit Kollegen aus.“ Haben diese ähnliche Eindrücke gewonnen, wird der Schulsozialarbeiter hinzugezogen. Verhärtet sich der Verdacht, wird das Schulamt informiert.
Damit dies möglich selten geschieht, sind solche Projekttage hilfreich. „Wir wollen lieber Vorbeugungsarbeit leisten, als erst einzugreifen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“, erklärt Maria Peeters wie wichtig Gewaltprävention ist.
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